FINANZANLAGEN: LUKB setzt auf «Strukis»

Die Luzerner Kantonalbank baut ein Team für strukturierte Produkte auf. Damit will sie die Abhängigkeit vom Zinsgeschäft reduzieren. Doch das neue Geschäft birgt auch Risiken.

Maurizio Minetti
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Haupteingang der Luzerner Kantonalbank (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 27. Januar 2016))

Haupteingang der Luzerner Kantonalbank (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 27. Januar 2016))

Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

Für Kenner heissen sie schlicht «Strukis»: Gemeint sind sogenannt strukturierte Finanzprodukte (siehe Box). Die Luzerner Kantonalbank (LUKB) plant, bis Anfang 2018 ein Kompetenzzentrum mit rund zehn Personen für die Entwicklung und Emission von strukturierten Produkten aufzubauen. Sie will damit hauptsächlich als Zulieferer für andere Banken und für Vermögensverwalter auftreten. Das Team soll in den Räumlichkeiten der Private-Banking-Vertretung der LUKB in Zürich angesiedelt sein.

Bislang kooperierte die LUKB in diesem Bereich primär mit Emittenten wie UBS, CS, Julius Bär, Vontobel oder ZKB und BCV. Mit diesem Schritt will die Bank unter anderem die Ertragsbasis breiter abstützen. LUKB-CEO Daniel Salzmann: «Wir wollen unsere Abhängigkeit vom Zinsgeschäft verringern, indem wir im Anlagegeschäft neue Produkte anbieten.»

Für Anleger mit Risikobewusstsein

Die Finanzprodukte sind aber umstritten. Die Basler Kantonalbank gab das Geschäft 2013 auf, weil es nicht mehr rentierte. 2008 verloren Schweizer Anleger Hunderte Millionen Franken, weil sie die Strukis der 2008 pleitegegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers gekauft hatten. Aktuell macht der Struki-Spezialist Leonteq Schlagzeilen: Er kämpft mit einem abstürzendem Börsenkurs und schrumpfenden Gewinnen. LUKB-Sprecher Daniel von Arx sagt dazu: «Unsere Erfahrungen zeigen, dass strukturierte Produkte nach wie vor unverzichtbare Instrumente in den Portfolios von professionellen Anlegern sind, zum Beispiel bei institutionellen Anlegern und externen Vermögensverwaltern.» Auch bei Private-Banking-Kunden, die über ein entsprechendes Risikoprofil verfügen, seien strukturierte Produkte nach wie vor ein wichtiges Thema, so von Arx.

Maurice Pedergnana, Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen Zug, findet den Schritt der LUKB «vollkommen richtig». Die LUKB kämpfe wie andere Banken mit dem Tiefzinsumfeld und suche laufend nach neuen Stra­tegien, um ihren Kunden ein­trägliche, aber verhältnismässig risikoarme Anlagemöglichkeiten zu bieten. «Vor diesem Hintergrund sind strukturierte Produkte eine gute Möglichkeit, um den Kunden eine höhere Rendite anzubieten», so der Finanzexperte.

Ein Risiko bestehe bei Anlagen immer, gibt Pedergnana zu bedenken. Der Kunde gehe zwar ein finanzielles Risiko ein, was den Inhalt der Anlage betreffe. Wenn jedoch eine Bank wie die LUKB als Emittent agiere, sei das für Kunden eine Art Garantie. «Gerade das Beispiel Lehman zeigt, dass man sich nicht auf schummrige Emittenten verlassen sollte», sagt Pedergnana. Grundsätzlich sei der Markt für strukturierte Produkte reif, transparent und liquid. Mit einem Jahresumsatz von 200 Milliarden Franken ist die Schweiz laut dem Schweizerischen Verband für strukturierte Produkte der weltweit grösste Markt für Strukis.