EXPANSION: Lindt kauft Forrests Pralinés

Lindt & Sprüngli übernimmt den US-Konzern Russell Stover. Mit dem grössten Zukauf der Firmengeschichte wird der Schokoladenhersteller zur Nummer 3 in den USA.

Vasilije Mustur
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Tom Hanks alias Forrest Gump sass im gleichnamigen Hollywood-­Streifen auf der Parkbank, sinnierte über sein Leben und futterte dabei die Schokolade von Russell Stover. (Bild: AFP)

Tom Hanks alias Forrest Gump sass im gleichnamigen Hollywood-­Streifen auf der Parkbank, sinnierte über sein Leben und futterte dabei die Schokolade von Russell Stover. (Bild: AFP)

«Meine Mutter hat immer gesagt: Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiss nie, was man bekommt.» Der Satz aus dem Kinofilm «Forrest Gump» brachte Hollywood-Star Tom Hanks einen Oscar und machte gleichzeitig die US-Schokoladenfirma Russell Stover weltbekannt.

Nun hat auch Lindt & Sprüngli Appetit auf die Forrest-Gump-Pralinés und kauft in der bisher grössten Übernahme des 169-jährigen Unternehmens den US-Süssigkeitenhersteller. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Bekannt gegeben wurde lediglich, dass die Akquisition teils mit eigenen Mitteln und teils mit Hilfe von Bankkrediten bezahlt werde. Analysten gehen davon aus, dass Lindt & Sprüngli 1,2 bis 1,4 Milliarden US-Dollar hinblättern muss – ein stolzer Preis für ein Unternehmen, das 500 Millionen Dollar Umsatz im Jahr erwirtschaftet. Experten bewerteten den Zukauf dennoch als sinnvoll.

Nummer 1 bei Premiumprodukten

Lindt & Sprüngli wird dank Russell Stover im Segment der Premiumschokolade zum Marktführer in den USA. Das ist keine Überraschung – zumal das 1923 gegründete amerikanische Traditionsunternehmen Russell Stover mit Sitz in Kansas City hochwertige Pralinés und Schokoladen herstellt und verkauft sowie besonders vom Geschenkgeschäft an Feiertagen lebt.

Darüber hinaus steigt Lindt & Sprüngli mit dem Zukauf gesamthaft zur Nummer 3 in Nordamerika auf. «Der Kauf von Russell Stover ist ein strategischer Schachzug», sagte Ernst Tanner, Verwaltungsratspräsident und Konzernchef, gestern. Nordamerika ist mit einem Umsatzanteil von 30 Prozent bereits heute der wichtigste Markt des Konzerns. Der Lindt & Sprüngli-Umsatz in Nordamerika ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten markant gewachsen: 1992 beliefen sich die Verkäufe noch auf 30 Millionen Dollar jährlich. Durch die Übernahme rechnet Lindt & Sprüngli zusammen mit Russell Stover im kommenden Jahr die Umsatzmarke von 1,5 Milliarden Dollar zu knacken. Der Schweizer Schokoladenhersteller wird mit der eigenen Marke, dem Namen Ghirardelli und den beiden neu dazugekauften Marken in Nordamerika künftig flächendeckend präsent sein.

Hershey’s und Mars bleiben vorn

Branchenprimus auf dem US-Schokoladenmarkt bleibt weiterhin das Süsswarenimperium Hershey’s aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania, das im letzten Jahr einen Umsatz von 7,15 Milliarden US-Dollar ausschliesslich mit Schokoladeprodukten erzielte. Eines der bekanntesten Her­shey’s-Produkte des Konzerns ist der Reese’s Peanut Butter Cup – ein mit Erdnussbutter gefüllter, flacher Schokoladebecher. Nummer 2 auf dem US-Markt ist Mars Inc., Hersteller der bekannten Schokoladenriegel Mars, Snickers, Twix oder Bounty. Zusammen mit Lebensmittelmarken wie Uncle Ben’s Rice oder Tierfutter (Whiskas) kommt das weltweit tätige Familienunternehmen, das auch über einen Sitz in der Schweiz verfügt, auf einen Umsatz von über 33 Milliarden US-Dollar.

Aktie legt deutlich zu

Lindt & Sprüngli gab gestern gleichzeitig die Halbjahreszahlen 2014 bekannt. Der Umsatz legte dabei um 9,2 Prozent auf 1,2 Milliarden Franken zu – in Lokalwährung plus 6 Prozent. Laut Firmenchef Ernst Tanner gewann man in den europäischen Kernmärkten, in Nordamerika und in Australien weitere Marktanteile hinzu.

An der Börse stieg der Kurs der Lindt-Namenaktien aufgrund der positiven Nachrichten um 2,7 Prozent auf 56 220 Franken. Das ist ein neuer Rekordwert. Seit Anfang dieses Jahres hat das Wertpapier an der Schweizer Börse damit um über 18 Prozent zugelegt.