Kommentar

In den eigenen vier Wänden wohnen: Eigenmietwertbesteuerung ist ein fataler Fehlanreiz

Wirtschaftsredaktor Rainer Rickenbach zum möglichen Ende der Eigenmietwertbesteuerung. 

Rainer Rickenbach
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Dass Bürger Steuern zahlen müssen, weil sie in ihren eigenen vier Wänden wohnen, das gibt es nur in der Schweiz. Versuche, das weltweite Unikum mit der sperrigen Bezeichnung Eigenmietwertbesteuerung aus der Welt zu schaffen, gab es schon mehrere. Sie scheiterten bislang jedoch stets am Beharren der Hauseigentümer-Organisationen auf den steuerlichen Abzügen.

Die Eigenmietwertbesteuerung gehört abgeschafft. Dafür ist es höchste Zeit.

Von dieser Fünfer-und-Weggli-Strategie wenden sich die Hauseigentümer nun ab. Prompt ging ein Ruck durch die Politik. Zwar sind die oft verzwickten Details für ein neues Eigenheim-Steuerregime noch längst nicht geregelt. Doch im Grundsatz herrscht Einigkeit: Die Eigenmietwertbesteuerung gehört abgeschafft.

Dafür ist es höchste Zeit. Denn diese Steuer schafft fatale Fehlanreize. Sie bringt zum Beispiel Rentner in Bedrängnis, die im Lauf der Jahre verantwortungsvoll ihre Hypothekarverbindlichkeiten abstotterten, um ihre Immobilie solide finanziert ihren Nachkommen zu hinterlassen. Ausgerechnet sie werden durch den Fiskus am stärksten belastet. Wer hingegen liederlich haushaltete, darf sich über tiefe Steuerrechnungen freuen. Mit Blick auf die demografische Entwicklung, in der die Pensionäre immer mehr und deren Renten immer schmäler werden, wäre es schlicht unverantwortlich, am heutigen Wohn-Steuerregime festzuhalten.

Wie immer die neue Lösung aber letztlich aussieht: Sie wird die eine oder andere Nebenwirkung mit sich bringen. Für weniger begüterte Immobilien-Erben etwa wird die Eigennutzung interessanter. Für ihre Mieter könnte das bedeuten, sich nach einer neuen Wohnung umsehen zu müssen.