Constantin Medien
FCB-Präsident Burgener jongliert mit hohem Risiko

Erfolg für FCB-Präsident Bernhard Burgener: Er kann die Constantin Medien übernehmen. Bloss: An der finanziellen Front kriselt es. Sein Financier sitzt noch immer in Haft.

Christian Mensch
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Bernhard Burgener ist als Unternehmer auf einen Financier angewiesen.

Bernhard Burgener ist als Unternehmer auf einen Financier angewiesen.

KEYSTONE

Zehn Minuten vor Anpfiff des Champions-League-Spiels zwischen dem FC Basel und Manchester City verschickte FCB-Präsident und Medienunternehmer Bernhard Burgener eine Erfolgsmeldung: Die Übernahme der Constantin Medien werde vollzogen. Ein monatelanges Seilziehen um den Medienkonzern ist damit definitiv zu seinen Gunsten entschieden. Burgener herrscht nun über ein breit aufgestelltes Konglomerat, das mit Constantin Film die grösste deutschsprachige Fernseh- und Filmproduktionsfirma, mit Sport 1 einen Sportkanal und mit Team Marketing die Vermarktungsgesellschaft der Uefa-Champions-League umfasst. Die Voraussetzung für einen prächtigen Fussballabend war gegeben.

Doch wer wie Burgener darauf aspiriert, in den obersten Sphären zu spielen, für den wird die Luft rasch dünn. Der FC Basel lag nach 23 Minuten bereits mit null zu drei Toren im Rückstand – und der Vollzug des Mediendeals findet unter erheblichen Abstrichen statt.

Eine hohe Verschuldung

Um Dieter Hahn, seinen Kontrahenten bei der Constantin Medien, auszukaufen, ist Burgener auf einen Financier angewiesen. Nach langer Suche auch bei asiatischen und russischen Investoren, wie Branchenbeobachter berichten, ist er in Luzern fündig geworden bei Alexander Studhalter. Als Spross der liechtensteinischen Industriellenfamilie Hilti startete Studhalter reich und wurde noch reicher mit Russlandgeschäften, die er mit und für den Oligarchen Sulejman Kerimov tätigte.

Alexander Studhalter sitzt seit einem Monat in Haft.

Alexander Studhalter sitzt seit einem Monat in Haft.

Luzerner Zeitung AG

Aus den Angebotsunterlagen geht hervor, dass Studhalter mittels zweier Darlehen der SWIAG Holding insgesamt 118 Millionen Franken bereitstellte, damit Burgener aus der bestehenden Minderheitsbeteiligung an der börsenkotierten Constantin Medien eine satte Mehrheit machen konnte. Mittlerweile sind 78 Prozent der Aktien über die beiden Burgener-Gesellschaften Highlight Communications (HLC) und Highlight Event and Entertainment (HLEE) in den Händen der Schweizer. Doch die Freude ist getrübt: Studhalter sitzt in Nizza in Untersuchungshaft. Ihm werden Steuerhinterziehung und Geldwäscherei im Zusammenhang mit Villengeschäften an der Côte d’Azur vorgeworfen.

Der Verdacht, den Studhalter sowohl beim Immobilien- als auch beim Mediendeal begleitet: Er agiere als Treuhänder seines Milliardärs-Freundes Kerimov. Diesem ist es als Duma-Abgeordnetem untersagt, ausserhalb von Russland offiziell Konten zu führen. In beiden Fällen wird der Treuhand-Verdacht von Studhalters Anwälten als unbegründet in aller Form zurückgewiesen: Studhalter agiere ausschliesslich mit eigenem Geld. Um seine Solvenz zu demonstrieren, legte er gegenüber der «Luzerner Zeitung» seinen Steuerausweis offen, der ihm ein Vermögen von 191 Millionen Franken bescheinigt. Der Letzte, der zu diesem öffentlichkeitswirksamen Mittel griff, war Dieter Behring, der kurz vor seiner Verhaftung auswies, er versteure 450 Millionen Franken.

Studhalter wurde am 12. Januar überraschend verhaftet, einen Monat später sitzt er immer noch in Untersuchungshaft. Dabei wurde Kerimov, der im vergangenen November festgesetzt worden war, rasch wieder in Hausarrest entlassen. Dies allerdings bei einer zunächst auf fünf Millionen angesetzten, dann auf vierzig Millionen Euro erhöhten Kaution. Mittlerweile durfte Kerimov sogar zweimal nach Moskau zurückkehren, wo er neue Deals einfädelte. Studhalter wartet währenddessen auf ein Verfahren.

Für Burgener wird die Lage ungemütlicher, je länger sein Partner in Haft sitzt. In einer ersten Stellungnahme hiess es noch, man äussere sich nicht zu dessen «internen Finanzangelegenheiten». Eine «renommierte Revisionsgesellschaft» habe nachgewiesen, dass Studhalter über ein «ausreichendes Privatvermögen» verfüge. Doch nun folgt eine formelle Distanzierung. Denn in der Ad-hoc-Mitteilung, die Burgener über die HLEE kurz vor Matchbeginn verbreitete, ist nicht nur die erfolgreiche Übernahme der Constantin Medien kommuniziert, darin heisst es auch: Klauseln im Aktionärsbindungsvertrag zwischen Burgener und Studhalter, die mit der Übernahme zur Wirkung kommen sollten, würden ausgesetzt. Das heisst: Studhalter muss auf seine Aktionärsrechte verzichten und darf weder direkt noch indirekt Einfluss auf die Firmen ausüben. Dies, «bis die Vorwürfe gegen Alexander Studhalter entkräftet sind», wie Peter von Büren, Verwaltungsrat der HLEE, auf Anfrage sagt.

Burgener hat mit dem FCB den Achtelfinal der Champions-League und die Herrschaft über die Constantin Medien erreicht. Dass das Heimspiel hoch verloren ging und er vielleicht bald einen neuen Financier benötigt, ist das Risiko, das er dafür in Kauf genommen hat.