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Fantasierabatte auf Buchungsplattform Agoda verärgern Hotels – auch in Luzern

Die Hotelbuchungsplattform Agoda lockt potenzielle Gäste mit Schnäppchen an, die keine sind. In Grossbritannien sind die Wettbewerbshüter jetzt eingeschritten. In der Schweiz ändert sich dadurch aber nichts.
Maurizio Minetti
Die Fassade des Hotels Schweizerhof in Luzern mit bunt beleuchteten Fenstern. (Bild: Pius Amrein, 30. August 2016)

Die Fassade des Hotels Schweizerhof in Luzern mit bunt beleuchteten Fenstern. (Bild: Pius Amrein, 30. August 2016)

Die Rabatte leuchten rot auf: 59 Prozent, 77 Prozent, ja gar gegen 90 Prozent. Wer auf der Hotelbuchungsplattform Agoda eine Unterkunft sucht, findet schnell verlockende Schnäppchen. «Unser letztes Zimmer!» heisst es da, oder auch «Aktuell beliebt!» Statt des Standardpreises von fast 950 Franken bezahlt man zum Beispiel für eine Nacht im Ameron Luzern Hotel Flora derzeit nur 180 Franken.

Nur: Die Standardpreise auf der Agoda-Plattform sind oftmals schlicht erfunden. Auf Anfrage unserer Zeitung sagt die Hoteldirektorin des Hotels Flora, Jessica Ternes, dass der Standardpreis von gegen 1000 Franken überhaupt nicht der Realität entspricht: «Je nach Saison kann der Preis unseres Standardzimmers höchstens auf 350 Franken steigen.» Der erfundene Standardpreis sei ärgerlich, sagt sie, zumal Agoda kein Vertragspartner des Hotels sei. «Wir empfehlen den Kunden grundsätzlich, uns direkt zu kontaktieren, um von den besten Konditionen zu profitieren», sagt Ternes.

Am Freitagabend listete Agoda ein Zimmer nächste Woche im Ameron Luzern Hotel Flora mit dem «Standardpreis» von 899 Franken. (Bild: Screenshot)

Am Freitagabend listete Agoda ein Zimmer nächste Woche im Ameron Luzern Hotel Flora mit dem «Standardpreis» von 899 Franken. (Bild: Screenshot)

Einigung mit britischer Wettbewerbsbehörde

Die Masche von Agoda ist in der Branche bekannt. Das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» berichtete kürzlich über einen ähnlichen Fall in Zürich. Auch andere Luzerner Hotels sind betroffen. «Wir haben ebenfalls negative Erfahrungen mit Agoda gemacht», sagt Roman Omlin, Mitglied der Geschäftsleitung des Hotels Schweizerhof in Luzern. Die falschen Rabatte seien aber nur eines der Probleme mit Agoda: «Uns haben auch schon Gäste gesagt, sie hätten über Agoda bei uns gebucht – wobei dies aber nicht der Fall war.»

Er beobachtet zudem, dass auf der Plattform manchmal vorgegaukelt werde, es seien Zimmer verfügbar, diese dann aber bei der Buchung nicht mehr frei seien. «Der Gast ist dann aber schon auf der Agoda-Seite und schaut sich dort nach Alternativen um», sagt Omlin. Er glaubt, dass vermutlich die meisten Hotels, die auf der Plattform gelistet sind, von falschen Standardpreisen betroffen sind. «Die Frage ist, inwiefern sich die Hotels daran stören», sagt Omlin. In anderen Worten: Die Hotels haben sich daran gewöhnt, dass sie den Portalen ausgeliefert sind.

Agoda hat den Hauptsitz in Singapur und gehört zur gleichen Firmengruppe wie Booking.com. Diese Plattformen sind bei den Hotels schon lange umstritten. Erst vor zehn Tagen wurden mehrere Plattformen in Grossbritannien von der Wettbewerbsbehörde zurückgepfiffen. Die britischen Wettbewerbshüter haben unter anderem wegen irreführender Rabatte Massnahmen gegen insgesamt sechs Hotelplattformen ergriffen. Die untersuchten Portale haben sich mit der Wettbewerbsbehörde darauf geeinigt, dass künftig Rabatte klar sein müssen und nur Angebote beworben werden dürfen, die zum besagten Zeitpunkt tatsächlich verfügbar sind.

Ein Gericht müsste die Sache klären

Auf die Schweiz hat der Entscheid in Grossbritannien allerdings keine Auswirkung. Hierzulande beschäftigt sich die Wettbewerbskommission (Weko) vor allem mit Kartellen und missbräuchlichen Verhaltensweisen von marktbeherrschenden Unternehmen. «Die Weko ist in dieser Sache nicht tätig geworden», sagt ein Sprecher. Mit der Verwendung von Fantasiepreisen könnte Agoda aber gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verstossen. Ob dies tatsächlich so ist, müsste allerdings ein Gericht klären. Es sei jedoch «sehr schwierig, das UWG gegenüber einem Unternehmen mit Sitz in Singapur durchzusetzen», erklärt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf Anfrage. Den Gang vor Gericht wagt kaum ein Hotel.

Das Hotel Schweizerhof in Luzern hat die Zusammenarbeit mit Agoda mittlerweile sistiert. «Nichtsdestotrotz verkaufen sie durch Hintertüren weiterhin Zimmer von uns», sagt Geschäftsleitungsmitglied Roman Omlin. Auf Anfragen unserer Zeitung reagierte Agoda nicht.

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