Fachleute des roten Metalls

Bei der Schmelzmetall AG findet die Verbindung zwischen einem Schweissroboter und einer Weltraumrakete statt: In beiden Maschinen steckt die Technologie der Legierungsspezialisten aus Gurtnellen.

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Schweissen mit der Technologie der Schmelzmetall AG aus dem urnerischen Gurtnellen. (Bild: PD)

Schweissen mit der Technologie der Schmelzmetall AG aus dem urnerischen Gurtnellen. (Bild: PD)

Kupfer ist einzigartig: Die ausgezeichnete, elektrische und thermische Leitfähigkeit adelt das Produkt zum unverzichtbaren Werkstoff vieler industrieller Anwendungen. «Kupfer wird in unserer Firma in die Champions League gehoben» umschreibt Christof Alfermann, Chief Technical Officer der Schmelzmetall AG die grundsätzliche Tätigkeit der 1959 gegründeten Firma. «Wir geben dem an sich weichen Rohstoff die sechs- bis achtfache Härte.» Das rote Metall wird unter Vakuum geschmolzen, durchläuft anschliessend weitere Prozesse, bevor es «aussergewöhnliche Eigenschaften besitzt», wie Alfermann sagt. «Dieser Herstellungsprozess macht unsere Firma einzigartig auf dem Markt» bestätigt Managing Director Christoph Hahn. Der anschliessende Einsatz erfolge an unsichtbaren Orten. «Unsere Produkte werden als Teile einer Maschine, meist als Verbrauchsmaterial eingesetzt» sagt Hahn. Dazu gehört der Einsatz als Elektroden beim Widerstandsschweissen, Kolben beim Druckguss oder Düsen beim Plastikspritzguss. Prominent ist der Auftritt in den Brennkammern den Ariane-Raketen der europäischen Weltraumorganisation EADS, wo mit jedem Start etwas aus Gurtnellen in den Himmel geschossen werde, so Hahn.

Sichtbar wird das Material bei Bildaufnahmen von Funken sprühenden Robotern, die in der Autoindustrie Karosserien zusammenschweissen. «An der Spitze der Schweissarme ist vielfach unser Metall zu finden» sagt Christof Alfermann, so unter anderem bei Audi, Volkswagen und BMW. Was macht das Produkt der Schmelzmetall AG bei diesen und anderen Anwendungen besser als andere? «Die Qualität, und damit die Langlebigkeit» versichert Alfermann.

Am Anfang des Produkte-Einsatzes steht immer ein Kundenwunsch: «Können Sie das auch? Oder besser? Oder schneller? So kontaktiert uns die Industrie.» Dann beginnt im Reusstal die Entwicklung einer Lösung, «welche die Anforderungen erfüllt, oder übertrifft» sagt der Chief Technical Officer. Dieses individuelle Eingehen auf spezifische Bedürfnisse macht die Produkte von Schmelzmetall immer zu Nischenprodukten, die aber global nachgefragt würden, sagt Christoph Hahn.

Gurtnellen bleibt

Die erfolgreiche Strategie des Unternehmens kann mit Daten untermauert werden: 1997 beschloss die bis dahin nur als Zulieferer tätige Firma selbst mit eigenen Augen und Ohren direkt am Markt aufzutreten. 2001 wurde in Ungarn ein Schwesterbetrieb eröffnet. Und 2008 wurde die Wertschöpfungskette vertieft durch den Entscheid, Fertigteile für die rund tausend Kunden des Unternehmens selbst herzustellen. In einem Werk mit Vertriebslager in Deutschland. Das stellt sich natürlich die Frage: Verliert der Standort Gurtnellen angesichts der bekannten, nicht ganz einfachen, schweizerischen Rahmenbedingungen an Bedeutung? Oder steht er eventuell zur Disposition?

Vehemente Reaktion sowohl des Direktors wie auch des technischen Leiters: «Hier in der Schweiz ist das Know-how unseres Betriebes, und hier wird es auch bleiben!» Das Dorf an der Gotthardrampe besitzt, nebst dem qualifizierten Personal, auch weitere Standortvorteile. «Dazu zählen wir die Anbindung ans SBB-Gleis und vorteilhafte Konditionen bei der intensiv genutzten, elektrischen Energie» sagt Christoph Hahn.

Grundlagenforschung

Die zukünftige Entwicklung des Unternehmens sehen die beiden Manager mit Optimismus: «Wir riechen heute schon, was technologisch auf uns zukommt» sagt Christoph Hahn (54), der einst Jurisprudenz studierte und vor zwölf Jahren zum Unternehmen stiess. «Zudem wir sind nahe am Kunden, sehr flexibel und schnell», sagt Christof Alfermann (51), der in Aachen Metallurgie studierte und von sich sagt, «seit ich arbeite, beschäftige ich mich mit Kupfer». Dieses enorme Wissen fliesst auch in die zukunftsweisende Zusammenarbeit der Urner Firma mit Universitäten ein, wo Grundlagenforschung betrieben wird. «Immer wenn eine Frage rund ums Kupfer auftaucht, werden wir angefragt». Nicht nur das rote Metall ist einzigartig, auch die Kompetenz der Schmelzmetall AG

Andreas Härry