Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FENACO: Der «Grüne Riese» will mehr

Zum Mischkonzern gehören Dutzende von Firmen rund um das Thema Landwirtschaft. Die Landi-Dachorganisation hat 2015 an Umsatz eingebüsst. Trotzdem strotzt Fenaco vor Stärke.
Ernst Meier
Blick in die Gemüse- und Obstabteilung der Landi in Rothenburg. (Archivbild Pius Amrein)

Blick in die Gemüse- und Obstabteilung der Landi in Rothenburg. (Archivbild Pius Amrein)

Ernst Meier

Das Elmer-Citro aus dem Volg, Farmer-Bier für den Grillabend, einen Rasermäher aus der Landi, Benzin von der Agrola-Tankstelle, die Solaranlage auf dem Scheunendach eines hiesigen Bauern, eine Schweinehälfte beim Metzger, die Kassensoftware bei Top-Shop – und sogar der Rasen im St.-Jakob-Stadion: Alle Produkte stammen aus einem zur Fenaco-Gruppe gehörenden Unternehmen.

Fenaco wurde 1993 von sechs landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbänden gegründet. Ziel war es, bessere Bedingungen für die Schweizer Landwirtschaft und den Vertrieb ihrer Produkte zu schaffen. Seither hat sich Fenaco rund um ihr Stammgeschäft – den Detailhändler Landi – zu einem stolzen Mischkonzern mit über 80 eigenständigen Subunternehmen in vier Geschäftsbereichen entwickelt (siehe Grafik). Durch eigenes Wachstum, Zukäufe und Neugründungen entstand ein Mischkonzern, der rund 9700 Mitarbeiter beschäftigt. Jüngstes Kind der Gruppe: der Basler Solar-Anlagebauer Solvatec, der Solarmoduloberflächen entwickelt und Anfang 2015 übernommen wurde. Wenn auch der Name Fenaco in der Öffentlichkeit wenig bekannt ist, so sind einige Marken wie Ramseier, Sinalco oder Volg «Schweizer Kulturgut». In der Branche spricht man heute bei Fenaco, die mit der Landi ausserhalb der Stadtgebiete der Migros und dem Coop Marktanteile streitig macht, bereits vom «Grünen Riesen».

Bild: Grafik: Oliver Marx / Neue LZ

Bild: Grafik: Oliver Marx / Neue LZ

Tiefere Preise in Kauf genommen

Im Geschäftsjahr 2015 wurde die Fenaco-Gruppe trotz starker Leistungen vom schwierigen Marktumfeld gebremst. Die sinkenden Preise für Landwirtschaftsprodukte und Energie, die Aufhebung der Euro-Untergrenze sowie der verstärkte Wettbewerb im Detailhandel hinterliessen ihre Spuren. Laut Martin Keller, Geschäftsleitungsvorsitzender von Fenaco, gab die Genossenschaft die Währungsvorteile an ihre Mitglieder – die Bauern – in Form von Preissenkungen für ausländisches Futtermittel, Saatgut, Dünger und Landmaschinen weiter. «Wir haben dadurch in der Agrarsparte eine Betriebsgewinnreduktion auf Stufe Ebit von 7 Millionen Franken in Kauf genommen», sagte Keller. 2015 sei für die Bauern zudem wettermässig schwierig gewesen. Ein Überangebot an Milch, Zucker und Schweinefleisch habe die Situation verschärft.

Der gesamte Fenaco-Nettoerlös ging um 4,3 Prozent auf 6,04 Milliarden Franken zurück. Von den vier Geschäftsfeldern verzeichneten nur die diversen Geschäftstätigkeiten (Informatik, Chemie, Logistik) einen gestiegenen Umsatz – und zwar um 44 Prozent, was auf die Integration von Bison zurückzuführen ist. Nach Restrukturierungen hat man das Surseer IT-Unternehmen 2015 erstmals in der konsolidierten Erfolgsrechnung der Fenaco-Genossenschaft berücksichtigt (zu Bison siehe auch unsere gestrige Ausgabe).

Der Betriebsgewinn (Ebit) der Fenaco-Gruppe lag mit 123 Millionen Franken auf Vorjahreshöhe, während der Reingewinn um 65 Prozent auf 96 Millionen Franken stieg. «Der Gewinnsprung hat ebenfalls mit der Vollübernahme von Bison sowie Liegenschaftsverkäufen zu tun», sagte Fenaco-Chef Martin Keller an der gestrigen Medienkonferenz am Hauptsitz in Bern.

Mehr Investitionen

2015 hat die Fenaco-Gruppe rund 168 Millionen Franken investiert (Vorjahr: 156 Millionen Franken). Gemäss Martin Keller erfolgten die Investitionen «fast ausschliesslich in der Schweiz und vorwiegend im ländlichen Raum». Auch die Mitarbeiter hätten ein positives Signal erhalten. «Trotz Preisdruck und Minusteuerung kam es zu einer Lohnrunde von 0,5 Prozent, und die Mindestlöhne wurden angehoben», sagte er.

Einkaufstourismus kaum gespürt

Zufrieden ist man mit dem Geschäftsbereich Detailhandel. «Hier konnten wir mit einem Nettoerlös von 1,8 Milliarden Franken das Vorjahresniveau halten und gewannen mit allen drei Formaten – Volg, Landi und Top-Shop – Marktanteile», verriet Keller. «Zum einen setzte ihnen der Einkaufstourismus nicht so stark wie anderen Mitbewerbern zu», ergänzte Detailhandelschef Ferdinand Widrig. «Der Durchschnittseinkauf im Volg beträgt 17 Franken. Wegen solcher Alltagsgeschäfte fährt niemand ins Ausland», sagte Widrig. Er fügte hinzu: «Und bei Landi profitieren wir von der Nischenstellung und von beliebten Eigenmarken wie Farmer-Bier.»

Die stabilen Fenaco-Zahlen kommen den 217 angeschlossenen Landi-Genossenschaften zugute respektive deren 43 000 Mitgliedern. Fenaco verzinst die Anteilscheine wie im Vorjahr mit 6 Prozent. Zusammen mit den Leistungsprämien fliessen so rund 14 Millionen Franken an die Genossenschaften. Sie verteilen das Geld unter ihren Mitgliedern.

«Das erste Quartal 2016 ist für Fenaco korrekt verlaufen», meinte Martin Keller wenig aussagend. Die Vorzeichen für das Gesamtjahr sind in etwa dieselben wie 2015. Für die Fenaco stehen die Zeichen aber auf Wachstum. In den Geschäftsfeldern Agrar und Lebensmittel wolle man die Marktposition punktuell ausbauen, sagte Keller: «Beim Detailhandel und Energie besteht Wachstumspotenzial.» Der Hunger des «Grünen Riesen» scheint noch lange nicht gestillt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.