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FED: US-Notenbankchefin Yellen wechselt zu einem Thinktank

Die erste Frau an der Spitze der US-Notenbank tritt in den Ruhestand. Auf dem Papier hat Janet Yellen ihren Auftrag erfüllt.
Renzo Ruf, Washington
Die abtretende Fed-Chefin Janet Yellen in Washington. (Bild: Jacquelyn Martin/Keystone (29. November 2017))

Die abtretende Fed-Chefin Janet Yellen in Washington. (Bild: Jacquelyn Martin/Keystone (29. November 2017))

Renzo Ruf, Washington

Den Abend des 4. November 2008, als Barack Obama zum US-Präsidenten gewählt wurde, verbrachten Janet Yellen und ihr Gatte, der Nobelpreisträger George Akerlof, gemeinsam mit einem befreundeten Ehepaar in Berkeley (Kalifornien). Als der Sieg des Demokraten gegen 20 Uhr Lokalzeit feststand, lagen sich die vier Wirtschaftswissenschafter in den Armen und tranken Champagner. Grund zur Freude gab es genug. Die Wahl Obamas signalisierte eine Rückkehr Washingtons zum Keynesianismus – einer Denkschule, mit der Yellen während ihrer langen akademischen Karriere stets sympathisiert hatte.

Weil die heute 71-jährige Yellen in der amerikanischen Hauptstadt allerdings als Clinton-Getreue galt, musste sie sich recht lange gedulden, bis sie auch persönlich von der Wahl des neuen Präsidenten profitierte. 2010 wurde Yellen, die seit 2004 die Zweigstelle des Federal Reserve in San Francisco (Kalifornien) präsidiert hatte, von Obama zur neuen Vizechefin der amerikanischen Notenbank nominiert. Drei Jahre später, im Herbst 2013, erfolgte dann ihre Nomination zur Chefin des Federal Reserve als Nachfolgerin von Ben Bernanke.

Wie robust ist die Volkswirtschaft?

Nun endet die Laufbahn der Akademikerin aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn an der Spitze der einflussreichsten Notenbank – nachdem sie am Mittwoch zum letzten Mal die Beratungen des Fed-Offenmarktausschusses geleitet hat. Präsident Donald Trump zog es vor, den republikanischen Fed-Gouverneur Jerome «Jay» Powell mit der Führung des Federal Reserve zu beauftragen. Powell wird seinen neuen Posten am Montag antreten.

Trotz dieses erzwungenen Rücktritts geht Yellen mit hoch erhobenem Kopf vom Feld. Die nackten Zahlen pflichten ihr bei. So sank die Arbeitslosenquote in den USA während ihrer Amtszeit von 6,7 Prozent (Februar 2014) auf aktuell 4,1 Prozent. Auch behielt das Federal Reserve die Inflation unter Kontrolle und verhinderte, dass der Dollar markant an Gewicht verlor. Damit erfüllte die Führung der Notenbank die beiden Aufträge des Gesetzgebers und sorgte für Vollbeschäftigung und Preisstabilität. Yellen gelang es zudem, Theorie und Praxis unter einen Hut zu bringen. So soll sie ihren Fed-Kollegen immer wieder vor Augen geführt haben, welch massive Folgen die Fed-Entscheidungen auf gewisse Bevölkerungsgruppen haben. So traf sie sich zum Gespräch mit Arbeitern, Veteranen oder diskriminierten Minderheiten.

Allein: In den Augen der Währungsexperten ist es noch zu früh, bereits eine definitive Bilanz von Yellens Amtszeit zu ziehen. Denn erst wenn das massive Konjunkturprogramm des Federal Reserve vollständig abgewickelt ist, wird sich zeigen, ob die amerikanische Volkswirtschaft (und die Finanzmärkte) auch ohne Krücken gehen kann. Kritiker sind der Meinung, dass diese Abwicklung viel zu langsam vonstattengehe. Das Federal Reserve hätte den Fuss schon lange vom Gaspedal nehmen müssen, sagt zum Beispiel Martin Feldstein, ein konservativer Harvard-Ökonom. Das Risiko einer Blasenbildung an der Börse sei zu lange unterschätzt worden.

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