Hier spricht der Chef
Eurokurs: Segen für Importeure?

Zunehmend herrscht in den Märkten die Meinung, dass die auf Import ausgerichteten Schweizer Unternehmen die grossen Gewinner der Eurokrise seien. Wirklich?

Alexis Reize*
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*Alexis Reize ist Delegierter des Verwaltungsrats der Reize Optik AG in Trimbach.

*Alexis Reize ist Delegierter des Verwaltungsrats der Reize Optik AG in Trimbach.

Tatsächlich konnten bei Einkäufen aus dem Euroraum Einsparungen erzielt werden. Die Situation zeigt sich jedoch je nach Branche deutlich unterschiedlich! Reize Optik, ein familiengeführtes Unternehmen im Bereich des Brillenglashandels mit eigener Produktionsstätte in Trimbach, bezieht Waren und Technologie zur Herstellung von Brillengläsern aus dem Euroraum. Die Löhne machen jedoch immer noch den Löwenanteil unserer Kosten aus, und diese bezahlen wir in Franken.

Es häufen sich die Klagen von Kunden insbesondere aus den grenznahen Regionen über zum Teil massive Umsatzrückgänge, weil sich die Konsumentinnen und Konsumenten aufgrund des starken Frankens vermehrt jenseits der Landesgrenze mit Sehhilfen eindecken. Dies macht sich bei unserem Auftragseingang bemerkbar. So geht es zurzeit vielen binnenmarktorientierten
Unternehmen, meistens KMU. Die Eurokrise ist auch ein Problem für die vermeintlichen
Gewinner dieser Situation! Es braucht nun einen gemeinsamen Effort:

Die staatlichen Institutionen sollen endlich alle zur Verfügung stehenden Instrumente einsetzen, um den Wert unserer Landeswährung gegenüber Euro (und Dollar) auf
einem vernünftigen Niveau zu halten.

Die Händler müssen mit Angeboten (auch preislicher Natur) an ihre Kundinnen und Kunden herantreten. Sie verfügen über die Möglichkeiten, auch und insbesondere mit Swiss-Made-Produkten. Die Preisdifferenz zum umliegenden Ausland muss nicht hoch sein, trotz des starken Frankens.

Konsumentinnen und Konsumenten sind in Schweizer Geschäften herzlich willkommen. Sie sollen sich dort über die tollen Angebote informieren und werden feststellen, dass sich der Gang über die Grenze in der Gesamtbetrachtung nicht lohnt. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag, das schweizerische Lohnniveau im internationalen Vergleich auf einem Spitzenplatz zu halten. Die
Eurokrise betrifft uns alle. Es braucht jetzt mutige und intelligente Entscheide, aber ebenso Fairness und Solidarität. Die Chancen stehen gut, gestärkt aus der Eurokrise zu gehen.