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FINANZEN: «In der Eurozone wird es in zwei Jahren zur Erholung kommen»

Nein zu den Reformen? UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber hat grosses Vertrauen in die griechische Bevölkerung. Ausserdem sagt er, weshalb die aktuelle Kritik an der SNB in die falsche Richtung zielt.
Interview Dominik Buholzer
Axel Weber (58), Verwaltungsratspräsident, in einer Suite des Hotels Bellevue Palace in Bern. (Bild Pius Amrein)

Axel Weber (58), Verwaltungsratspräsident, in einer Suite des Hotels Bellevue Palace in Bern. (Bild Pius Amrein)


Axel Weber, die Lage in der Griechenland-Krise ist eskaliert. Wie dramatisch ist die Situation?

Axel Weber: Durch das vorläufige Ende der Verhandlungen ist eine aussergewöhnliche und angespannte Situation eingetreten. Die Volatilität am Markt war zunächst noch relativ hoch, in der Folge hat sich die Lage aber weitgehend beruhigt. Wir müssen jetzt die weitere Entwicklung abwarten.

Kam die Eskalation für Sie über­raschend?

Weber: Nein, es war bereits seit 2010 abzusehen, dass Griechenland ohne weitergehende Reformen seine Zahlungs­fähigkeit nicht sicherstellen kann.

Welches Ergebnis erwarten Sie von der griechischen Abstimmung heute Sonntag?

Weber: Es steht für mich ausser Frage, dass das griechische Volk bei einem Verbleib in der Eurozone eine bessere Zukunft hat. Ich hoffe, dass man dies mehrheitlich erkennt und auch so entscheidet: für Reformen und für den Verbleib im Euroraum.

Sie sind also zuversichtlich, dass man letzten Endes das Schlimmste vermeiden kann?

Weber: Alle Umfragen, die ich gesehen habe, weisen darauf hin, dass eine Mehrheit des griechischen Volkes den Euro beibehalten möchte. Dies setzt Reformen und Reformbereitschaft voraus, denn sonst fliessen keine weiteren Hilfsgelder.

Für den Schweizer Franken ist die jetzige Situation nicht gut. Rechnen Sie, dass sich die Lage wieder entspannt?

Weber: Die Europäische Zentralbank verfügt über die Mittel, für geordnete Verhältnisse in der Eurozone zu sorgen, auch bei einem allfällig negativen Ausgang der griechischen Abstimmung. Die Schweizerische Nationalbank hat ebenfalls signalisiert, dass sie – falls nötig – gewillt ist, zu intervenieren. Kurz und gut: Die Notenbanken haben die Lage im Griff. Ich denke nicht, dass es zu dramatischen Entwicklungen kommt.

Bleiben wir noch ein wenig beim starken Franken. Die Schweizerische Nationalbank ist in den vergangenen Wochen wegen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses unter Beschuss geraten. Trotzdem will sie an ihrem Kurs festhalten. Ein richtiger Entscheid?

Weber: Die SNB ist unabhängig, und das ist auch gut so. Sie hat in den vergangenen Monaten einen guten Job gemacht. Der Entscheid, den Mindestkurs aufzuheben, war aus meiner Sicht richtig. Die Kosten, um den Schweizer Franken weiter zu schwächen, wären gerade vor dem Hintergrund der deutlichen Euroschwäche zu hoch geworden. Auch die Einführung von Negativzinsen zeigt Wirkung. Es ist jetzt aber wichtig, dass diese nicht zu lange bestehen bleiben oder sich gar verselbstständigen.

Aber die Probleme des starken Frankens sind geblieben. Was läuft schief?

Weber: Das Problem des starken Schweizer Frankens kann nicht allein durch die SNB gelöst werden. Es löst sich letztlich nur, wenn Europa zu neuem Wirtschaftswachstum und neuer Dynamik gelangt. Die politischen und die fiskalpolitischen Massnahmen, die ergriffen wurden, zeigen erste Wirkung. Europa ist im ersten Quartal dieses Jahres stärker gewachsen als die USA. Es besteht also Hoffnung, dass sich im kommenden Jahr einige Probleme lösen könnten. Das würde auch den Druck auf den Schweizer Franken reduzieren.

Sind Sie zuversichtlich, dass sich die Lage schnell wieder normalisiert?

Weber: Ich denke, dass es in der Eurozone in den kommenden zwei Jahren zu einer Erholung kommen wird. Bei der UBS haben wir bereits Ende des vergangenen Jahres in der Vermögensverwaltung auf eine Übergewichtung europäischer Aktien zu setzen begonnen. Wir sind der Ansicht, dass die Papiere insbesondere von europäischen Unternehmen heute noch unterbewertet sind.

Worauf muss die Schweiz in Zukunft achten?

Weber: Es braucht weiterhin attraktive und verlässliche Rahmenbedingungen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes zu erhalten und zu stärken. So sollte die Schweiz unter anderem alles daransetzen, um die liberalen Arbeitsmarktbedingungen aufrechtzuerhalten. Diese waren in der Vergangenheit einer der Schlüssel zum Erfolg und werden es auch in Zukunft sein.

Orten Sie in der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative die grössere Herausforderung für die Schweiz als der starke Franken?

Weber: So kann man das nicht sagen, aber die Diskussion in der Schweiz konzentriert sich in meinen Augen derzeit tatsächlich sehr stark auf den Wechselkurs und die Rolle der Notenbank anstatt auf die strukturellen Bedingungen für die Wirtschaft. Viele Unternehmen sind derzeit verunsichert und zögern mit Investitionen in den Standort Schweiz.

Ein ganz anderes Thema: Seit Mitte Juni ist die UBS Switzerland AG als Tochtergesellschaft der UBS mit eigener Lizenz aktiv. Ist damit der Umbau bald abgeschlossen?

Weber: Wir sind weit gekommen. Wir haben die Risiken reduziert und unsere Kapitalpositionen gestärkt, wir sind daran, unsere früheren Kapitalziele deutlich zu übertreffen. Aber wir haben auch noch Arbeit vor uns: So sind wir dabei, nach dem erfolgreichen Start der UBS Switzerland AG auch die Rechtsstruktur in den USA anzupassen, wir bauen weiter Kapital auf, und schliesslich setzen wir die Verbesserung in puncto Kundenlösungen fort.

Über welche Zeitspanne reden wir?

Weber: Wie die neuen Schweizer Too-big-to-fail-Vorgaben aussehen, wird sich erst im Laufe von 2016 zeigen, der weitere Umbau etwa bei UBS in Amerika wird bis Mitte 2016 erfolgen. Ich gehe davon aus, dass wir noch weitere zwei, drei Jahre Strukturarbeit vor uns haben.

Sind Sie zufrieden, wie der Prozess bislang ablief?

Weber: Wir haben viel erreicht. Die Bank steht heute wesentlich stabiler und sicherer da, die Bank ist heute fokussierter, und sie ist deutlich stärker auf Kunden konzentriert. Dafür spricht auch der Zuspruch der Schweizer Kunden im vergangenen Jahr. So durften wir in der Schweiz 2014 beispielsweise rekordhohe Kontoeröffnungen, mehr Neukunden als vor der Finanzkrise und in der Vermögensverwaltung den stärksten Zufluss an Nettoneugeld seit der Fusion von SBG und Bankverein vor 17 Jahren verzeichnen.

Sie haben sich in der Vergangenheit immer wieder kritisch gegenüber den Regulierungsvorschriften in der Schweiz gezeigt und vor möglichen Folgen für die Schweizer Grossbanken gewarnt. Heute steht die UBS besser da als manche andere Grossbank. Haben Sie zu schwarz gemalt?

Weber: Da sind Sie falsch informiert. Ich war über viele Jahre als Regulator tätig und habe die neuen Standards für Kapital und Liquidität mitgeprägt. Ein Grossteil der Regulierungen wurde als Konsequenz aus der Krise eingeführt, und das war absolut wichtig und richtig. Ich habe mich deshalb von Beginn an sehr dafür eingesetzt, dass die UBS hier aktiv vorangeht. Heute stellt eine bessere Kapitalisierung einen Wettbewerbsvorteil im Finanzmarkt dar.

Aber Sie sind dagegen, dass die Schweiz bei ihren Vorschriften weiter geht als der internationale Standard.

Weber: Ich bin dafür, dass die Schweiz zu den Ländern mit den besten internationalen Standards zählt. Die Schweiz ging bei der Bankenregulierung früh voran. Der Rest der Welt hat mittlerweile aufgeschlossen. Ob die Schweiz nun immer noch einen Schritt weiter gehen soll und einen sogenannten Swiss Finish anstreben muss, das bezweifeln wir. Die Schweiz muss sich in einem internationalen Wettbewerbsumfeld bewähren und Topadresse unter den globalen Finanzplätzen bleiben. Dazu darf den Schweizer Grossbanken gegenüber internationalen Instituten, aber auch anderen Inlandbanken kein deutlicher Nachteil erwachsen, etwa indem sie systematisch viel höhere Regulierungsanforderungen zu erfüllen haben als die Wettbewerber.

Interview Dominik Buholzer

Professor und Bankenretter

Zur Person bu. Axel Weber (58) ist deutscher Ökonom, Professor, ehemaliger Regulator und Notenbanker. Von 2004 bis 2011 war er Präsident der Deutschen Bundesbank und spielte dort eine entscheidende Rolle bei der Bankenrettung während der Eurokrise. Seit Mai 2012 ist er Verwaltungsratspräsident der UBS Group AG.

«Gerüchte kommen immer wieder auf»

Stichwort bu. UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber über ...

... die Zentralschweiz: Die Zentralschweizer Wirtschaft ist in den vergangenen 15 Jahren um 50 Prozent gewachsen, die gesamte Schweizer Wirtschaft dagegen «nur» um einen Drittel. Die Zentralschweiz ist also eine bedeutende Region – auch für die UBS. Die Wachstumsaussichten bleiben auch für die Zukunft gut. Gemäss unserem UBS-Wettbewerbsindikator zeichnet sich ein Wachstumsdreieck zwischen Basel, Zürich und der Zentralschweiz ab. Mit einer gewissen Besorgnis beobachten wir einzig den Immobilienmarkt. Die Preise für Eigenheime sind in den letzten fünf Jahren so stark gestiegen wie in keiner anderen Schweizer Region. Hier muss man ein wachsames Auge darauf halten.

... seinen Wohnsitz in Zürich: Ich ziehe es vor, dort zu wohnen, wo ich arbeite. Deshalb war es für mich keine Frage, dass ich nach Zürich ziehen werde. Ich gehe jeden Tag zu Fuss zur UBS. In zwei Minuten bin ich dort. Ich schätze dies, so habe ich mehr Zeit, die ich mit meiner Familie verbringen kann.

... die Gerüchte über einen Wechsel zur Deutschen Bank: Solche Gerüchte kommen immer wieder auf, sie haben für mich aber keine Bedeutung. Ich habe mich bewusst für die UBS entschieden. Meine Arbeit hier ist noch lange nicht abgeschlossen. Wir haben uns strategisch und strukturell neu aufgestellt und das Geschäftsmodell der Bank fundamental umgebaut. Die Resultate zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir müssen aber auch noch beweisen, dass unsere Massnahmen zu langfristigem Erfolg verhelfen.

Hinweis

Wie es bei der UBS-Konkurrentin Credit Suisse mit dem neuen CEO Tidjane Thiam läuft lesen sie auf Seite 9.

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