Krankenversicherung
Ex-Chef des Bundesamts für Gesundheit wird Krankenkassenpräsident

Thomas Zeltner ist der neue Verwaltungsratspräsident des Berner Krankenversicherers KPT. Der Mediziner und Jurist trat 2009 als Direktor des Bundesamts für Gesundheit zurück, das er 18 Jahre lang geleitet hatte.

Roman Seiler
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Thomas Zeltner wird Verwaltungsratspräsident der KPT.

Thomas Zeltner wird Verwaltungsratspräsident der KPT.

Keystone

Gut ein Jahr ist der jetzige Verwaltungsrat (VR) der einstigen Berner Beamtenkasse KPT im Amt. Und bereits wird das Aufsichtsgremium wieder stark umgebaut. Der Grund dafür ist rasch erklärt: Wegen der Verletzung von Sorgfalts- und Treuepflichten bei der Festsetzung des Preises von Mitarbeiteraktien setzte die Finanzmarktaufsicht (Finma) im Januar 2012 den Versicherungsexperten Peter Eckert als obersten Verwaltungsrat ein. Er musste unter anderem den Verwaltungsrat (VR) neu besetzen. Das auf dem Reissbrett zusammengesetzte Gremium funktionierte allerdings nicht. Gemäss Informationen von gutunterrichteten Beobachtern kam es zu Querelen. Nun treten der VR-Präsident und Pharmaexperte René Jenny sowie die VR-Mitglieder André Chuffart, Hugo Gerber und Jürg Marty, zurück, wie die KPT gestern mitteilte.

Als Nachfolger gewählt worden sind der Arzt Daniel Flach, der im Gesundheitswesen tätige Unternehmensberater Walter Bosshard und Ulrich Giezendanner. Der langjährige KPT-Delegierte, Aargauer SVP-Nationalrat und Fuhrunternehmer übernimmt das Amt des Vizepräsidenten.«Einstimmig» hätten ihn die Delegierten zu ihrem Vertreter im VR gewählt,sagt Giezendanner gegenüber der «Nordwestschweiz»: «Ich freue mich enorm auf das neue Mandat.» Er habe dafür auch Zeit,denn das Familienunternehmen führten operativ heute seine Söhne. Er präsidiert im KPT-VR das Entschädigungs- und Nominationskomitees. Als Politiker soll er sich zudem im Abstimmungskampf für ein Nein zur Initiative einsetzen, welche die Einführung einer Einheitskasse verlangt. Im Nationalrat lancierte Giezendanner 2010 eine Motion, welche die Offenlegung der Entschädigungen von Geschäftsleitung und VR forderte. Sie kam in beiden Räten durch. Umgesetzt haben sie erst einige grosse Kassen, darunter auch die KPT. Gemäss Geschäftsbericht 2012 verdienten der VR-Präsident 160’000, der operative Chef, Christoph Bangerter, 450’000 Franken.

VR-Präsident wird neu Thomas Zeltner (65). Er ist im Gegensatz zu seinem zukünftigen Vize eher zurückhaltend, argumentiert mit dem Florett, statt dem Zweihänder. Als langjähriger Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG) war er wie kaum ein anderer für bürgerliche Wirtschaftsvertreter ein rotes Tuch wegen seiner Bemühungen um mehr Prävention im Gesundheitswesen, beispielsweise beim Umgang mit Rauchwaren und Alkoholika. Als Gesundheits-Taliban» beschimpften ihn gar Gegner. Obendrein kam er immer wieder unter Beschuss, weil er sich für eine Liberalisierung der Drogenpolitik einsetzte. Dabei galt Zeltner stets als «FDP-nahe».

Er studierte sowohl Medizin wie Rechtswissenschaften, absolvierte zwei Studienjahre an der renommierten Harvard-Universität in den USA. Ins BAG holte Zeltner der einstige CVP-Bundesrat Flavio Cotti. Der Freisinnige Pascal Couchepin setzte 2004 durch, dass auch die Aufsicht über die Kranken- und Unfallversicherung ins BAG integriert wurde. Sie führte danach im BAG lange ein auch personell eher unterdotiertes Mauerblümchendasein, weil Zeltner mit seiner Zusatzrolle als oberster Kassen-Aufseher nie richtig warm wurde. Zumal Couchepin auch keine starke Aufsicht forderte.

Dass er nun als VR-Präsident quasi einen Rollenwechsel macht, hält KPT-Sprecher Reto Egloff für unproblematisch: «Sowohl Peter Eckert wie die Finma wünschten sich, dass Zeltner VR-Mitglied wird. Er hat das Mandat nach reiflicher Überlegung angenommen.» Er fand, der zeitliche Abstand zu seiner Tätigkeit beim BAG sei gross genug gross. Das war bei anderen Wechseln nicht der Fall. Zwei einstige BAG- Aufsichtschefs liessen sich direkt nach ihrem Abgang zum operativen Chef eines Krankenversicherers befördern. Und auch das heutige KPT-Geschäftsleitungsmitglied Reto Egloff war einst für die Kassenausicht tätig.

Zeltners wichtigste Aufgabe ist nun, einen Nachfolger für den KPT-Chef Christoph Bangerter zu finden, der Ende Jahr altershalber zurücktritt. Ein möglicher Kandidat für die Nachfolge ist Reto Egloff.