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Facebook will Daten-Skandal hinter sich lassen

Dem Internet-Unternehmen droht eine Milliarden-Busse, weil Facebook gegen ein Datenschutz-Abkommen mit der Wettbewerbsbehörde FTC verstossen haben soll. Die Börsianer geben sich ungerührt.
Renzo Ruf, Washington
Ein Mann macht ein Foto des Like-Daumens von Facebook vor dem Hauptsitz des Unternehmens in Kalifornien nahe San Francisco. Bild: Marcio Jose Sanchez/AP (Menlo Park, 28. März 2018)

Ein Mann macht ein Foto des Like-Daumens von Facebook vor dem Hauptsitz des Unternehmens in Kalifornien nahe San Francisco. Bild: Marcio Jose Sanchez/AP (Menlo Park, 28. März 2018)

Verkehrte Welt: Eigentlich hätte der Aktienkurs von Facebook am Donnerstag einbrechen müssen. Denn am Mittwoch, nach Börsenschluss, hatte das Internet-Unternehmen bekanntgegeben, im vergangenen Quartal 3 Milliarden Dollar beiseitegelegt zu haben. Mit dieser Rückstellung soll eine allfällige Busse der Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC) im Datenschutz-Skandal beglichen werden. Stattdessen explodierte der Kurs der Facebook-Aktie förmlich, um zwischenzeitlich mehr als 7 Prozent, und kletterte damit an der Technologie-Börse Nasdaq auf Höhen, die das Wertpapier letztmals im Sommer 2018 erklommen hatte.

Was war geschehen? Facebook präsentierte am Mittwoch Quartalszahlen, die bei den Analysten den Eindruck hinterliessen, das 15 Jahre alte Unternehmen habe die heftig geführte Datenschutz-Debatte weitgehend unbeschadet überstanden. Die Zahl der aktiven Facebook-Nutzer stieg weltweit um gegen 8 Prozent auf 1,56 Milliarden pro Tag – obwohl die Interaktionen der Konsumenten in den lukrativen Stammmärkten Amerika und Europa weitgehend stagnierten.

Pflicht eines regelmässigen Datenschutz-Berichts?

Unter dem Strich beliefen sich die Einnahmen von Facebook im ersten Quartal 2019 auf 15,1 Milliarden Dollar, was einer Zunahme von 26 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal im Vorjahr entspricht. «Wir sind stark ins neue Jahr gestartet», sagte Sheryl Sandberg, die operative Geschäftsführerin des Konzerns, im Gespräch mit Analysten. Aufgrund der Rückstellung sank das Nettoeinkommen allerdings von fast 5 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2018 auf 2,4 Milliarden Dollar.

Während des Investorengesprächs weigerte sich Facebook-Finanzchef David Wehner, nähere Auskunft über die drohende FTC-Geldbusse zu geben. Er wies darauf hin, dass die Gespräche über einen Vergleich mit der Aufsichtsbehörde andauerten. Die Strafzahlung werde sich aber auf 3 bis 5 Milliarden Dollar belaufen, sagte Wehner, und bestätigte damit entsprechende Medienberichte aus den letzten Wochen.

Die FTC untersucht seit vorigem Jahr, ob der Technologie-Konzern ein 2011 ausgehandeltes Abkommen gebrochen habe. Damals verpflichtete sich Facebook, keine persönlichen Daten von Konsumenten zu sammeln, und solche Daten nicht ohne Zustimmung an Drittparteien weiterzugeben. Während des Wahlkampfes 2016 gab Facebook aber schätzungsweise 87 Millionen Datensätze an die Firma Cambridge Analytica weiter, die bis zu ihrer Auflösung vor einem Jahr behauptete, genau zu wissen, wie eine Wählerin oder ein Wähler beeinflusst werden kann.

Offen ist, ob Facebook-Konzernchef Mark Zuckerberg ebenfalls einen Preis für den Datenschutz-Skandal bezahlen muss. Der hochrangige demokratische Senator Ron Wyden, der sich zum linken Flügel seiner Partei zählt, forderte die FTC dazu auf, auch Sanktionen gegen Zuckerberg, dem eigentlichen Aushängeschild von Facebook, zu ergreifen – indem er zum Beispiel zu einer Busse verknurrt werde. Die «Washington Post» berichtete kürzlich über Gedankenspiele, wie die FTC die Aufsicht über Facebook ausbauen könnte. So verfolgt die Behörde Pläne, Zuckerberg vorzuschreiben, in regelmässigem Abstand einen Datenschutz-Bericht zu publizieren.

Solche Sanktionen würden wohl auch einige aufgebrachte Gemüter im nationalen Parlament besänftigten, die der Meinung sind, Facebook spiele eine allzu dominante Rolle. Diese Kritiker sind auf der rechten und linken Seite des politischen Spektrums zu finden.

Rechte Politiker werfen Facebook und anderen Internet-Plattformen Zensur vor. Linken wiederum stösst sauer auf, dass sich das Unternehmen ehemalige Konkurrenten wie Instagram und Whatsapp unter den Nagel gerissen hat und damit den Wettbewerb einschränkte.

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