Ferienjobs: Auswahl wird dünner

Sie sind rar und heiss begehrt – die Ferienjobs zur Aufbesserung des Sackgeldes. Wer eine solche Stelle für die Sommerferien sucht, muss sich sputen. Denn die Wirtschaftskrise verringert auch das Angebot an Ferienjobs.

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Ferienjob

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az Solothurner Zeitung (SZ)

Franz Schaible

Die langen Sommerferien stehen vor der Tür. Viele Schüler und Schülerinnen, viele Studenten und Studentinnen wollen die freien Tage nicht bloss zum Erholen nutzen, sondern Geld verdienen. Leichter gesagt als getan, denn Angebot und Nachfrage sind nicht im Lot. «Auf ein Stellenangebot kommen fünf Ferienjobsuchende», zeigt Benno Kästli das Missverhältnis auf. Er betreibt seit elf Jahren die Internet-Plattform «www.ferienjob.ch».

Und das garstige Wirtschaftsumfeld erschwert die Suche zusätzlich. «Die Krise ist direkt spürbar. Das Angebot an entsprechenden Tätigkeiten in den Ferien wird kleiner.» Dies bestätigen auch professionelle Stellenvermittler. «Im Vergleich zu den beiden Vorjahren hat die Zahl der Stellenangebote für Ferienjobs dieses Jahr abgenommen», sagt etwa Fabrizio Manduca, Personalberater bei Adecco Solothurn. Gerade im Bereich Reinigungen oder Produktion/Montage sei es im Moment sehr ruhig.

Suche bei Grossverteilern

Traditionsgemäss gibt es im Detailhandel Ferienjobs, sei es zum Auffüllen von Regalen, zum Mitarbeiten im Lager, zum Bedienen der Kassen usw. «In erster Linie bieten wir solche Stellen in den Verkaufsfilialen an», erklärt Thomas Bornhauser, Medienverantwortlicher bei der Migros Aare. Wie viele es jeweils pro Sommer sind, ist nicht bekannt. Aber einige dürften es schon sein, betreibt doch die Migros Aare in den Kantonen Bern, Solothurn und Aargau über 200 Verkaufsstellen. Kein grosses Angebot an Ferienjobs gibt es offenbar bei Coop. Fünf bis zehn Stellen gebe es in der Verkaufsregion Nordwestschweiz, heisst es bei der Pressestelle. Und die sind alle schon besetzt.

Benno Kästli von ferienjob.ch beobachtet, dass mehrheitlich kleinere Betrieb noch Ferienjobs anbieten. Das Angebot in grösseren Betrieben sei deutlich kleiner geworden. Eine Umfrage bestätigt dieses Feststellung. So beim Maschinenbauer Bystronic in Niederönz: «Wir vergeben keine Ferienjobs», sagt Personalfachfrau Daniela Burkhard. Dieselbe Antwort gibt Lukas Jenzer, Kommunikationsverantwortlicher beim Langenthaler Maschinenbaukonzern Ammann. «In unserem industriellen Umfeld gibt es gar keine Einsatzmöglichkeiten für unqualifiziertes Personal.» Bei der Centris AG in Solothurn, dem IT-Dienstleister für die Krankenversicherer, gäbe es zwar Einsatzmöglichkeiten für Hilfspersonal während den Ferien. Aber: «Wir besitzen einen Pool von Aushilfsmitarbeitenden, die bei Bedarf Einsatz leisten», erklärt Personalleiterin Jsabella Stampfli.

Angesichts des kleinen Angebotes ist es umso wichtiger, bei der Suche einige Tipps zu beachten. Benno Kästli hält fest, dass viele Jobs «unter der Hand» vergeben werden. Deshalb soll das Interesse unter Freunden, Verwandten und Bekannten gestreut werden. «Vitamin B ist hilfreich.» Zudem müsse die Jobsuche frühzeitig gestartet werden. «Je früher die Suche beginnt, desto grösser die Chance, einen Ferienjob zu erhalten», bestätigt Migros-Sprecher Thomas Bornhauser.

Landdienst: Idealismus statt Lohn

Wer eine Tätigkeit während den Ferien sucht, damit aber nicht das grosse Gelde verdienen will, hat weit weniger Probleme. «Rund 2500 Jugendliche leisten jährlich einen Landdienst-Einsatz auf einem Bauernhof», erklärt Karin Schäfer, Geschäftsleiterin der Organisation Landdienst; 460 davon im Kanton Bern und 72 im Kantpon Solothurn. Das Interesse sei trotz geringer Entlöhnung gross. Die Ansätze lägen zwischen 12 und 20 Franken pro Tag je nach Alter, plus Kost und Logis, sagt Schäfer. Bei den Landdienstleistenden stehe nicht der Lohn zuoberst. Vielmehr sei es die Motivation, den Bauern zu helfen und ihren Lebensalltag kennen zu lernen.