Facebook? Daumen nach unten

Dominik Buholzer über den Datenskandal von Facebook.

Dominik Buholzer, Leiter «zentralschweiz Am Sonntag»
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Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

Unter gutem Krisenmanagement versteht man etwas anderes, als was Facebook derzeit demonstriert. Nur scheibchenweise informieren die Betreiber des sozialen Netzwerks über das Ausmass des Datenmissbrauchs, wenn sie denn überhaupt mal reden. Zuerst ist die Rede davon, dass die Benutzerprofile von insgesamt 50 Millionen Usern in die Hände des englischen Unternehmens Cambridge Analytica gelangt sind, jetzt sind es auf einmal 87 Millionen; in der Schweiz sollen gut 29 000 Personen davon betroffen sein.

Man hat nicht den Eindruck, dass Mark Zuckerberg und Co. wirklich was daran gelegen ist, reinen Tisch zu machen. Dazu gehört auch, dass COO Sheryl Sandberg gegenüber der «Financial Times» einräumen musste, dass Facebook bis zum heutigen Tag gar nicht weiss, welche Daten Cambridge Analytica sich angeln konnte.

Das wirft kein gutes Licht auf ein Unternehmen, das sich in den vergangenen Jahren die Daten von über zwei Milliarden Usern gesichert hat. Dazu passt, dass ausgerechnet in diesen Tagen ein internes Memo an die Öffentlichkeit gelangt ist, das diesen Eindruck bestärkt. «Wir verbinden Menschen. Punkt. Deshalb ist die ganze Arbeit, die wir in Wachstum stecken, gerechtfertigt. All die fragwürdigen Praktiken zum Import von Kontaktdaten. All die raffinierte Sprache, die dabei hilft, dass die Menschen weiter von ihren Freunden gefunden werden können», schreibt da Hardware-Chef Andrew Bosworth und folgert dann: «Vielleicht kostet es jemanden das Leben, wenn er blossgestellt und gemobbt wird, vielleicht stirbt jemand bei einer Terrorattacke, die über unsere Werkzeuge koordiniert wurde.»

Facebook hat sich mit seinem Gebaren in den vergangenen Wochen viel Kredit verspielt. Mit der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die ab Ende Mai gilt, werden sich Facebook und Co. künftig in Europa nicht mehr so einfach aus der Affäre ziehen können. Den Datenmissbrauch wird dies kaum unterbinden. Das haben wir Nutzer ein Stück weit auch selber in der Hand. Niemand zwingt uns, unser gesamtes Leben auf sozialen Medien kundzutun. Ein wenig mehr Zurückhaltung wäre nicht nur aus Datenschutzgründen angebracht.

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch