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Kolumne

Fake News sind nichts Neues

Lügen und Verdrehungen spielten auch früher eine grosse Rolle. Die Viren der Lügen und Manipulationen verbreiten sich heute einfach schneller.
Monika Roth
Monika Roth.

Monika Roth.

Fake News und damit letztlich auch Stichworte wie Vertrauen bzw. Misstrauen, Manipulation und Betrug bestimmen die öffentlichen und privaten Debatten mit.

Vor allem im Zusammenhang mit Facebook, Twitter und anderen sozialen Medien spricht man von Fake News. Fake News sind Berichterstattungen, die entweder falsch oder irreführend sind und verbunden mit einer Täuschungsabsicht. Sie zeichnen ein falsches Bild von der Wirklichkeit und werden in die Welt gesetzt aus sehr unterschiedlichen Motiven und Interessen. Geld, Macht und Politik. Es ist bei politischen Fake News schon immer so gewesen: «If you can’t con­vince them, confuse them» – das Motto ist alt, nur die Mittel sind neu. Fake News sind Falsch- und Fehlinformationen, die häufig durch elektronische Kanäle (vor allem durch soziale Medien) verbreitet werden. Das Phänomen ist indessen keineswegs neu. ­ In der Schlacht von Salamis (480 v. Chr.) besiegten die Griechen die Perser, nachdem sie diese mit Falschinformationen über den Aufenthaltsort der griechischen Flotte in die Falle gelockt hatten.

Lügen und Verdrehungen spielten auch im Ersten Weltkrieg eine grosse Rolle, und zwar von Anfang an: So meldeten am 2. August 1914 deutsche Stellen frei erfunden, die Franzosen hätten Bomben bei Nürnberg abgeworfen. Die Entente, bis 1914 bestehend aus Frankreich, Russland und Grossbritannien, wiederum arbeitete mit Fotografien, die Gräueltaten der Deutschen beim Einmarsch in Belgien und Nordfrankreich beweisen sollten. In Tat und Wahrheit handelten diese Jahre zuvor aufgenommenen Bilder von antijüdischen Pogromen in Russland. Ein Wissenschaftler hat den Ersten Weltkrieg als grossen Krieg der Worte («Great War of Words») bezeichnet – der Krieg als globales Medienereignis.

In einem Aufsatz mit dem Titel «Fake News im Weltenbrand» hat sich der Historiker Christian Koller damit vertieft auseinandergesetzt. Er stellte fest, dass die staatliche Lügenpropaganda stets eine doppelte Zielrichtung gehabt habe: Sie sollte sowohl nach innen wie nach aussen wirken, die eigene Bevölkerung mobilisieren, den Gegner demoralisieren und seitens der neutralen Staaten zur Sympathiegewinnung führen. Schon damals wurden alle zur Verfügung stehenden Medien genutzt. Sie waren sehr vielfältig: Bilder, Bücher, Pamphlete, Flugschriften, Poster, Postkarten, Radio, Filme usw.

Es ist offensichtlich, dass es für die Adressaten sehr schwer war zu erkennen, was wahr und was erfunden oder verdreht war. Die Taten der Deutschen beim Einmarsch in Belgien wurden zwar mit Bildern aus anderem Zusammenhang «bewiesen» – sie waren aber deswegen nicht blosse Fiktion. Die Übergriffe auf die Zivilbevölkerung (The Rape of Belgium) fanden statt – das haben Forschungen gegen Ende des 20. Jahrhunderts ergeben. Man sieht: Die Wahrheit zu erkennen, ist komplex. Nur weil die «Beweise» falsch waren, hiess das nicht, dass der Sachverhalt sich nicht doch so ereignet hatte.

Heute ist vieles, aber gar nicht alles anders. Die zur Verfügung stehenden Informationskanäle sind gewachsen, aber die Qualität und die Gefahren haben sich nicht grundsätzlich geändert. Die Viren der Lügen und Manipulationen verbreiten sich einfach schneller, multiplizieren sich innert kürzester Zeit massiv und was ich feststelle, ist, dass sich die Oberflächlichkeit der Informationsgewinnung immer mehr ausbreitet. Man hat auf alles Zugriff und weiss doch nichts.

Es wäre zwar naiv zu glauben, dass die Wahrheit am Ende immer zu Tage tritt und gewinnt. Aber: Man teilt (share) einen Beitrag, ohne ihn gelesen zu haben. So werden Informationen von einer grossen Mehrheit «verarbeitet». Teilen heisst nun aber nicht lesen und vertiefen. Man muss wissen wollen – daran hängt die Freiheit auf Meinungsäusserung. Dass man diese selber einschränkt, widerspricht jeder Vernunft.

Monika Roth ist Professorin für Compliance und Finanzmarktrecht an der Hochschule Luzern.

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