ASE-Prozess
Ex-Chef der Basler Kantonalbank: «Wir spielten nur eine Nebenrolle»

Tag zwei im ASE-Prozess: Hans Rudolf Matter, Ex-Chef der Basler Kantonalbank, sieht die Verantwortung im ASE-Betrugsfall bei den Kunden.

Andreas Möckli
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Hinter diesen Mauern findet der ASE-Prozess statt: Das kantonale Zivilschutzausbildungszentrum in Eiken.Sandra Ardizzone

Hinter diesen Mauern findet der ASE-Prozess statt: Das kantonale Zivilschutzausbildungszentrum in Eiken.Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Es zieht sich wie ein roter Faden durch den Prozess. Die Geschädigten des ASE-Investmentvehikels von Martin Schlegel und Simon M. betonen stets, wie wichtig die Rolle der Basler Kantonalbank (BKB) für ihren Anlageentscheid war. Ein Schweizer Geldinstitut mit Staatsgarantie sei ein wichtiges Indiz gewesen, dass es sich bei der ASE um eine seriöse Investmentfirma handeln muss. Den ASE-Verantwortlichen wird vorgeworfen, mit einem enormen Schneeballsystem knapp 2000 Personen um 170 Millionen Franken betrogen zu haben. Seit Montag stehen sie vor Gericht in Eiken AG.

Die BKB war die Depotbank der ASE, rund 600 Geschädigte hatten dort ein Konto. Umso mehr interessiert die Frage, wieso die Bank die betrügerischen Machenschaften der ASE nicht früher bemerkt hatte. Dazu wurde am zweiten Prozesstag in Eiken neben anderen Bankangestellten auch der damalige Chef Hans Rudolf Matter befragt. Er betonte mehrfach die passive Rolle der BKB in der Dreiecksbeziehung ASE, Kunde und Bank. Schliesslich seien die Kunden über Vermittler zur ASE gelangt. Sie hätten dabei bewusst nicht die BKB als Vermögensverwalter gewählt, sondern die ASE. Die Kunden hätten der Fricktaler Investmentfirma eine umfassende Verwaltungsvollmacht gegeben. «Wir spielten nur eine Nebenrolle.»

Am falschen Ort gesucht

Wenn die ASE-Verantwortlichen die BKB als wichtige Marke verkauft hätten, so geschah das «nicht in unserem Wissen und in unserer Absicht», sagte Matter weiter. Er könne zwar nachvollziehen, dass die Kunden die BKB unter diesen Umständen als wichtiger Garant gesehen hätten. «Aber wenn der Kunde anschaut, was er unterschrieben hat, dann müsste ihm klar sein, dass die ASE bei der Vermögensverwaltung in der Verantwortung stand.»

Gerichtspräsident Beat Ackle und Staatsanwalt Karl Knopf befragten Matter wiederholt über Auffälligkeiten bei der ASE. Erstmals wurde 2009 innerhalb der Bank darüber diskutiert. Matter sagte, er selber habe 2010 seinem damaligen Stellvertreter den Auftrag gegeben, die Beziehung zur Fricktaler Firma genauer zu prüfen, nachdem ein Artikel des Magazins «K-Geld» über fragwürdige Währungsgeschäfte der ASE berichtete. Die Geschäfte wurden unter Auflagen weitergeführt, da die BKB keine gröberen Unregelmässigkeiten feststellte.

Ackle und Knopf gingen auch der Frage nach, weshalb die hohen Minusbestände auf den ASE-Konti in der Bank keine Warnung auslösten. Hier zögerte Matter zum Teil lange mit den Antworten. Laut Staatsanwalt Knopf waren etwa im August 2009 auf gewissen Konten Minuspositionen von 130 Millionen Franken vorhanden, gleichzeitig standen Guthaben von 147 Millionen Franken gegenüber. Ackle wollte wissen, ob ein solcher Umstand nicht Thema für den Kreditausschuss der Bank gewesen sei. «Es kommt auf die Erklärung an», sagte Matter, «wenn diese plausibel ist, dann nicht unbedingt.»

Ohnehin habe die Bank bei den Kontoüberschreitungen am falschen Ort gesucht, sagte Matter. «Niemand hat gemerkt, was hinter der Bühne passiert ist.» Die Manipulationen seien sehr geschickt abgelaufen. Die BKB habe nichts bemerkt, die Kunden und die Finanzmarktaufsicht ebenso wenig.

Auf die Frage, was Matter im Rückblick anders machen würde, sprach er die Korrespondenz der BKB an. Diese ging nicht an die einzelnen Kunden, wie das normalerweise der Fall ist, sondern an die ASE. Dies sei inzwischen geändert worden, damals sei dies jedoch Standard in der Branche gewesen. «Der Kunde hat das ja auch so gewünscht», sagte Matter.