Eidgenössisches Schwingfest
Fertig urchig - jetzt wird auch bei den Schwingern richtig abgezockt

Viel Frust im Vorfeld des Eidgenössischen Schwingfestes in Burgdorf. «Abzocke» tönt es immer lauter aus jeder Ecke. 225 Franken kostet ein gedeckter Sitzplatz, die Nacht in der Turnhalle 42 Franken.

Michael Schenk
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Abzocke am Eidgenössichen Schwingest
6 Bilder
Werden zunehmend zu wandelnden Werbesäulen - König Kilian Wenger. zvg
Cornelia Keller aus Wattwil ärgert sich über die «Abzocke» der Veranstalter. zvg
Nicht nur was das offizielle Plakat angeht beschreitet man in Burgdorf neue Wege. zvg
Fors fo der Lueg 2: Der Muni wartet auf den Sieger des Eidgenössischen.
Quittung für zwei Übernachtungen im Camper für ingesamt vier Personen.

Abzocke am Eidgenössichen Schwingest

Keystone

Noch vor ein paar Jahren war Werbung im Schwingsport verpönt. Heute laufen die Protagonisten üppiger mit Werbung tapeziert herum, als irgend ein Sportler oder eine Sportlerin aus irgendeiner Sportart sonst im Land. Schwingen ist hipp und alle wollen sich jetzt eine dicke Scheibe des fetten Kuchen abschneiden. Sehr zum Missbill langjähriger, treuer Freunde und Anhänger des Sports als dieser noch urchig war.

Chaos beim Ticketverkauf

Der Verkauf der letzten 4000 Tickets für das Eidgenössische Schwingfest Ende August in Burgdorf verlief gestern chaotisch. «Wir wurden völlig überrannt», erklärt Raphael Wild, Sprecher des Eidgenössischen. «Die Nachfrage nach den Tickets war grösser als für internationale Fussballspiele oder bekannte Rock-/Pop-Veranstaltungen», so Dieter Froehlich, Vorsitzender der Geschäftsleitung von ticketportal. Theoretisch waren alle Billette nach einer halben Stunde weg. Vereinzelte reservierte Tickets, welche nicht abgeschlossen wurden, gelangten aber nach der automatischen Freigabe wieder in den Verkauf. Dies führte dazu, dass zwischenzeitlich immer wieder Tickets verfügbar waren.

Privatpersonen haben weiterhin die Möglichkeit, sich die Kaufoption auf ein 2-Tage-Ticket für einen Sitzplatz in der Arena zu sichern, indem sie für 250 Franken Gold-Gönner des ESAF 2013 werden. Pro Person kann jedoch nicht mehr als eine Gold-Gönnerschaft gelöst werden. Weitere Informationen und das Registrationsformular für eine Gold-Gönnerschaft finden Interessierte wie bisher unter www.burgdorf2013.ch/goennerverein. (msk)

Tickets sind nur für Otto Normalverbraucher nur sehr schwer zu erhalten. Und wenn, dann kostet ein gedeckter Sitzplatz fürs Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf) vom 31. August und 1. September 2013 in Burgdorf 225 Franken. Der Preisaufschlag im Vergleich zu Frauenfeld 2010 beträgt somit im Schnitt rund 16 Prozent. 31500 der 52000 Sitzplätze gehen an den Eidgenössischen Schwingerverband (ESV). Dieser verteilt die Karten dann nach eigenen Kriterien an die Schwingklubs. Der Rest der Zweitagespässe ist für Gabenspender, Sponsoren, Ehrengäste, Gönner sowie künftige und frühere Esaf-Organisatoren reserviert. Spitzenschwinger und Königsanwärter Christian Stucki sagt, er finde es schade, dass so viele Tickets an Sponsoren gingen. Und: «Die Preise finde ich überrissen.»

Abgezockt wird nicht nur in, sondern auch um die Arena herum. «Ich schäme mich ein Schwinger zu sein....», schreibt ein User auf probasel.ch. Und begründet dies so: «Neben 50 Franken für den Wohnwagen, sollen wir pro Person und Nacht 40 Franken bezahlen. Ohne jegliche weiteren Leistungen. Für uns würde dies bedeuten (2 Erwachsene und 2 Kinder) dass wir für die 2 Übernachtungen 370 Franken bezahlen müssen. Dass ist nicht Wucher, dass ist nicht Abzocke, das geht schon nahe an Betrug.» Dazu werde weder Strom noch Wasser angeboten. Lediglich die so beliebten Plastik-Toiletten.

«Noch teurer wird es wer in Massenschlägen oder Turnhallen schlafen will. 42,50 Franken pro Person kostet die Nacht - notabene ohne Frühstück oder irgend etwas. Zudem wird der Zugang zu diesen Örtlichkeiten während der Wettkämpfe gesperrt und manche der Lager bis zu elf Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt. Die Begründung von Raphael Wild, dem Mediensprecher des Esaf 2013: Es handle sich um «befestigte Bauten mit entsprechender Infrastruktur». Man habe also im Vergleich zum Zelt ein festes Dach über dem Kopf.

Frust auch bei Cornelia Keller aus Wattwil. «Wucher und Abzockerei ist das», faucht sie und meint damit die Übernachtungspreise auf dem Gelände des Esaf. Die hohen Preise erklärt Wild so: «Das kommt daher, dass die gesamte Infrastruktur nur für ein paar Tage aufgestellt wird und wir Platz für mehrere tausend Besucher bieten. Zudem sind die Nächte von Donnerstag auf Freitag und von Sonntag auf Montag gratis.» Nun, Burgdorf ist wahrlich nicht das erste Eidgenössische, an dem die Infrastruktur nur für ein paar Tage aufgestellt wird. Am letzten eidgenössischen Schwingfest vor drei Jahren in Frauenfeld kostete eine Übernachtung in einer Zivilschutzanlage oder Turnhalle 25 Franken und im Zelt 20 Franken – inklusive «Zmorge». Pro Wohnwagen wurden unabhängig von der Bewohnerzahl 30 Franken erhoben. Das waren noch Zeiten – jetzt wird die Kuh eben richtig ausgeschllachtet. Wenn alle Unterkünfte an beiden Wettkampftagen in Burgdorf und Umgebung voll besetzt sind, bringt das den Veranstaltern über 1,35 Millionen Franken.