Flugbranche
Experten prophezeien: Weiteren Airlines droht der Absturz

Das Aus von Hello ist noch nicht definitiv – die Basler erhalten einen Konkursaufschub. Der Fall zeigt aber, wie schwierig es ist, eine Fluggesellschaft rentabel zu betreiben. Experten prophezeien für die Wintermonate weitere Airline-Pleiten.

Thomas Schlittler
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Gibt es weitere Airline-Pleiten? (Symbolbild)

Gibt es weitere Airline-Pleiten? (Symbolbild)

Limmattaler Zeitung

Der Verwaltungsrat und das Management von Hello haben bis Ende November Zeit, die Charterfluggesellschaft zu rekapitalisieren. Das zuständige Gericht in Basel gewährte einen Konkursaufschub. Hello-CEO Robert Somers ist optimistisch, dass die zusätzliche Frist etwas bringt: «Wir führen Verhandlungen mit den Lieferanten sowie möglichen Käufern und Investoren.»

Darunter seien Airlines, Charter-Fluggesellschaften sowie Privatpersonen. Namen will Somers keine nennen. «Ich bin von Grund auf ein Optimist und hoffe, dass wir möglichst viele Arbeitsplätze sichern können.» In den fünf Wochen des Konkursaufschubs bleiben die vier Hello-Maschinen am Boden.

Wie eine mögliche Hello-Zukunft aussehen könnte – ob als eigenständige Gesellschaft oder unter neuer Flagge – sei momentan noch völlig offen. Vor der Insolvenzanmeldung sind offensichtlich alle Versuche gescheitert, das Unternehmen zu rekapitalisieren. «Wir haben zu wenig Zeit gehabt für erfolgreiche Verhandlungen, weil wir erst im August sahen, wie schlecht wir finanziell dastehen», so Somers.

Der Grund: Der ehemalige Finanzchef habe der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat regelmässig beschönigte Geschäftszahlen vorgelegt. «Hätten wir die wahren Zahlen früher gekannt, hätten wir vielleicht noch Gegensteuer geben können», glaubt der CEO. Das Unternehmen untersuche nun das Handeln des Ende September freigestellten Finanzchefs. «Nach den Abklärungen werden wird dann entscheiden, ob wir eine Klage einreichen.»

Düstere Zukunft erwartet

Der Finanzchef war aber nicht das einzige Problem von Hello. Die Airline litt gemäss eigenen Angaben auch darunter, dass zwei französische Grosskunden zahlungsunfähig geworden seien, unter den laufend steigenden Treibstoffkosten, dem immer härter werdenden Konkurrenzdruck im Tourismusgeschäft und dem hohen Frankenkurs, der zur Kündigung eines Vertrages mit TUI-Deutschland führte.

Für den Luftfahrtexperten Kurt Hofmann kommt das Grounding von Hello wenig überraschend: «In der Luftfahrt gibt es zu viele Anbieter, sprich gewaltige Überkapazitäten.» Er ist deshalb überzeugt davon, dass in den Wintermonaten weitere Airlines pleitegehen werden.

Hansjörg Büri, Chefredaktor von SkyNews.ch, ergänzt gegenüber der Nachrichtenagentur sda: «Das Geschäftsmodell der reinen Chartergesellschaft ist eigentlich überholt.» Hello sei stark von den Reiseveranstaltern abhängig gewesen, von denen zwei jetzt insolvent geworden seien. «Das reichte schon, dass auch Hello das Geld ausging», sagt Büri.

Die ausfallenden Flüge von Hello werden von anderen Anbietern umgehend übernommen werden, sind sich die Experten einig. Das zeigen auch die Reaktionen. So hat beispielsweise Hotelplan Suisse – ein wichtiger Kunde von Hello – innerhalb von 15 Stunden für alle 10 Hello-Flugrotationen ab Zürich bis Ende Oktober Ersatzlösungen mit Edelweiss Air und Air Berlin gefunden.