Interview

Europa-Chef des Impfstoffherstellers Moderna: «Wir hoffen auf eine Zulassung bis zum Ende dieses Jahres»

Die US-Biotechfirma hat Nicolas Chornet zum Geschäftsführer des europäischen Geschäfts mit Sitz in Basel ernannt. Der Kanadier nimmt erstmals Stellung zu den Plänen von Moderna in der Schweiz.

Andreas Möckli
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Er leitet den Basler Europahauptsitz des US-Impfstoffentwicklers Moderna: Der Kanadier Nicolas Chornet.

Er leitet den Basler Europahauptsitz des US-Impfstoffentwicklers Moderna: Der Kanadier Nicolas Chornet.

PD/Oliver Menge/Montage_CH Media

Die US-Biotechfirma Moderna hat sich für Basel als Standort für ihren europäischen Hauptsitz entschieden. Damit bestätigt sich, was CH Media bereits vor einer Woche berichtete. Moderna gehört zu jenen Firmen, die mit der Entwicklung eines Coronaimpfstoffes am weitesten fortgeschritten sind. Die Wirksubstanz des Impfstoffes wird grösstenteils von der Basler Pharmazulieferin Lonza hergestellt. Nun hat Moderna mit Nicolas Chornet den Geschäftsführer des europäischen Geschäftsbetriebs ernannt. Der 50-jährige Kanadier hat zuvor unter anderem für Novartis gearbeitet. Im Interview äussert sich Chornet zu den Plänen der Firma in der Schweiz.

Sie haben sich für Basel als europäischen Hauptsitz entschieden. Hat dies vor allem damit zu tun, dass ihre Partner Lonza ebenfalls in Basel den Hauptsitz hat?

Nicolas Chornet: Das war sicher einer der wichtigsten Gründe. Wir sind bekanntlich im Mai eine strategische Partnerschaft mit Lonza eingegangen, um die Wirksubstanz des Impfstoffs herzustellen. Ein grosser Teil davon wird in Visp hergestellt.

Welche anderen Gründe haben für Basel gesprochen?

Ich persönlich kenne Basel gut, da ich knapp zwölf Jahre für Novartis gearbeitet habe und daher oft für Sitzungen am Hauptsitz in Basel war. Doch viel wichtiger: Hier gibt es bekanntlich grosses pharmazeutisches Know-how. Damit dürften wir hier relativ einfach die benötigten Fachkräfte finden. Die Stadt ist zudem in Europa geografisch gut gelegen, da wir hier den zukünftigen Vertrieb unserer Produkte anstreben.

Was hat dazu geführt, dass sich für Lonza als Partner entschieden haben?

Wir haben nach einem Unternehmen gesucht, das grosse Erfahrung darin hat, qualitativ hochstehende Wirksubstanzen herzustellen. Lonza war sehr offen für eine Zusammenarbeit und hat sich sehr für unseren Technologieansatz interessiert.

Was sind die Aufgaben des europäischen Hauptsitzes in Basel?

Wir werden von hier aus die Lieferkette und die Verteilung des Impfstoffs für Europa und weitere Regionen ausserhalb der USA aufbauen und betreuen. Daneben werden sich mehrere Mitarbeiter um die Qualitätskontrolle kümmern. Schliesslich wird es ein kleineres Team geben, dass sich um den internationalen Verkauf des Impfstoffs kümmert.

Können Sie an einem Beispiel aufzeigen, was die Betreuung der Lieferkette beinhaltet?

Es geht um die Planung der Bestellungen, die wir erhalten und welche Materialien wird dafür benötigen. Daneben geht es auch um die Abstimmung der Produktion in Visp und der Abfüllung der Wirksubstanz in Spanien. Anschliessend geht es um die Verteilung des Impfstoffs auf verschiedene Länder in Europa und darüber hinaus.

Wird der fertige Impfstoff von Basel aus geliefert?

Das haben wir noch nicht abschliessend entschieden. Es gibt einerseits die Möglichkeit, dass der Impfstoff direkt nach der Abfüllung in Spanien ausgeliefert wird. Denkbar wäre aber auch, dass die Impfung von Basel aus geliefert wird.

Wie viele Leute werden Sie in Basel beschäftigen?

Bis Ende Jahr werden wir wahrscheinlich rund 30 Mitarbeiter anstellen. Im nächsten Jahr dürfte die Zahl auf 40 bis 50 steigen. Das hängt davon ab, wie rasch wir mit der Entwicklung des Impfstoffs vorankommen.

Wissen Sie schon, wo Sie ihre Büros in Basel haben werden?

Nein, noch nicht. Ich bin der erste Mitarbeiter in Basel. Derzeit nutze ich ein temporäres Büro. Wir arbeiten eng mit der Standortförderorganisation Basel Area zusammen.

«Wir anerkennen, dass der Impfstoff erschwinglich und der Zugang dazu gewährleistet sein muss. Unser Preis ist ein guter Mittelweg zwischen den genannten Kriterien und unseren Produktionskosten. Zudem müssen wir an unsere Aktionäre denken.»

Werden Sie selber in die Schweiz ziehen?

Ja, ich werde mich in der Region Basel niederlassen. Ich freue mich darauf.

Was passiert mit dem Schweizer Standort, falls der Impfstoff nicht erfolgreich sein wird?

Darüber lässt sich nur spekulieren. Unser Unternehmen hat den Vorteil, dass wir mit einer Technologieplattform arbeiten. Diese Technologie wird für all unsere Medikamente und Impfstoffe angewandt. Was Lonza nun in Visp und wir hier in Basel aufbauen, könnte relativ einfach auch für andere unserer Produkte angepasst und genützt werden.

Die Schweiz hat bei Moderna 4,5 Millionen Impfdosen vorbestellt. Wie kam der Kontakt zustande?

Wir sehen grosses Interesse und führen mit einer Reihe von Ländern Gespräche über Modernas Impfstoffkandidaten. Kooperationen wie die mit der Schweiz sind ein wichtiger Schritt vorwärts in unserer globalen Antwort auf die Pandemie und ermöglichen es Moderna, unsere eigenen europäischen Aktivitäten zuversichtlich voranzutreiben.

Sind Sie auch mit anderen europäischen Ländern in Kontakt?

Ja, wir führen auch mit anderen Ländern Gespräche. Das Interesse an unserem Impfstoff ist vorhanden.

Eine Frage zum Preis des Impfstoffs. Moderna verlangt für kleinere Volumen zwischen 32 und 37 Dollar pro Dosis und damit deutlich mehr als andere Hersteller. Was antworten Sie Kritikern dieses hohen Preises?

Wir anerkennen, dass der Impfstoff erschwinglich und der Zugang dazu gewährleistet sein muss. Unser Preis ist ein guter Mittelweg zwischen den genannten Kriterien und unseren Produktionskosten. Zudem müssen wir an unsere Aktionäre denken. Moderna hat zwar keine spezifischen Preispläne für den Impfstoff angekündigt, aber wir gehen davon aus, dass wir einen wesentlichen Teil des Wertes unseres Impfstoffs zum Nutzen der Gesellschaft beisteuern und nicht alles in unserem endgültigen Preismodell erfassen werden.

Alle wollen wissen, wann der erste Impfstoff verfügbar ist. Wann wird Moderna soweit sein?

Wir haben kürzlich die letzte der drei Phasen der klinischen Entwicklung begonnen. Nun werden wir sehen müssen, welche Resultate diese Studie zeigen wird. Wir hoffen auf eine Zulassung des Impfstoffs zum Ende dieses Jahres.

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