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FINANZINDUSTRIE: John Cryan offenbar vor der Absetzung bei der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe – offenbar muss ihr Chef John Cryan seinen Posten räumen. Auch eine Bank-Managerin muss nach umstrittenen Äusserungen um ihren Verbleib bei der Bank bangen.
Christoph Reichmuth, Berlin
John Cryan, CEO der Deutschen Bank, bei einer Pressekonferenz letzten Februar. (Bild: Thomas Lohnes/Getty (Frankfurt, 2. Februar 2018))

John Cryan, CEO der Deutschen Bank, bei einer Pressekonferenz letzten Februar. (Bild: Thomas Lohnes/Getty (Frankfurt, 2. Februar 2018))

Christoph Reichmuth, Berlin

Die schlechten Ergebnisse bei Deutschlands grösstem Geldhaus sorgen offenbar für atmosphärische Störungen zwischen Bankchef John Cryan und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner – mit dem Ergebnis, dass sich Achleitner nach einem neuen Chef für die Deutsche Bank umsehen soll.

Das berichtete jedenfalls die britische «Times». Es kursieren sogar bereits Namen möglicher Nachfolger für den 57-jährigen Briten John Cryan. Die Zeitung bringt Goldman-Sachs-Vize-Chairman Richard Gnodde ins Gespräch. Daneben nennt die Zeitung andere Namen hoher Banker. Die Deutsche Bank hat sich zu den Spekulationen bisher nicht geäussert. «Es ist klar, dass das Verhältnis zwischen dem Vorstandschef und dem Aufsichtsratschef zerbrochen ist», zitiert die «Times» einen Insider der Deutschen Bank.

Milliardenboni trotz Verlusten

Cryan war 2015 angetreten, um die Bank aus der Krise zu führen. Doch der Sanierungskurs zeigte bisher kaum Erfolge. Anfang Februar musste Cryan einen Verlust präsentieren. Dieser liegt bei 735 Millionen Euro. Damit schrieb die Deutsche Bank zum dritten Mal hintereinander rote Zahlen.

Cryan zeigte sich bei der Pressekonferenz Anfang Februar dennoch überzeugt, dass seine Strategie die richtige ist. «Wir sind auf dem richtigen Weg», sagte er und kündigte an, Deutschlands grösstes Geldhaus in diesem Jahr in die schwarzen Zahlen zu führen. Allerdings bereitete die Bank ihre Anleger erst in der vergangenen Woche auf ein schwaches erstes Quartal 2018 vor. Offenbar läuft das operative Geschäft im Anleihenhandel und im Investmentbanking laut Berichten verschiedener Fachmedien nach wie vor nicht zufriedenstellend.

Auch das Image des Geldhauses hat zuletzt gelitten. Trotz Verlusten vermeldete die Bank eine satte Erhöhung der Boni für ihre Mitarbeiter im letzten Jahr auf über 2 Milliarden Euro. Der Grossteil der Extraleistungen strichen Mitarbeiter der Investmentbanking-Sparte ein. Begründet wurde der Schritt damit, dass gute Investmentbanker ohne Erhöhung der Boni von der Deutschen Bank angesichts der Konkurrenz kaum zu halten seien. Auf ihre Boni verzichtete hingegen der gesamte Bankvorstand. John Cryan gehört mit 3,4 Millionen Euro Grundgehalt nicht zu den ganz grossen Fischen in der Branche, ein Verzicht auf einen Bonus ist bei diesem Jahreslohn indes verkraftbar.

Deutsche Bank sei eine «Bruchbude»

Vor wenigen Tagen brachte ausserdem Kim Hammonds die Bank in die Schlagzeilen. Die Topmanagerin der Deutschen Bank soll auf einer Tagung der 150 Top-Führungskräfte der Deutschen Bank das Geldhaus als «most disfunctional company», in der sie je gearbeitet habe, bezeichnet haben. Die Bank sei also unfähig, kaputt oder unbrauchbar – je nach Übersetzung.

Medien zimmerten darauf die Schlagzeile, die Managerin habe ihre eigene Bank als «Bruchbude» bezeichnet. Wirtschaftsexperten gehen nun davon aus, dass Aufsichtsratschef Paul Achleitner nicht anders wird handeln können, als die US-Amerikanerin ebenfalls rauszuschmeissen. «Wer in einer solchen Position so schlecht über den eigenen Arbeitgeber spricht, dürfte kaum haltbar sein», äusserte sich ein Grossinvestor der Deutschen Bank laut einem Bericht des «Manager-Magazins».

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