FERNSEHEN: Das TV-Erlebnis wird digital

Nächsten Dienstag schaltet die Cablecom weitere acht analoge Sender ab. Wir sagen Ihnen jetzt, was Sie tun müssen, damit Ihr Fernseher nicht ganz schwarz bleibt.

Hans-Peter Hoeren
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Eine Person zappt sich durch die Fülle der Anbieter - die zunehmend digitalisiert senden. (Bild: Keystone)

Eine Person zappt sich durch die Fülle der Anbieter - die zunehmend digitalisiert senden. (Bild: Keystone)

Kein 3sat mehr, kein ORF 1, kein Arte. Dieses Szenario droht Cablecom-Kunden mit einem alten Röhrenfernseher oder einem Flachbildfernseher der ersten Generation. Es sei denn, sie haben vorgesorgt mit einem sogenannten Umwandler: Ab Dienstag schaltet Cablecom weitere acht analoge TV-Sender ab und leitet damit endgültig das Ende des analogen Fernsehens ein. Die rund 17 meistgeschauten Programme bleiben noch rund ein Jahr lang empfangbar, im Laufe von 2015 stellen UPC Cablecom und die Mehrzahl der anderen Kabelnetzbetreiber in der Schweiz das analoge Senderangebot definitiv ein. Ein definitiver Termin ist noch nicht bekannt. Wir sagen Ihnen aber, ob Sie betroffen sind und was Sie tun müssen.

Was passiert am 3. Juni?

UPC Cablecom verringert das analoge Fernsehangebot um acht Sender. Abgeschaltet werden 3sat, Arte, ORF 1, Star TV, RTS 1, RTS 2, RSI La 1 und RSI La 2. Grundlage hierfür ist ein Beschluss des Bundesrates von 2012, der den schrittweisen Analogausstieg erlaubt. Ab 2015 können auch die inländischen Analogsender abgeschaltet werden. Ein digitaler Sender braucht viel weniger Platz als ein analoger. Anstelle eines analogen Senders können fünf digitale HD-Sender ausgestrahlt werden. Das heisst, die Umstellung schafft Platz für mehr Sender und vergrössert das Angebot.

Wie weiss ich, ob ich betroffen bin?

Wer einen alten Röhrenfernseher hat, der kann ab Dienstag die acht abgeschalteten Kanäle nicht mehr empfangen. Es sei denn, am eigenen Gerät wurde ein separater Signalumwandler installiert. Betroffen sind auch Kunden mit einem Flachbildschirmfernseher der ersten Generation, die nicht DVB-C-fähig sind und bei denen kein Umwandler installiert wurde. Nicht betroffen ist hingegen, wer einen neueren Flachbildschirm (mit DVB-C-Tuner) besitzt. Das dürfte auf die Geräte zutreffen, die in den letzten drei bis vier Jahren gekauft wurden. Auch wer bereits Sender in hoher Auflösung schauen kann (HD), kann bereits Digitalfern­sehen empfangen. Diese Gruppe muss am 3. Juni an ihrem Gerät lediglich einen Sendersuchlauf durchführen (erst ab 17 Uhr).

Wie gross ist der Kreis der Nutzer mit alten Fernsehgeräten?

UPC Cablecom hat rund 1,4 Millionen Kunden in der Schweiz. Gemäss Schätzungen haben rund 120 000 der Kunden noch einen Röhrenfernseher. Es wird vermutet, dass zu dieser Gruppe vor allem ältere Menschen gehören. Aber auch viele Zweitfernseher oder Geräte in Hotels und Ferienwohnungen könnten betroffen sein. Zum Vergleich: Gemäss dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom) kann man bereits in mehr als 85 Prozent der Haushalte in der Schweiz digitales Fernsehen empfangen.

Was muss man tun, um vom analogen auf das digitale TV zu wechseln?

Eine Möglichkeit ist der Kauf eines neuen Flachbildfernsehers. Die kostengünstigere Variante: Man besorgt sich einen Umwandler. Diesen stellt die Cablecom als kostenlose Leihgabe zur Verfügung. Der Umwandler wandelt das analoge in ein digitales Signal um. Dieser wird wie eine Settop-Box zwischen Fernsehgerät und Kabelanschluss gehängt und funktioniert auch ähnlich wie eine Settop-Box. Man arbeitet dann mit zwei Fernbedienungen – eine für das Fernsehgerät und eine für die Settop-Box. Über 75 000 dieser Geräte wurden bereits von der Cablecom abge­geben. Mit Hilfe des Umwandlers kann man das digitale Basisangebot der Cable­com empfangen. Dieses umfasst ab Juni 65 digitale TV-Sender, 36 davon in HD-Qualität. Der Preis für den Kabelanschluss bleibt unverändert bei Franken 29.05 pro Monat. Unter www.upc-cablecom.ch/change kann man herausfinden, welches Angebot den eigenen Ansprüchen am besten entspricht.

Wie läuft die Umstellung bei den Wasserwerken Zug?

Die Wasserwerke Zug (WWZ) haben über 91 000 Kabelnetzkunden. Die WWZ haben Anfang Mai weitere sechs analoge Sender abgestellt. Im Raum Zug sind das TV5, CNN sowie die dritten deutschen Sender SWR Baden-Württemberg, BR, WDR und NDR. Aktuell umfasst das analoge Angebot noch rund 30 Sender. Ein weiterer Abbau ist möglich. Das weitere Vorgehen mit Blick auf 2015 ist gemäss WWZ-Sprecher Robert Watts noch offen. WWZ-Kunden mit älteren Fernsehgeräten benötigen für die Umstellung auf digitales Fernsehen eine Settop-Box. Diese wird von den WWZ zu einem Spezialpreis von 149 Franken angeboten. Mit Hilfe dieser Box kann man das kostenlose und unverschlüsselte digitale Grundangebot von 130 Sendern empfangen. Rund die Hälfte davon ist in HD-Qualität. Das Grundangebot ist im Grundanschluss enthalten, dieser kostet monatlich 26 Franken.

Welche Alternativen gibt es neben Cablecom und anderen Kabelnetz­betreibern im Bereich des digitalen Fernsehens?

Eine bedeutende Alternative ist Swisscom-TV. Dort kann man beispielsweise Sport-Events auf Abruf konsumieren. Diese kosten einige Franken pro Spiel. Das grösste Angebot im Bereich digitales Fernsehen gibt es über Satellit, aber auch Internetdienste wie Zattoo oder Wilmaa zählen zu den Anbietern.

Wie findet man heraus, welches Angebot am besten zu einem passt?

«Wer heute noch analog fernsieht und mit dem Angebot zufrieden ist, sollte das digitale Grundangebot nutzen», sagt Ralf Beyeler, Telekomexperte beim Internet-Vergleichsdienst Comparis. Der Aufwand sei relativ gering. Der Anschluss von UPC Cablecom sei zwar relativ teuer, aber man benötige kein Telefon, und wenn man mit einem langsamen Internetzugang zufrieden sei, dann handle es sich um das günstigste Angebot. Wer hingegen weitergehende Bedürfnisse habe, beispielsweise bestimmte Spartenkanäle anschauen oder die Sendung vom Vortag ansehen wolle, ohne diese vorher zu programmieren, für den sei je nach Bedürfnis ein anderes Angebot besser geeignet.