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Prestigeträchtiger Auftrag für das weltgrösste urbane Seilbahnnetz: Die Romanshorner Firma Fatzer geht hoch hinaus

Urbane Seilbahnen als Verkehrsmittel der Zukunft sind vor allem in Lateinamerika gross in Mode. Immer öfters dabei beim Bau solcher Bahnen ist das Drahtseilwerk Fatzer aus Romanshorn.
Thomas Griesser Kym
Gondeln an Stahldrahtseilen der Romanshorner Fatzer AG in der Altiplano-Hochebene der Anden in Bolivien. (Bild: Getty (La Paz, 18. Mai 2015))

Gondeln an Stahldrahtseilen der Romanshorner Fatzer AG in der Altiplano-Hochebene der Anden in Bolivien. (Bild: Getty (La Paz, 18. Mai 2015))

Wie in anderen lateinamerikanischen Grossstädten bricht auch in der bolivianischen Metropole La Paz und ihrer Nachbarstadt El Alto der motorisierte Verkehr regelmässig zusammen. Abhilfe schaffen soll ein Netz aus mehreren Seilbahnlinien, deren Kabinen über die verstopften Strassen und über die Dächer von La Paz ins 4100 Meter hoch gelegene El Alto schweben, Panoramablick auf die Anden inklusive. Im Mai 2014 öffnete die erste Linie von Mi Teleférico, mittlerweile sind neun von zehn Linien in Betrieb. Mit einer Länge von 30,5 Kilometern (im Endausbau 32,7 Kilometer mit gut 1500 Kabinen) handelt es sich um das grösste urbane Seilbahnnetz der Welt.

Die Kabinen der Seilbahn gebaut hat die CWA aus Olten, eine Tochtergesellschaft der österreichisch-schweizerischen Doppelmayr-Garaventa-Gruppe mit Sitz in Vorarlberg. «CWA ist unsere Expertin für Gondelbahnkabinen», sagt Doppelmayr-Spreche­rin Julia Schwärzler. Kommenden Monat wird die zehnte und zumindest vorerst letzte Linie von Mi Teleférico eröffnet, «damit ist auch die zweite Bauphase abgeschlossen und der Auftrag beendet», sagt Schwärzler.

Lateinamerika als Hotspot für urbane Seilbahnen

Ein Grossteil der Seile ist von der Fatzer AG Drahtseilwerk aus Romanshorn hergestellt worden. Diese hat sich spezialisiert auf die Entwicklung, die Produktion und den weltweiten Vertrieb hochfester Stahldrahtseile für Seilbahnen und für architektonische Anwendungen (Fassaden, Dächer Brücken usw.). Auch im Bergbau und als Windenseile für Kässbohrer-Pistenfahrzeuge kommen Fatzer-Seile zum Einsatz.

Das Geschäft in Lateinamerika hat Wachstumspotenzial. «In den vergangenen fünf Jahren haben wir dort diverse Projekte abgeschlossen und keinen einzigen Auftrag verloren», sagt Matthias Stacher, der sich bei Fatzer seit zwölf Jahren unter anderem um Lateinamerika kümmert, wo Stadtseilbahnen besonders populär sind. Der Bau einer Anlage ist im Vergleich zu Strassenbahnen oder U-Bahnen günstiger, schneller, und die Streckenführung lässt sich ohne Beeinträchtigung durch topografische Hindernisse planen. Das erklärt, warum sich in Lateinamerika über die Hälfte aller urbanen Anlagen auf der Welt befinden. «Wir haben bei bei null begonnen», sagt Stacher. «Am Anfang waren es Einzelaufträge, doch seither ist dieses Geschäft kontinuierlich gewachsen.» 2016 etwa stellte Fatzer das neue Stahlseil für die Zuckerhutbahn in Rio de Janeiro her, dies in Kooperation mit der Fiberswiss AG aus Sitterdorf. Diese produzierte ein Glasfaserkabel zur Datenübertragung, das in das Fatzer-Seil integriert wurde.

Weitere Stadtseilbahnen sind momentan in Ecuador, Guatemala, Honduras oder Panama geplant. In Chile hat ebenfalls Doppelmayr einen Zuschlag erhalten, und auch hier wird sich Fatzer darum bemühen, die Seile liefern zu können. Julia Schwärzler bestätigt: «Wir arbeiten sehr viel mit Fatzer zusammen.» Doppelmayr hat als Weltmarktführer im Seilbahnbau als grössten Konkurrenten die italienisch-französische Leitner-Poma-Gruppe. Diese hat schon Stadtseilbahnen gebaut in Brasilien, Kolumbien, Mexiko, Venezuela oder Taiwan. Weitere international aktive Seilbahnbauer sind die Bartholet Maschinenbau AG aus Flums und die französische MND Group.

Das Verkehrschaos ist geblieben

Fatzer hat in Romanshorn, dem einzigen Standort, rund 100 Mitarbeitende. Über das vergangene Geschäftsjahr 2018 sagt Firmensprecher Alexander Strauch, es sei «das Jahr mit der höchsten Tonnage an verarbeitetem Stahldraht in unserer Geschichte gewesen». Betreffend Stadtseilbahnen sagt Strauch, «der urbane Markt hat an Bedeutung gewonnen. Auch mit Blick auf 2019 äussert er sich zuversichtlich: «Wir erwarten ein volumenmässig gutes Jahr. Die Auftragslage ist stabil, und wir haben einen guten Auftragsbestand.»

Derweil zeigte ein Augenschein des Schweizer Fernsehens im vergangenen Jahr in Bolivien, dass die Strassen von La Paz während der Rushhour noch immer heillos verstopft sind. Aber jene Leute, die die Stadtseilbahn nutzen, kommen flott voran. Und es werden immer mehr. Im Dezember 2017 übertraf man die Marke von 100 Millionen Fahrgästen, Ende September 2018 waren es bereits 154 Millionen; das Tagesmittel erreichte 230000 Reisende. Und für Mitte April dieses Jahres wird der 200-millionste Passagier erwartet.

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