FINANZINDUSTRIE: Deutsche Bank halbiert die Boni

Der CEO der Deutschen Bank und seine Konzernleitung verzichten auf ihren variablen Lohnanteil. Nun richten sich die Blicke auf die Chefetage der Credit Suisse.

Daniel Zulauf
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Manager der Deutschen Bank dürften gestern keine Freudensprünge gemacht haben. (Bild: Simon Dawson/Getty (London, 12. Dezember 2012))

Manager der Deutschen Bank dürften gestern keine Freudensprünge gemacht haben. (Bild: Simon Dawson/Getty (London, 12. Dezember 2012))

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Die Deutsche Bank zieht die Konsequenzen aus dem schlechten Geschäftsgang und den saftigen Strafzahlungen in Amerika. Das am höchsten bezahlte Viertel der rund 100 000 Angestellten erhält für das zurückliegende Jahr keine individuellen Boni mehr. Die betroffenen Kader ab Stufe Vice President (Vizedirektor) erhalten lediglich das Grundsalär sowie eine variable Entschädigung, die sich nach dem Erfolg der Gesamtbank ausrichtet.

Analysten gehen davon aus, dass die Massnahme zu einer Halbierung der 2015 ausbezahlten beziehungsweise zugesprochenen Boni führen wird. 2015 hatte die Deutsche Bank 13,3 Milliarden Euro an Gehältern gezahlt. Davon waren 2,4 Milliarden Euro variable Lohnbestandteile (Boni).

Auch CS legt Streit bei

Der Vorstand unter Führung des früheren UBS-Finanzchefs John Cryan begründet die Massnahme explizit mit dem erwartet schwachen Jahresergebnis und der jüngsten Milliardenbusse im amerikanischen Hypothekenstreit. «Nun, da wir unser Jahresergebnis und die Belastungen aus dem Vergleich mit dem US-Justizministerium besser absehen können, halten wir harte Massnahmen für unumgänglich», schreiben der Brite und sein Vorstand in einem gestern veröffentlichten Brief an die Mitarbeiter.

Die Konzernleitung geht mit gutem Beispiel voran und verzichtet ganz auf die Boni. Dasselbe hatte die oberste Führungsriege der Deutschen Bank schon im vergangenen Jahr getan. Cryan, der seinen Job als CEO in Frankfurt im Juli 2015 angetreten hatte, wurde für die sechsmonatige Arbeitszeit mit einem Grundgehalt von 1,9 Millionen Euro entschädigt. Auf zwölf Monate hochgerechnet verdiente Cryan 2015 somit 3,8 Millionen Euro. Die Deutsche Bank wird nach Analystenschätzungen 2015 einen Verlust von rund 900 Millionen Euro ausweisen müssen. Sie hatte sich im US-Hypothekenstreit auf einen gestern definitiv bestätigten Vergleich im Wert von über 7 Milliarden Dollar geeinigt.

Wenn sich die Credit Suisse die Deutsche Bank zum Vorbild nähme, dürfte sie ihren obersten Chefs auch keine Boni zuge­stehen. Die Schweizer Grossbank hat sich im Hypothekenstreit gemäss Mitteilung von gestern ebenfalls definitiv auf einen Vergleich im Wert von über 5 Milliarden Dollar geeinigt und musste dafür zu Lasten des Schlussquartals 2016 eine zusätzliche Rückstellung von 2 Milliarden Dollar vornehmen. Als Folge davon dürfte die CS das Jahr mit einem Milliardenverlust abschliessen. Konzernchef Tidjane Thiam hatte seinen Job ebenfalls Mitte 2015 angetreten und für die ersten sechs Monate ein Gesamtsalär von 4,6 Millionen Franken kassiert. Davon entfielen 1,71 Millionen Franken auf das Grundgehalt. Um beim Vergleich mit ­Cryan und der Deutschen Bank zu bleiben: Thiam müsste bei gleicher Massgabe 2016 mit einem Gesamtsalär von 3,4 Millionen Franken vorliebnehmen.

Es wird sich zeigen, wie weit die CS-Spitze bereit ist, für frühere Verfehlungen – die sie teilweise gar nicht selber verschuldete – ein Opfer zu erbringen. Die Mitarbeiter wissen bereits seit Dezember, dass sie mit teilweise tiefen Einschnitten bei den Boni rechnen müssen. Die entsprechenden Handlungsanleitungen der Konzernleitung an die Personalabteilung waren kurz vor Weihnachten durch eine Indiskretion publik geworden. Analog zur Deutschen Bank zeigen sie an, dass die Konzernleitung für die obersten drei Hierarchiestufen Bonuskürzungen bis zu 45 Prozent verordnet hat, selbst wenn die Betroffenen ihre Leistungsziele erfüllt haben. Bei der Credit Suisse ist das Sparpotenzial von Bonuskürzungen erheblich grösser als bei der Deutschen Bank. Die CS hatte 2015 einen gesamten Personalaufwand von 11,5 Milliarden Franken ausgewiesen. Davon waren 4,3 Milliarden Franken variable Vergütungen, also Boni im weitesten Sinn. Unter den Mitarbeitern herrsche die Erwartung vor, dass auch die oberste Konzernleitung ihren Beitrag leiste und auf 50 Prozent bis 60 Prozent des vorjährigen Bonus verzichtet. Eine solche Geste wäre zweifellos hilfreich, die angeknackste Stimmung in der Belegschaft mindestens nicht weiter zu belasten.