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Beim Feriendienstleister Hapimag kommt nach der Krise nun fast schon Ferienstimmung auf

Es herrschte Tauwetter an der Generalversammlung von Hapimag. Doch an der vollständigen Ausräumung bestehender Anschuldigungen der Aktionäre kommt der Feriendienstleister nicht vorbei.
Raphael Bühlmann
CEO Hassan Kadbi (links) und VR-Präsident Giatgen Peder Fontana in der Waldmannhalle in Baar. (Bild: Pius Amrein (26. April 2019))

CEO Hassan Kadbi (links) und VR-Präsident Giatgen Peder Fontana in der Waldmannhalle in Baar. (Bild: Pius Amrein (26. April 2019))

Von Ferienlaune konnte am Freitag zwar definitiv noch nicht die Rede sein. Und doch – die unter anderem aus Deutschland, Österreich und Holland angereisten Aktionäre des Feriendienstleisters Hapimag entflohen dem garstigen Zentralschweizer Wetter in die Baarer Waldmannhalle und hielten dort eine – für Hapimag-Verhältnisse – fast schon heitere Generalversammlung 2019 ab.

«Sie überraschen mich», stellte Giatgen Peder Fontana fest. Der Verwaltungsratspräsident zeigte sich sichtlich erleichtert, als sich eine im Vergleich zum Vorjahr weniger umstrittene GV abzeichnete. So stellte der Versammlungsführer den drei grössten Aktionärsvereinigungen eigentlich je eine halbe Stunde Redezeit zur Verfügung, «ohne Fragen oder Diskussionen», wie Fontana im Vorfeld klarstellte. Doch wider Erwarten schöpften die Redner das Angebot nicht aus. Stattdessen genehmigten die Aktionäre die Konzernrechnung der Hapimag Unternehmensgruppe, die Jahresrechnung der Muttergesellschaft Hapimag AG, die Berichte der Revisionsstelle und erteilten den Verwaltungsratsmitgliedern die Décharge.

Streitwert wurde massiv reduziert

Ganz anders zu und her ging es an der GV vor einem Jahr. Der damals beschlossenen Sonderprüfung gingen kritische Voten voraus, vor allem von Seiten der grössten Aktionärsgruppe, der Hapimag Ferienclub für Aktionäre (HFA). Das Resultat waren zwei Verfahren im Kanton Zug – eines beim Kantons- und eines beim Obergericht. Die Aktionäre verdächtigten das Management, die Geschäfte der vergangenen Jahre nicht in ihrem Sinn geführt zu haben. Die Rede ist von zu günstig verkauften Immobilien, von einer befremdlich negativen Eigenkapitalentwicklung oder einer intransparenten Rechnungslegung. Mit der rechtlichen Auseinandersetzung konfrontiert, schlug die Hapimag-Führung letztes Jahr einen Kurs ein, der die Wogen glätten sollte. Vizepräsident Stefan Schalch sagte am Freitag: «Wir haben zahlreiche Gespräche geführt und Zahlen, soweit die Geschäftsinteressen gewahrt sind, offengelegt.» Die geschätzten Streitwerte der beim Kantons- und Obergericht hängigen Verfahren hätten von 177 Millionen auf noch 1,5 Millionen Franken beziehungsweise von 151 Millionen auf 1,2 Millionen Franken reduziert werden können.

Die HFA hält dennoch an der Prüfung fest. Man habe zwar bei einigen Projekten Einsicht in Detailzahlen erhalten, aber eben nicht überall. «Auch dass wir uns erst nach massivem Druck und dem Gang an die Öffentlichkeit ernsthaft Gehör verschaffen konnten, stimmt uns weiter misstrauisch», sagte Frank Dorner von der HFA. Man sei gespannt auf das Prüfergebnis. Nachdem HFA präzisiert habe, welche Fragen in der Sonderprüfung konkret zu beantworten seien, hätten die Gerichte die Verfahren per 16. Januar wieder aufgenommen. Ein Resultat bis zur nächsten GV sei möglich, aber wohl unwahrscheinlich, hiess es an der Generalversammlung.

Imageschaden habe Neukunden verscheucht

Verschiedene HFA-Vertreter wiesen am Freitag explizit darauf hin, dass die Sonderprüfung auf Verfehlungen in der Vergangenheit zurückzuführen sei. Damit stellten sie sich vor allem hinter die Leistung des Ende 2016 angetretenen CEO Hassan Kadbi. HFA-Vertreter Dorner: «Wir erleben einen Kulturwandel bei Hapimag.» Dieser sei äusserst erfreulich und in erster Linie auf die neue Unternehmensführung zurückzuführen – allen voran auf den neuen CEO.

Entsprechend kritisch sieht die HFA die Rolle des einstigen CEO und heutigen Verwaltungsrats Kurt Scholl. Die Aktionärsvereinigung hatte angekündigt, Scholl nicht mehr zu unterstützen und stattdessen mit Rudolf Andermann einen eigenen Kandidaten zu portieren. Damit hatte sie allerdings keinen Erfolg: Die GV sprach am Freitag Giatgen Peder Fontana, Kurt Scholl, Philipp Ries und Andreas Winiarski für eine weitere Amtsdauer von zwei Jahren das Vertrauen aus. Für Vizepräsident Stefan Schalch, der auch wegen der eingeführten Amtszeitbeschränkung zurückgetreten ist, wählte die Versammlung Rechtsanwältin Christine Hehli Hidber als Ersatz. Kurt Scholl konnte sich am Freitag in Anbetracht der Querelen einen Seitenhieb an die Adresse der HFA nicht verkneifen. Der Image­schaden, den man in den letzten 15 Jahren angerichtet habe, sei sehr gross und hätte potenzielle Neukunden verscheucht. Ins gleiche Horn stiess Verwaltungsrat Philipp Ries. Neukunden zu gewinnen sei mit solchen Negativschlagzeilen unmöglich.

Ein weit optimistischeres Fazit zog CEO Hassan Kadbi in seiner Rede: «Eines ist klar: Hapimag ist auf einem guten Weg. Wir können mit Rückenwind nach vorne gehen. Klar ist aber auch: Veränderungen brauchen Zeit und eine positive Einstellung ­aller Beteiligten. Wir freuen uns darauf, unsere Arbeit 2019 mit Energie, Leidenschaft und Zielstrebigkeit weiterzuführen.»

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