Wachstum
Export zieht kräftig an: Basel und Aargau vergrössern den Abstand

BAK Economics hat die Prognosen nach oben revidiert, Basel und die Nordwestschweiz sind klar im Lead.

Stefan Schuppli
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Die Exporte entwickeln sich besser als erwartet: Der Rheinhafen Kleinhüningen in Basel. Gaetan Bally/Keystone

Die Exporte entwickeln sich besser als erwartet: Der Rheinhafen Kleinhüningen in Basel. Gaetan Bally/Keystone

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BAK Basel Economics hat ihre Prognosen für das laufende und das kommende Jahr erhöht. Mit ein Grund sind die Pharmaexporte, von denen besonders die Region Basel profitieren wird. Statistisch gesehen, werden diese Exporte Basel – Domizil von Roche und Novartis – zugerechnet, was im Prinzip etwas fragwürdig ist. Denn eine der potentesten Produktionsstätten der Schweiz steht in Stein, Aargau. Die Anlagen von Novartis in der Fricktaler Gemeinde sorgen für Exporte in der Höhe von rund 20 Milliarden Franken pro Jahr. Das ist in etwa der gesamte Handelsbilanzüberschuss der Schweiz.

Gutes erstes Halbjahr

Trotz einer verhaltenen Entwicklung in der zweiten Hälfte dieses Jahres erhöht die BAK die Wachstumsprognose 2016 von einem auf 1,6 Prozent. Ausschlaggebend hierfür sei das «überraschend schwungvoll ausgefallene Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr». Vor allem die Exporte hätten sich besser als erwartet entwickelt, zu denen, wie eingangs erwähnt, die Pharmaindustrie beigetragen hat.

Im schweizerischen Vergleich heisst das, dass die Region Basel ihren Abstand zum vormaligen Leader Genferseeregion weiter ausbauen wird. In der Frühjahrsprognose 2016 rechnete die BAK für das Bassin Lémanique mit einem Wachstum von 1,2 Prozent, für die Region Basel mit einem von 1,3 Prozent. Dieser Abstand dürfte sich vergrössern, zumal das Wachstum pharmagetrieben ist. Auch der Kanton Aargau dürfte in diesem und dem kommenden Jahr wieder etwas besser unterwegs sein, sagt BAK-Ökonom Alexis Bill Körber. Dies, weil sich auch die Industrie wieder etwas erholt. Die revidierten Regionalzahlen sind noch nicht verfügbar und werden im Herbst präsentiert, heisst es bei der BAK.

Die Weltwirtschaft wird gemäss BAK-Schätzungen 2016 nur um 2,2 Prozent expandieren, das schwächste Wachstum seit der globalen Finanzkrise 2008/2009. Zwar hat sich in vielen Schwellenländern die Lage im bisherigen Jahresverlauf vor allem dank der gestiegenen Rohstoffpreise leicht aufgehellt. Grosse Länder wie Russland und Brasilien befinden sich aufgrund ihrer länderspezifischen Probleme jedoch immer noch in einer Rezession. Aber auch in der Eurozone habe sich die Dynamik im zweiten Quartal wieder leicht abgeschwächt.

Der Franken drückt

In der Schweiz sind die Probleme nicht ausgestanden. Die Frankenstärke bleibt ein Problem. Investitionen werden zurückgehalten. Hinzu kommen zahlreiche Unsicherheitsfaktoren wie die Masseneinwanderungsinitiative (MEI), deren Art der Umsetzung noch alles andere als klar ist, und die Gefährdung der bilateralen Verträge mit der EU durch eine sogenannt wirtschaftsfreundliche Partei. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Unternehmenssteuerreform III.

Schwacher Arbeitsmarkt

Die verhaltene Investitionsbereitschaft komme auch in der schwachen Entwicklung des Arbeitsmarktes zum Ausdruck. Die Beschäftigung im ersten Halbjahr 2016 lag um 0,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die abgeschwächten Werte des Schweizer Einkaufsmanagerindexes (PMI) für die Industrie zeigten zudem, dass sich die konjunkturelle Dynamik nach der recht kräftigen Erholung vom ersten Halbjahr wieder abgeschwächt hat. So lag der PMI im August bei 51 Zählern und somit nur leicht über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten und deutlich unter dem im Mai erreichten Jahreshöchststand von 55,8 Punkten.

Für 2017 und 2018 wird eine graduelle Beschleunigung des Wachstums auf 1,7 bzw. zwei Prozent erwartet. Insgesamt geht die BAK somit davon aus, dass sich «die Erfolgsgeschichte der Schweiz» fortsetzen wird und die heimische Wirtschaft 2017 und 2018 ein höheres Wachstumstempo als die Wirtschaft der Eurozone erreichen kann.

Drei Faktoren sind hierfür verantwortlich: Erstens dürfte der Franken bis Ende 2018 gegenüber dem Euro auf 1.15 abwerten. Damit sinke der Margendruck für die Schweizer Firmen. Zweitens werde sich der gegenwärtige Investitionsstau auflösen, sobald aktuelle Unsicherheitsfaktoren wie die Umsetzung der MEI in den Hintergrund treten. Allerdings besteht gerade bei der MEI auch negatives Überraschungspotenzial. Drittens sei 2017 und 2018 zumindest mit einer moderaten Beschleunigung der Weltwirtschaft zu rechnen.