FERIEN: Mehr Sicherheit im Reisebüro

Der Bundesrat will Reiseanbieter zwingen, Kundengelder abzusichern. Sonst drohen Strafen. Die Branche ist erfreut - und bietet sogar Hilfe an.

Sermîn Faki
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Der Schweizer Reiseverband rät Kunden Ferien nur über Anbieter – wie hier bei Globetrotter - zu buchen, welche auch über eine Kundengeldabsicherung verfügen. (Bild: Keystone/Alessandro della Bella)

Der Schweizer Reiseverband rät Kunden Ferien nur über Anbieter – wie hier bei Globetrotter - zu buchen, welche auch über eine Kundengeldabsicherung verfügen. (Bild: Keystone/Alessandro della Bella)

«Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen», schrieb der Dichter Matthias Claudius im Jahr 1786. Etwas erzählen können auch jene Paare, die ihre Hochzeitsreise über das Portal www.flitterwochen.ch gebucht haben. Allerdings wird ihre Geschichte nicht von Palmenstrand und Romantik handeln, sondern von Verzweiflung, Wut und einem saftigen finanziellen Schaden. Weil der Veranstalter zwar ihr Geld genommen, Flüge und Hotels aber nicht bezahlt hat, konnten sie ihre Flitterwochen nicht antreten. Und da der Anbieter keine Kundengeldabsicherung (siehe Box) hat, bekommen die Jungvermählten auch ihr Geld nicht zurück, wie «20 Minuten» diese Woche berichtete.

So wie diesen jungen Paaren geht es im Jahr einigen Pauschalreisekunden. Der Fall www.flitterwochen.ch sei zwar ein Spezialfall, sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizerischen Reiseverbands (SRV). «Hier wurde der Anbieter nicht Opfer eines Konkurses, sondern hat seine Kunden vorsätzlich betrogen.» Dennoch sind auch Kunden von ehrlichen Reiseveranstaltern nicht vor bösen Überraschungen gefeit. Ein Konkurs kann jedes Reisebüro treffen, sei es durch Eigenverschulden oder beispielsweise, weil in einer Region, auf die sich ein Anbieter spezialisiert hat, eine längere Krise ausbricht. Gemäss dem Pauschalreisegesetz sind Reiseanbieter zwar verpflichtet, die Gelder ihrer Kunden für den Konkurs- oder Insolvenzfall abzusichern. Dennoch haben etwa 300 bis 400 Büros in der Schweiz keine solche Garantieversicherung. Konsequenzen drohen diesen Anbietern nicht. «Geht bei diesen Büros etwas schief, schadet das der ganzen Branche», beklagt Kunz. Die Zahl der Schadensfälle schätzt er pro Jahr auf etwa 10. Den Kunden bleibt dann im Ernstfall nichts anderes übrig, als gegen das Reisebüro zu klagen. Was aber kaum ein Geschädigter tut, wie Kunz sagt: «Wer schon Geld verloren hat, will nicht noch mehr investieren.»

Sanktionsmöglichkeit in Sicht

Vielleicht gibt es jedoch bald schon gute Nachrichten für Pauschalreisekunden. Der Bundesrat hat sich diese Woche bereit erklärt, eine Strafbestimmung ins Pauschalreisegesetz einzufügen. Er empfiehlt dem Parlament eine entsprechende Motion der Berner FDP-Nationalrätin Christa Markwalder zur Annahme. Die Mitglieder des SRV, die sich derzeit zu ihrer Delegiertenversammlung auf Malta treffen, haben diese Neuigkeit mit Applaus aufgenommen, wie Kunz berichtet. «Dass es keine Sanktionsmöglichkeit gibt, ist uns schon lange ein Dorn im Auge», sagt er.

Von einer Strafbestimmung im Gesetz erhofft sich der SRV vor allem mehr Druck auf die schwarzen Schafe der Branche. «Drohen Sanktionen, werden sich diejenigen Anbieter, die sich heute um die Kundengeldsicherung foutieren, anschliessen oder vom Markt verschwinden», ist er überzeugt. Jedenfalls dann, wenn die Sanktionen hart genug sind.

1992 hatte der Bundesrat beim ersten Versuch, eine Strafbestimmung ins Gesetz einzubauen, bei fahrlässiger Zuwiderhandlung eine Busse von bis zu 5000 Franken vorgeschlagen. Bei vorsätzlicher Verletzung drohten sogar Bussen bis zu 20 000 Franken oder Haft. Für Kunz ist das heutzutage nicht mehr ausreichend. «Unter 20 000 Franken sollten Bussen in keinem Fall ausfallen», sagt er. Denn ansonsten wäre es für die säumigen Reisebüros noch immer günstiger, die Busse zu zahlen – statt einem Garantiefonds beizutreten.

Die schwarzen Schafe sind bekannt

Nun liegt der Ball beim Parlament, das die Strafbestimmung vor 20 Jahren noch abgelehnt hatte. Kunz ist zuversichtlich, dass es dieses Mal klappt: «Die Branche will die Sanktionen ebenso wie die Konsumentenschutzorganisationen», sagt er. Dem Argument, dass mit einer Strafbestimmung ein Bürokratiemonster erschaffen werde, widerspricht er: «Der Schweizerische Reiseverband würde den Bund da gern unterstützen, etwa mit den Daten jener Reisebüros, die keine Garantieversicherung abgeschlossen haben. Wir wissen, wer die schwarzen Schafe sind.»