Social Media
Facebook kämpft um die jungen Nutzer

Ein Jahr nach dem verpatzten Börsengang gilt Facebook bei Jüngeren als uncool – denn auch ihre Eltern machen mit. Das ist aber nur eine der Herausforderungen, denen sich Mark Zuckerberg stellen muss.

Matthias Niklowitz
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An den Börsengang vom 18. Mai 2012 erinnern sich die Beteiligten nur ungern: Die Facebook-Aktie war vor einem Jahr zu teuer auf den Markt gekommen und brach gleich nach der Handelseröffnung ein. Dann waren die Handelssysteme an der US-Technologiebörse Nasdaq überlastet. Kundenaufträge blieben in den Systemen stecken. Allein bei der Grossbank UBS brachte das Verluste von 350 Millionen Dollar. Seither gilt der Börsengang von Facebook als verpatzt.

Zum schlechten Ruf unter Investoren kommen Wachstumsprobleme: Ausgerechnet die jüngeren Teilnehmer wandern immer mehr zum Kurznachrichtendienst Twitter, auf die Chat-App WhatsApp, die Blog-Plattform Tumblr oder Snapchat ab. Gerade Snapchat zeigt die Vorliebe der Benutzer: Hier lösen sich die Fotos nach kurzer Zeit von selber auf.

Facebook dagegen will auch kompromittierende Bilder ewig behalten – und ist deshalb bei Eltern zu einem beliebten Überwachsungswerkzeug geworden. Wenn diese nicht gerade selber ihren nächsten Wanderausflug über Facebook organisieren.

Heikles Werbeumfeld

Ein Jahr nach dem Börsengang hat sich Facebook gefangen. Zwar liegt der Aktienkurs ein Drittel unter dem Stand beim IPO und hinter dem der Konkurrenten Linkedin oder Xing zurück. Auch wichtige Konkurrenten wie Google verdienen weitaus besser. Aber Facebook schreibt schwarze Zahlen und verkauft auch Werbung für den Zugang via Smartphone. «Wir verdienen hier echtes Geld», zeigte sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg beim letzten Quartalsergebnis erleichtert.

Fortschritte bei Mobilwerbung

Gerade das war die grösste Sorge gewesen – dass Facebook diesen Trend in Richtung mobiler Endgeräte wie die Computerhersteller Dell oder HP verpasst. Im ersten Quartal dieses Jahres spielte Facebook die Smartphone-Werbung schon ein Drittel der Einnahmen ein.

Das gelang, ohne die Benutzer zu verscheuchen, wie die Analysten von Morgan Stanley, einer US-Bank, befürchtet hatten. Denn zu viel Werbung könnte die Kunden beim Chatten stören. Allerdings ging ein Teil des Umsatzplus laut den Analysten von Jefferies, einem amerikanischen Broker, auf Kosten des traditionellen Werbegeschäfts auf grösseren (PC-)Bildschirmen.

Allerdings bleiben für Zuckerberg noch einige Herausforderungen für das zweite Jahr an der Börse: So steckt das mobile Werbegeschäft noch in den Kinderschuhen. Man weiss auch nicht, wie Benutzer auf massgeschneiderte Werbeangebote reagieren. Und Facebook speichert die intimen Benutzerdaten ewig. Das mögen selbst die Eltern nicht.