Krankenkasse
Fehler bei Kundenkarte der Helsana

Anfang 2010 haben die meisten Krankenkassen ihren Kunden die neue Versichertenkarte zugeschickt. Den rund 1,5 Millionen Versicherten von Helsana steht diese Option nicht zur Verfügung, obwohl sie vom Bund per Januar 2010 verordnet ist.

Christof Forster
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Im schlimmsten Fall müsste die Post nochmals 1,5 Millionen Helsana-Karten herstellen. Keystone

Im schlimmsten Fall müsste die Post nochmals 1,5 Millionen Helsana-Karten herstellen. Keystone

Auf der Karte sind Namen und AHV-Nummer gedruckt – und neu auf dem Chip gespeichert. Darauf können die Patienten zudem freiwillig Informationen zu ihrer Gesundheit laden lassen. In einer Informationsbroschüre macht das Bundesamt für Gesundheit Werbung dafür: «Die medizinischen Daten können im Arzt-Patienten-Gespräch wertvolle Hinweise zu Diagnose und Behandlung liefern und im Notfall sogar Leben retten.»

«Das Problem ist bekannt»

Den rund 1,5 Millionen Versicherten von Helsana steht diese Option nicht zur Verfügung, obwohl sie vom Bund per Januar 2010 verordnet ist. Das zeigen Recherchen der az. «Das Problem ist bekannt», sagt Helsana-Sprecher Rob Hartmans. Er verweist auf die Post, welche für die Krankenkasse die Karte entwickelt und hergestellt hat. «Aufgrund der interpretationswürdigen Spezifikation im Bereich der Notfalldaten hat sich bei der Versichertenkarte vermutlich ein kleiner Fehler eingeschlichen», sagt Urs Stromer, Projektleiter eHealth der Post.

Das Problem sei den Herausgebern der Heilberufsausweise bekannt. Der Ausweis der Ärzte und Apotheker kann das Sicherheitszertifikat der Helsana-Karte nicht erkennen. Dies verhindert den Transfer von Gesundheitsdaten von der Karte zum Arzt. Inzwischen haben laut Stromer Tests gezeigt, dass mit einer nachträglichen Korrektur die Daten beim Arzt und im Spital sicher gelesen werden können.

Helsana und Post relativieren

Sowohl Helsana als auch die Post relativieren den Fehler. Notfalldaten liessen sich erst dann auf den Karten speichern, wenn die notwendigen Anwendungen bei den Ärzten verfügbar und die Heilberufsausweise mit den entsprechenden Zertifikaten ausgerüstet seien, sagt Stromer.

Die Post hat trotzdem zugesagt, den Schaden zu beheben. «Die Post wird das in Ordnung bringen», sagt Hartmans. Das heisst, die Post müsste 1,5 Millionen Karten zurückfordern und korrigieren und neue Karten herausgeben. Der Fehler sei aber unbedeutend für die aktuelle Karte, weil niemand Gesundheitsdaten auf dem Chip speichern will.

Der Kassen-Dachverband Santésuisse bestätigt dies: «Ärzte und Spitäler speichern heute keine Gesundheitsdaten auf den Versichertenkarten», sagt Sprecherin Françoise Tschanz. Die technischen Hilfsmittel wie Lesegeräte seien zwar vorhanden. Die Ärzteschaft sei aber skeptisch. «Es wäre viel besser, die Daten in einem elektronischen Patientendossier, auf das alle berechtigten Ärzte Zugriff haben, zu speichern», sagt Judith Wagner von der Ärztevereinigung FMH. So könnten die Informationen viel einfacher auf dem aktuellen Stand gehalten werden. Zudem seien damit bei einem Kartenverlust nicht gleich alle Daten verloren.

Die Panne trifft die Post in einem empfindlichen Bereich. Der gelbe Riese möchte sich angesichts der schrumpfenden Briefpost neue Märkte erschliessen. Da bietet sich dem Logistik-Standbein der Post die stark wachsende Gesundheitsbranche an. Die Produktion der Versichertenkarte für Helsana sei für die Post ein Prestigeprojekt, heisst es in Kassenkreisen. Man sei deshalb beim Staatsbetrieb sehr nervös.