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EVENTS: Verlage an der roten Linie

Die Wettbewerbskommission verbietet die Fusion von Ticketcorner und Starticket. Die beiden Firmen, an denen Ringier und Tamedia beteiligt sind, hätten so den Ticketmarkt kontrolliert, so die Wettbewerbshüter.
Daniel Zulauf
Ticketcorner habe bereits heute eine marktbeherrschende Stellung beim Billettverkauf in der Schweiz, so die Wettbewerbskommission. (Bild: Getty)

Ticketcorner habe bereits heute eine marktbeherrschende Stellung beim Billettverkauf in der Schweiz, so die Wettbewerbskommission. (Bild: Getty)

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Ticketcorner und Starticket, die beiden führenden Billettvermarkter in der Schweiz, dürfen ihren im Oktober angekündigten Zusammenschluss nicht vollziehen. So urteilte gestern die Wettbewerbskommission.

Auf dem Markt für den sogenannten Fremdvertrieb (Veranstalter überlassen den Ticketverkauf einem Drittanbieter) gäbe es «deutliche Anhaltspunkte, dass Ticketcorner bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt über eine marktbeherrschende Stellung verfüge», teilt die Behörde mit. Der Zusammenschluss hätte es den beiden Unternehmen erlaubt, «den Schweizer Markt für Fremdvertrieb von Tickets zu kontrollieren und den wirksamen Wettbewerb zu beseitigen», liest man in dem Communiqué weiter. Weko-Direktor Rafael Corazza spricht auf Anfrage von einem Marktanteil in der Grössenordnung von 80 bis 100 Prozent.

Ticketcorner gehört zu je 50 Prozent der Ringier-Gruppe und dem deutschen Ticketunternehmen CTS Eventim. Die deutlich kleinere Starticket ist im Besitz von Tamedia. Diese geschäftliche Verbindung der medialen Informationsvermittlung mit dem kommerziellen Vertrieb von Veranstaltungstickets ist den Wettbewerbshütern offensichtlich auch nicht ganz geheuer. Die Anbindung der beiden heiratswilligen Ticketfirmen an die zwei grossen Schweizer Mediengruppen hätte die Stellung des neuen Unternehmens auf dem Markt verstärkt, schreibt die Weko. Sie spricht von einem sogenannten konglomeraten Effekt. Auf Anfrage führt Corazza aus, seine Behörde habe die Gefahr nicht ausschliessen können, dass es in den Medienhäusern zu «Beeinflussungen» hätte kommen können. Was Corazza meinte, war, dass Ringier- und Tamedia-Medien ihre Berichterstattungen und Ankündigungen von Veranstaltungen mit Ticketvertrieb in der eigenen Firma hätten privilegieren können.

Konsumentenschutz zeigt sich zufrieden

Starticket und Ticketcorner hatten ihre Fusionsabsicht im Oktober mit der wachsenden Konkurrenz aus dem Ausland begründet. In der damaligen Mitteilung war von einem «zunehmend intensiven Wettbewerb im Ticke­tinggeschäft durch internationale Anbieter» die Rede. Branchen­insider sehen wenig Grund für dieses Argument. Der weltgrösste Anbieter, die US-Gruppe Ticketmaster, ist auf dem Schweizer Markt offenbar gar nicht präsent. Die Fusion im Schweizer Ticketmarkt hätte auch eine Antwort auf die «rasante technologische Entwicklung und die wachsende Bedeutung des Direktverkaufs» sein sollen. Dort hätte die Weko in der Tat keine Vorbehalte gegen den Zusammenschluss vorgebracht. Im Markt für Softwarelösungen, die es den Veranstaltern ermöglichen, den Ticketvertrieb selber vorzunehmen (Eigenvertrieb), scheint es einen ausreichend grossen Wettbewerb zu geben. Branchenkennern zufolge sind rund 200 Softwarelösungen auf dem Markt. Doch für die Vermarktung ihrer Anlässe sind die Veranstalter in vielen Fällen weiterhin auf redaktionelle Unterstützung der Medien angewiesen.

Für die schweizerische Konsumentenstiftung SKS ist der Weko-Entscheid ein Sieg. «Die Aufforderung des Konsumentenschutzes, den Wettbewerb in der Schweizer Ticketbranche aufrechtzuerhalten, ist erfüllt worden», lobt die Stiftung auf ihrer Webseite. «Die Ticketpreise wären ins Uferlose gestiegen.» Die SKS hatte vor sieben Jahren Ticketcorner vorgeworfen, Billette für ein AC/DC-Konzert absichtlich dem Schwarzmarkt zugeführt zu haben. Ticketcorner hatte diese Anschuldigung aber mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen. Im Oktober 2014 war der gleiche Vorwurf, bezogen auf die Fussball-WM in Deutschland im Jahr 2006, gegen das deutsche Ticketunternehmen und Ticketcorner-Mitbesitzerin CTS Eventim von der Zeitung «Die Welt» erhoben worden. Die Firma verwehrte sich auch in diesem Fall gegen die Anwürfe. Trotzdem kam es zu Ermittlungen der Justizbehörden. Sie wurden später gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.

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