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ETHOS-BERICHT: Widerstand der Aktionäre nimmt zu

Den Unternehmensführungen weht dieses Jahr ein rauerer Wind entgegen als in den Vorjahren. Die Opposition der Aktionäre gegen überhöhte Löhne ist gewachsen. Die Wirkung allerdings ist noch gering.
Daniel Zulauf
Kein Thema treibt die Aktionäre derart um wie Vergütungen für Management und Verwaltungsrat. (Bild: Peter Schneider/Keystone (Thun, 2. Dezember 2016))

Kein Thema treibt die Aktionäre derart um wie Vergütungen für Management und Verwaltungsrat. (Bild: Peter Schneider/Keystone (Thun, 2. Dezember 2016))

Daniel Zulauf

Fünf Jahre nach dem Volksja zur ­Abzocker-Initiative ist unter den selbst ernannten Schützern der Aktionärsdemokratie die Euphorie fast verflogen. Die politische Diskussion über die anstehende Änderung des Aktienrechts, mit der das Parlament die Verordnungen zur ­Initiative ins Gesetz übernehmen will, spricht Bände. Brigitta Moser-Harder, eine der damaligen Mitinitiatorinnen, ist weiter auf den Generalversammlungen vieler grosser Unternehmen unterwegs. Als Votantin aus dem Kreis der Kleinaktionäre prangert sie die schwachen Leistungen hochbezahlter Manager an. Die Abzocker-Initiative hat den ­Aktionären mehr Mitspracherechte eingetragen. Deren Wirkung ist aber schwer zu messen.

Die Anlagestiftung Ethos konstatiert in ihrer aktuellen Analyse der 100 grössten an der Schweizer Börse kotierten Unternehmen zwar eine «gewisse Bremswirkung» bei den Managergehältern. Doch ohne Tiefenanalyse sind diese Bremsspuren kaum zu erkennen. Fakt ist, dass die durchschnittlichen Vergütungen im vergangenen Jahr nahezu konstant geblieben sind (siehe Grafik). Im Finanzsektor sind die Spitzenlöhne gar um durchschnittlich 4 Prozent gestiegen, obwohl die Gewinne um 16 Prozent gesunken sind. Diese Entwicklung ist nicht im Sinne der Initiatoren von damals.

Credit-Suisse-Chef kommt ungeschoren davon

Zwar hält man bei Ethos fest, dass der Druck der Aktionäre beispielsweise das Credit-Suisse-Management im April zu einem «freiwilligen» Teilverzicht auf den Bonus verleitet habe. Der Widerstand sei an der Generalversammlung klar zum Ausdruck gekommen. Doch die erwähnte Statistik spricht eine andere Sprache. Der Vergütungsbericht der Grossbank wurde mit 58 Prozent der Stimmen durchgewinkt, und der stark in die Kritik geratene Verwaltungsratspräsident Urs Rohner schaffte die Wiederwahl mit über 90 Prozent der Stimmen. Vor diesem Hintergrund wirkt die Aussage von Ethos über den steigenden Widerstand der Aktionäre leicht forciert.

Immerhin lässt sich nicht bestreiten, dass das Vergütungsthema die Aktio­näre am meisten umgetrieben hatte. 21 Prozent der Abstimmungen über den Vergütungsbericht wurden von weniger als 80 Prozent der Aktionäre angenommen. Im Vergleich zu 2016 hat sich der Widerstand hier verstärkt (16 Prozent). Allerdings blieben die Aktionäre in puncto Managerlöhne eher zahm. Im Durchschnitt lehnten sich nur 13 Prozent gegen die Vergütungsberichte auf (2016 11 Prozent) auf.

Die Opposition lässt sich noch etwas stärker darstellen, wenn man nur die Abstimmungsergebnisse der freien Publikumsaktionäre betrachtet. Doch über diese Betrachtungsweise lässt sich streiten. Biedermann rechtfertigt dies mit dem Argument, dass in einem gesunden Unternehmen möglichst alle Aktionäre am gleichen Strick ziehen sollten. Doch es gibt viele gute Gründe, weshalb Ankeraktionäre in gewissen Themen nicht unbedingt zum Nachteil der Firma anders entscheiden als andere Miteigentümer. Biedermann sieht in der abgelaufenen GV-Saison dennoch den Beweis, dass die Aktionäre das einstige «blinde Vertrauen» in die Unternehmensführung abgelegt haben.

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