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Julius-Bär-Banker gibt Geldwäsche zu

Ein neuer Geldwäscheskandal mit venezolanischem Hintergrund lässt Schweizer Banken wieder zittern und wirft ein schiefes Licht auf den Finanzplatz Miami.
Daniel Zulauf
Ein Ex-Mitarbeiter von Julius Bär war Teil eines Geldwäschereirings. Bild: Denis Balibouse/Reuters (Lausanne, 13. November 2014)

Ein Ex-Mitarbeiter von Julius Bär war Teil eines Geldwäschereirings. Bild: Denis Balibouse/Reuters (Lausanne, 13. November 2014)

Der ehemalige Julius-Bär-Kundenberater Matthias Krull fiel aus allen Wolken, als er am 25. Juli in Miami verhaftet wurde. Der 44-jährige Deutsche mit Wohnsitz in Panama war offensichtlich im festen Glauben nach Florida gereist, dass niemand ausser ihm selber und den Teilnehmern eines exklusiven venezolanischen Geldwäschekomplotts ­Bescheid über seine Geschäfte mit kriminellen Geldern der staatlichen venezolanischen Erdölgesellschaft PDVSA wissen konnte. Krull täuschte sich. Einer aus dem kriminellen Zirkel hatte bereits im Jahr 2016 kalte Füsse bekommen und sich dem Polizeibeamten, Special Agent George Fernandez, anvertraut, um die unrechtmässig erworbene Summe von 78 Millionen Euro zu erstatten und den Behörden bei der Operation «Money Flight» als ­Informant zur Hand zu gehen.

Die «vertrauliche Quelle», wie der Informant in der Anklageschrift vom 23. Juli gegen eine ganze Reihe mutmasslicher Geldwäscher aus Südamerika bezeichnet wird, hat offensichtlich viele Beweise geliefert. So viele, dass Krull am Mittwoch bereits sein Schuldeingeständnis gegeben hat. Er habe in seiner Position als Kundenberater der Bank Julius Bär Privatkunden insbesondere aus Venezuela in die Bank gebracht. Vier solche Kunden wurden am 16. August von den US-Behörden der Geld­wäsche angeklagt.

Rückfall könnte gravierende Folgen haben

Krull wird voraussichtlich am 29. Oktober das gerichtliche Urteil erfahren. Trotz des Schuldbekenntnisses droht ihm eine lange Gefängnisstrafe. Für die Bank Julius Bär beginnt nun das grosse Zittern. Wird Krull im Bestreben, sich selber zu entlasten, den Versuch unternehmen, die Schuld auch auf die Bank abzuwälzen? Was, wenn der Banker Belege liefern kann oder auch nur die Behauptung aufstellt, dass seine Chefs von der Sache wussten oder davon hätten wissen müssen? Julius Bär hatte sich im Februar 2016 mit den US-Justizbehörden auf eine Vereinbarung zur Beilegung des Steuerstreits geeinigt und nebst der Strafzahlung von 547 Millionen Dollar Wohlverhalten versprochen.

Ein Rückfall könnte für die Bank gravierende Folgen haben. Auf Anfrage betonte ein Sprecher der Bank allerdings: «Die Verhaftung und das Geständnis des ehemaligen Mitarbeiters basieren auf einer Anklage gegen diesen und eine Reihe weiterer Personen. Die Anklage nimmt keinen Bezug auf die Bank, ausser, dass Herr Krull bei der Bank angestellt war.» Aufatmen kann Julius Bär deshalb aber noch lange nicht. Man führe eine interne Untersuchung auf Grundlage der in der Anklage enthaltenen und öffentlich verfügbaren Informationen und kooperiere mit den Behörden, räumte der Sprecher ein. Eröffnet wurde die interne Untersuchung nach Aussagen des Sprechers erst nach Krulls Verhaftung. Das deutet ­darauf hin, dass die Bank nach dessen Kündigung eine solche Wendung noch nicht erwartet hatte. Krull hatte im Mai bei der Genfer Privatbank Gonet auf den Bahamas angeheuert. Die Dimensionen des Geldwäschekomplottes sind erschreckend. Rund 1,2 Milliarden Dollar, Gelder, die aus Bestechung und Betrug stammen, sollen mit Hilfe von Wechselkurstransaktionen basierend auf völlig unrealistischen Wechselkursen und über verschlungene Offshoretransaktionen in den legalen Bereich der Wirtschaft geschleust worden sein, heisst es in der Anklage. Eine zentrale Rolle bei der Wideranlage der kriminellen Gelder habe der Häusermarkt in Miami gespielt. Auch die Treffen der Geldwäscher fanden in Miami statt. Dies wirft auch ein schiefes Licht auf den dortigen Finanzplatz, der als Drehscheibe für internationale Geschäfte aus Südamerika gilt.

Kein Rechtshilfegesuch eingereicht

Von einem Rechtshilfegesuch der US-Behörden an die Schweiz ist bislang nichts bekannt. Das könnte bedeuten, dass sich die US-Behörden vorerst tatsächlich vor allem auf die Machenschaften in Miami selber fokussieren. Es kann aber auch heissen, dass den Behörden ganz einfach schon genügend Beweise vorliegen. Die Bundesanwaltschaft in Bern, die für die Untersuchung grosser Geldwäscheoperationen zuständig ist, führt in Sachen PDVSA kein Strafverfahren, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte. In den grossen Korruptionsaffären Petrobras (Brasilien) und 1MDB (Malaysia) ist die Schweizer Behörde dagegen sehr aktiv.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) steht nach eigenen Aussagen aber mit verschiedenen Schweizer Banken in Sachen PDVSA in Kontakt. Der Umgang mit den aufsichtsrechtlichen ­Bestimmungen werde abgeklärt. Institutsnamen nennt die Finma keine. «Der Fall PDVSA zeigt exemplarisch, wo die Probleme liegen», sagt ein Experte im Kampf gegen die Geldwäsche, der darauf besteht, nicht genannt zu werden. «Es geht um Korruption, um Schwellenländer und um Offshorekonstruktionen.»

Die Massnahmen waren bisher vor allem auf die Bekämpfung der Steuerhinterziehung gerichtet. Das hat aber und wird auch in Zukunft nicht viel zur Geldwäschebekämpfung beitragen.» Die Banken, die Schweiz und die globale Finanzwelt bleiben auch nach dem Start des automatischen Informationsaustausches in Steuersachen gefordert.

Verbindung nach Sarnen

Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, sind in dem Geldwäschereifall rund um das venezolanische Regime zwei Schweizer Finanzexperten, Vater und Sohn, involviert. Kurt und Yves-Alain Portmann seien Verwaltungsräte des Vermögensverwalters Portmann Capital Management Limited auf der Insel Malta; Vater Kurt ist zudem Hauptaktionär. Über Konten der Firma flossen laut US-Ermittlungsbehörden Millionen mutmasslich abgezweigter Gelder aus dem venezolanischen Staatskonzern PDVSA. Gegen die Portmanns läuft allerdings «so weit bekannt» kein Verfahren, weder in der Schweiz, in Malta noch in den USA, schreibt der «Tages-Anzeiger». Kurt Portmann wollte auf Anfrage der Zeitung nichts zu einzelnen Venezuela-Kunden sagen. Sein Unternehmen habe sich stets an die «Know your customer»-Regeln gehalten und potenzielle Kunden sauber abgeklärt. Yves-Alain Portmann ist in Sarnen gemeldet, wo zwei weitere Finanzvehikel des Vater-Sohn-Gespanns domiziliert sind. Portmann senior hatte früher ebenfalls eine Adresse in Sarnen. (mim)

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