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Fernbusse: Bahnfreunde drohen mit Gesetzesverschärfung

Nach langem Hin und Her nimmt heute der erste Fernbus der Schweiz den Betrieb auf. Seit Flixbus daran beteiligt ist, hat die Nervosität auf Seiten der Bähnler zugenommen. Das Parlament arbeitet bereits an einer Verschärfung der Zulassung.
Roger Braun
Ab 10. Juni betreibt Eurobus in der Schweiz ein Netz mit drei Fernlinien. (Bild: PD)

Ab 10. Juni betreibt Eurobus in der Schweiz ein Netz mit drei Fernlinien. (Bild: PD)

Heute geht es los mit den Fernbussen in der Schweiz. Auf drei Linien verkehren frühmorgens und abends jeweils Fahrzeuge in beide Richtungen (siehe Karte). Der Weg dazu war steinig und von zahlreichen Umwegen geprägt. Am 19. Februar erhielt das Car-Unternehmen Domo Reisen erstmals eine Konzession für einen fahrplanmässigen Busverkehr über lange Distanzen ausschliesslich in der Schweiz. Am 25. März sollte es losgehen; drei Wochen später vertröstete das Unternehmen auf den 10. Juni. Technische Probleme verunmöglichten die frühere Lancierung, teilte Domo Reisen mit. Einen Monat später gab das offensichtlich überforderte Unternehmen auf und verkaufte seine Fernbustochter mitsamt der Konzession an Eurobus.

Doch selbst für das grösste Busunternehmen der Schweiz war das Fernbusgeschäft ohne Partner zu komplex. Diesen Mittwoch, gerade mal fünf Tage vor der ersten Fahrt, gab sie bekannt, mit dem deutschen Busgiganten Flixbus zusammenzuspannen.

Umgeht Flixbus das Verbot?

Ausgerechnet Flixbus. Kein Transportunternehmen irritiert die Bahnfreunde stärker als die grünen Cars. Über eine Million Schweizer Fahrgäste transportiert Flixbus bereits über die Grenze. Einzig reine Inlandrouten waren dem findigen Busunternehmen bisher untersagt, denn das Kabotageverbot untersagt es ausländischen Transportunternehmen, Waren und Güter zwischen zwei Schweizer Orten zu transportieren. Für SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher (TG) umgeht Flixbus mit dem neusten Manöver das Kabotageverbot in der Schweiz. Sie spricht von einem «Markteintritt durch die Hintertüre».

Die Sekretärin des Verkehrspersonalverbands fühlt sich bestätigt in ihrer Kritik an der damaligen Konzessionsvergabe an ein Fernbusunternehmen. «Zu Beginn ging es um ein kleines Schweizer Car-Unternehmen, das einige Linien in der Schweiz anbieten wollte», sagt sie. «Doch nun steht plötzlich Flixbus inmitten des Schweizer Fernbusnetzes.»

Graf-Litscher sorgt sich um das Bahnangebot der Schweiz. «Wenn plötzlich Firmen in der Grösse von Flixbus auf den Schweizer Markt drängen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Bahnverkehr ernsthafte Einbussen erleiden wird», sagt sie. Für sie ist es widersprüchlich, dass der Bund Milliarden von Franken für die Bahn als ökologisches und zuverlässiges Verkehrsmittel ausgibt und gleichzeitig Fernbuslinien zulässt.

Auf dem Bus prangt das Flixbus-Logo

Das Bundesamt für Verkehr sieht kein Problem mit dem Eintritt von Flixbus. Die Zusammenarbeit tangiere die Konzession für die drei Fernbuslinien nicht, sagt Sprecherin Florence Pictet. Es gehe lediglich um den Vertrieb der Tickets über das Reservationssystem von Flixbus. «Die Kooperation bezieht sich aufgrund der uns vorliegenden Informationen von Eurobus nicht auf das Verkehrsangebot, die Busse oder das Personal, das der schweizerischen Gesetzgebung untersteht.» Ähnlich klingt es bei Eurobus. «Das vorliegende Angebot wird von A bis Z von einer konzessionierten Schweizer Firma bereitgestellt», sagt der Leiter der Fernbusse, Roger Müri.

Wie viel Flixbus langfristig im Eurobus-Angebot stecken wird, ist schwierig zu sagen. Auffällig ist, dass die Reisecars nicht nur den Namen von Eurobus, sondern auch Flixbus tragen werden. Auf der Eurobus-Webseite wird man beim Buchungsvorgang zudem als «lieber Flixbus-Kunde» angesprochen.

Graf-Litscher fühlt sich durch den Eintritt von Flixbus bestärkt, die Fernbusse stärker einzuschränken. Heute dürfen diese bestehende Bahnlinien nicht «wesentlich» konkurrenzieren. Der Ständerat hat in dieser Session zusätzliche Hürden für den Regionalverkehr eingebaut, wonach die Busse staatlich finanzierte Verkehrsangebote ergänzen müssen. Diese Änderung zielt auch auf das hängige Eurobus-Gesuch für sieben weitere Linien, die in Berggebiete wie Davos oder Grindelwald führen sollen. Graf-Litscher stellt sich hinter die Verschärfung: «Damit verhindern wir, dass das Bahnangebot in den Regionen ausgedünnt wird, nur weil als Alternative ein Fernbus bereitsteht.»

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