Bienensterben
Experte widerspricht Syngenta: Wirkstoff macht Bienen krank

Syngenta wehrt sich gegen den Vorwurf, dass ihr Pflanzenschutzmittel Bienen töte. Ein Experte hält dagegen: Der Wirkstoff mache die Bienen zumindest krank.

Anna Wanner
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Die Bienen in Markus Imhoofs «More Than Honey»

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Die EU prüft ein Verbot von drei Insektiziden, die im Verdacht stehen, zum Bienensterben beizutragen (wir berichteten). Bei den Wirkstoffen handelt es sich um Neonicotinoide. Betroffen sind Produkte des deutschen Pharmamultis Bayer und ein Wirkstoff des Schweizer Agrarkonzerns Syngenta. Im Rahmen der Bilanzmedienkonferenz stellte Syngenta-Konzernchef Mike Mack gestern klar: Nicht der Wirkstoff, sondern die Varroa-Milbe sei für das Bienensterben verantwortlich.

Diese Aussage relativiert Bienen-Experte Peter Neumann, der den neu geschaffenen Lehrstuhl für Bienengesundheit an der Universität Bern besetzt. Er sagt, zwei Dinge seien zu trennen. Einerseits die Völkerverluste bei Honigbienen nach dem Winter, die vermutlich nicht unmittelbar mit den Wirkstoffen der Insektizide zusammenhängen würden. Andererseits die Wirkung der Neonicotinoide: Es gebe gute Evidenzen, dass die Wirkstoffe nicht direkt tödliche, aber den Tod begünstigende Effekte haben können. Zum Beispiel reduzierte Fruchtbarkeit bei Wildbienen oder Anfälligkeit auf Krankheiten bei Honigbienen.

Wirkstoffe bei Bauern beliebt

Wie oft die Wirkstoffe in der Schweiz eingesetzt werden, ist nur schwer in Erfahrung zu bringen. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) erfasst die Menge nicht. Allerdings kontrollieren staatlich anerkannte Prüfer den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. So muss jeder Bauer, der Direktzahlungen erhält, über die Verwendung von Pestiziden Buch führen, wie Patricia Steinmann vom BLW sagt. Die Prüfer schauen dann zwar, ob Wirkstoffe korrekt gelagert und eingesetzt werden, sie sammeln aber keine Daten.

Bauernberater Gerhard Busslinger vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg im Aargau sagt, der Einsatz von Neonicotinoiden sei weit verbreitet. Vor allem beim Anbau von Raps und Zuckerrüben würden die Bauern auf den Wirkstoff zurückgreifen. Das bestätigt der Schweizerische Bauernverband (SBV). Doch sei zu beachten, dass die Bauern den Wirkstoff sparsam verwenden würden, indem sie das Saatgut mit dem Insektizid beizen und es nicht flächendeckend über die Felder spritzen. Das sei fortschrittlich, sagt Ursina Galbusera vom SBV. «Mit der Saatgutbeizung können Kleinstmengen der Wirkstoffe genau an die richtige Stelle gebracht werden.»

Doch Professor Neumann relativiert. Die Menge sei nicht entscheidend. «Es scheint, dass im Fall von Neonicotinoiden auch kleine Dosen eine Wirkung haben können.» Er stützt sich dabei auf eine ganze Reihe von Arbeiten, die zu dem Thema publiziert worden seien.