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Schindler, V-Zug oder CPH: Familienunternehmen machen es besser

Aktien von Familienfirmen rentieren besser als die anderen. Diese Unternehmen häufen weniger Schulden an und investieren mehr in Zukunftsprodukte. Zu diesem Schluss kommt eine weltweit durchgeführte Studie.
Rainer Rickenbach
Familienunternehmen mit guter Performance: die Chemie und Papier Holding in Perlen. (Bild: Nadia Schärli (20. Februar 2018))

Familienunternehmen mit guter Performance: die Chemie und Papier Holding in Perlen. (Bild: Nadia Schärli (20. Februar 2018))

Die Aktie der Chemie und Papier Holding AG (CPH) gehört zurzeit zu den Lieblingen der Investoren. Wer zu Jahresbeginn eine kaufte, hat seither mit diesem Wertpapier eine stolze Rendite von fast 57 Prozent eingefahren. Zur SPI-kotierten Unternehmensgruppe zählen die Sparten Zeitungspapier, Verpackung und Chemie. Was weniger bekannt ist: Es handelt sich bei ihr um ein Familienunternehmen – und das schon seit 200 Jahren. Die Nachfahren des Zürcher Industriellen Rudolf Schnorf besitzen heute 57 Prozent der Firmenaktien, und drei von ihnen gehören dem Verwaltungsrat an.

«Für die Familie ist der nachhaltige und langfristige Erfolg der Gruppe entscheidend. Das ist wichtig, da in unserem Geschäft die Investitionszyklen sehr lange sind», sagt CPH-Chef Peter Schildknecht. Er selbst gehört nicht zu den Besitzerfamilien.

Familien denken und handeln langfristig

Was in Perlen seit zwei Jahrhunderten funktioniert, ist weltweit ein Erfolgs­modell. Zu diesem Schluss kommen die Wirtschaftswissenschafter der Grossbank Credit Suisse. Sie analysierten über zehn Jahre die Zahlen und Daten von börsenkotierten Unternehmen in Familienbesitz aus Europa, Asien und den USA. «Allein im vergangenen Jahr erwirtschafteten sie eine um 34 Prozent höhere Cashflow-Rendite auf dem investierten Kapital als ihre Vergleichsunternehmen, die sich nicht in Familienbesitz befinden», heisst es in ihrem Bericht.

Kein Wunder, zeigen ihre Aktienkurse steiler nach oben als bei Unternehmen mit Investoren ohne familiären Bezug (siehe Grafik). Die Ökonomen der Grossbank haben mehr als 1000 Familienbetriebe mit 7000 Firmen verglichen, hinter denen institutionelle oder andere Investoren stehen.

Die Familienbetriebe zeichnen sich gemäss Credit Suisse durch höheres Wachstum, bessere Rentabilität und mehr Stabilität aus. «Dass Familienunternehmen in jeder Weltregion, jeder Branche und jeder Grösse besser abschneiden als vergleichbare sonstige Unternehmen, liegt unserer Einschätzung nach daran, dass Familienunternehmen langfristiger ausgerichtet sind. Sie hängen weniger stark von Fremdfinanzierung ab und investieren mehr in Forschung und Entwicklung», sagt Eugène Klerk, Hauptautorin des CS-Berichtes.

Dabei spiele es auch nur eine geringe Rolle, wie weit die Sonderstimmrechte der Besitzer gehen. Klerk: «Die Ergebnisse von Familienunternehmen mit Sonderstimmrechten unterscheiden sich entgegen den Befürchtungen vieler Anleger kaum von denen ihrer Pendants mit Stammaktien.»

Sika war die Ausnahme

Ein Beispiel für ihre These stellt die Baustoff- und frühere Familienfirma Sika dar: Die jahrelang heftig geführte Auseinandersetzung um den Verkauf des Baarer Unternehmens an den französischen Konzern Saint-Gobain tat der Gewinn- und Aktienwertsteigerung keinen Abbruch. Die Publikumsaktionäre hatten jedenfalls keinen Grund, sich über Rendite und Dividenden zu beschweren. Geschäftlicher Erfolg trotz Gezerre um die Vorherrschaft ist freilich nicht die Regel. Sika war da eher eine Ausnahme.

Nicht besser als andere sind Familienunternehmen schon gar nicht vor Veränderungen auf den Abnehmermärkten gefeit. Nur haben die meisten von ihnen bei der Neuausrichtung den längeren Schnauf. Der CPH-Gruppe zum Beispiel bescherte der schnelle Nachfragerückgang für Zeitungspapier jahrelang rote Zahlen. Doch sie schloss nicht wie andere Papierfabriken ihr Werk, sondern positionierte es besser und baute gleichzeitig ihre wachstumsträchtigen Standbeine Verpackung und Chemie aus. Dafür hat sie viel Geld investiert. Im ersten halben Jahr bewegten sich alle drei Sparten prompt wieder in der Gewinnzone. «Die Familie steht zu hundert Prozent hinter dem Unternehmen», kommentiert CEO Schildknecht.

«Die Kinder bekommen am Esstisch mit, wie über das Unternehmen geredet wird.»

Der persönliche Bezug zum Unternehmen sei in familiären Firmenstrukturen eben viel grösser, sagt Felix Howald, Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz. «Das Engagement für den Familienbetrieb wird von Generation zu Generation quasi mit der Muttermilch weitergegeben. Die Kinder bekommen am Esstisch mit, wie über das Unternehmen geredet wird», beschreibt er den mentalen Unterschied zwischen Familienunternehmern und anderen Geschäftsleuten. Ihre Loyalität beschränke sich oft nicht nur auf die Firma, sondern gelte für die ganze Standortregion. «Weil sie dort oft über Generationen verwurzelt sind, scheuen sie Entlassungen in schlechten Zeiten eher und bringen sich auch in Politik und Kultur ein.»

Bei etwa einem Drittel der börsenkotierten Zentralschweizer Firmen haben Familien das Sagen. Die meisten von ihnen leiten die Geschicke von Industriebetrieben wie beim Liftkonzern Schindler oder dem Küchengerätehersteller V-Zug. Andere grosse Firmen mit familiärem Hintergrund wie Victorinox (Taschenmesser), Trisa (Zahnbürsten) oder Maxon (Motoren) bleiben den Börsen fern, sie sind vollumfänglich in Familienbesitz. Das gilt erst recht für das Gros der mittelgrossen und kleinen Unternehmen. Howald: «Für sie treffen die in der Studie erwähnten Vorzüge noch stärker zu, da sie überhaupt keinen ausserfamiliären Miteigentümern verpflichtet und normalerweise noch langfristiger orientiert sind.»

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