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Fazit an der Crypto Valley Conference: «Jetzt kommen auch die grossen Player»

Dieses Jahr treffen sich in Zug die wichtigsten Vertreter der weltweiten Blockchain-Branche. Den letztjährigen Absturz der Kryptowährungen sieht man als nötige Reinigung. Nun stehe man an der Schwelle zur breiten Masse.
Livio Brandenberg
Am Dienstag auf dem Podium der Crypto Valley Conference in Zug (v. l. n. r.): Martin Antoine (Federal Reserve Bank New York), Thomas Moser (SNB), Harald Stieger (Moderator & EU Commission), Michael Kumhof (Bank of England) und Domenico Gammaldi (Bank of Italy). Bild: Dominik Wunderli

Am Dienstag auf dem Podium der Crypto Valley Conference in Zug (v. l. n. r.): Martin Antoine (Federal Reserve Bank New York), Thomas Moser (SNB), Harald Stieger (Moderator & EU Commission), Michael Kumhof (Bank of England) und Domenico Gammaldi (Bank of Italy). Bild: Dominik Wunderli

Es wäre für die Teilnehmer ein Einfaches gewesen: Bei über 30 Grad hätten sie sich einen Tag am See gönnen und sich ein wenig ausruhen können. Doch die Vortragsräume waren am Dienstag gut gefüllt an der Crypto Valley Conference in Zug. In einer Lagerhalle nahe dem Bahnhof sind seit Montag rund 1200 Teilnehmer – darunter 100 Rednerinnen und Redner – und über 400 Unternehmen präsent. Was auffällt: Es sind viele Firmennamen aus der «traditionellen» IT- oder Finanzbranche dabei, so etwa Microsoft, IBM, Swisscom, Zurich, SAP Schweiz, Postfinance, die SIX Group oder die Bank Vontobel. Selbstverständlich sind auch alle Firmen aus der Kryptobranche, die Rang und Namen haben, anzutreffen. Darunter Ethereum, Bitcoin Suisse, Neo, Ripple, Luxoft, Seba Crypto, Sygnum oder Dfinity, welches mit seiner Stiftung kürzlich von Zug nach Zürich umzog. Die Konferenz dauert noch bis heute Abend.

Die erwähnte Menge «traditioneller» Firmen ist kein Zufall, heute gebe es kaum ein grösseres internationales Unternehmen, das nicht an einem Blockchain-Projekt arbeite, sagt Mathias Ruch. Er ist Chef der Zuger Blockchain-Beteiligungsgesellschaft CV VC und langjähriger Krypto-Investor. Krypto- respektive Blockchain-Anwendungen würden langsam im Mainstream ankommen, sagte auch Daniel Haudenschild, Präsident der Crypto Valley Association, am Rande des Anlasses an einem Mediengespräch. Und das sei eine gute Sache. «Jetzt kommen auch die grossen Player und werfen ihre Anker. Das sieht man nun mit Facebook und seiner neuen Niederlassung in Genf. Das ist ein grosser Anker in der Schweiz.» Und man könne die Pläne des Internetriesen, eine eigene globale Währung namens Libra aufzubauen, drehen und wenden wie man wolle: «Dass Facebook sich die Schweiz als Ausgangspunkt ausgesucht hat, ist eine tolle Sache», so Haudenschild.

Der Hype ist vorbei

Auf die in der Medienlandschaft als «Krypto-Winter» etikettierte Baisse bei den Kryptowährungen 2018 und die damit einhergehende Ernüchterung in der Branche angesprochen, sagte Haudenschild, das sei eine willkommene Zäsur, eine nötige Reinigung gewesen: «2017 war ein so unglaubliches Jahr für Kryptowährungen und die Blockchain-Bewegung. Dann traf diese auf die Realität.» (Anmerkung: Nach einem beispiellosen Hype viertelte sich der Bitcoin-Kurs innerhalb von sechs Monaten; dazu mussten einige Blockchain-Firmen Stellen streichen und ihre Strategie anpassen.) Jetzt sei der Hype vorbei, «und damit ist auch viel Blödsinn weg – Gott sei dank», so der Präsident des Verbands der Zuger Blockchain-Branche. Jetzt stehe der Sektor an der Schwelle, wo es richtig interessant werde und Leute an wirklichen, massentauglichen Lösungen arbeiten würden. Die Hoffnung sei es, dass diese Entwicklung die Branche nun in die nächste Phase trage.

«Dürfen nicht mit dem Dollar konkurrenzieren»

Eine nächste Phase hat Facebook mit der Ankündigung der Libra-Pläne bereits eingeläutet. Zumindest sei die neue Währung mit Sicherheit Gesprächsthema in jedem Sitzungszimmer des obersten Managements weltweit gewesen, ist Investor Ruch überzeugt. Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte dies zutreffen. Am Dienstag nun äusserte sich erstmals ein SNB-Vertreter zum Vorhaben. Er sehe den grundsätzlich interessanten Plänen «entspannt entgegen», sagte Thomas Moser, stellvertretendes Mitglied des SNB-Direktoriums, bei einer Podiumsdiskussion, die Teil des Zuger Krypto-Events war. Zudem hätten die Initianten – Facebook hat sich mit 27 Partnern in einem Verein organisiert – angedeutet, sich an die Regeln halten zu wollen. Wie die Regulatoren auf das Libra-Projekt reagieren, welches in der ersten Hälfte 2020 lanciert werden soll, wird entscheidend sein für dessen Erfolg.

Bereits letzte Woche forderte die Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus, Maxine Waters, das Projekt müsse vorerst gestoppt und die Untersuchungen der Behörden abgewartet werden. «Wir können ihnen nicht erlauben, einfach in die Schweiz zu gehen und anzufangen mit dem Dollar zu konkurrenzieren», sagte sie zum Nachrichten- und Wirtschaftssender CNBC.

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