FINANZINDUSTRIE: Versicherungen leben länger

Untergangsszenarien aus dem Beratermilieu bringen die Versicherungsbranche nicht aus der Ruhe. Doch auch sie steht unter Druck.

Daniel Zulauf
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Versicherer wie die Zurich werden laufend effizienter. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 11. März 2014))

Versicherer wie die Zurich werden laufend effizienter. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 11. März 2014))

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Vor einem halben Jahr sorgte das Beratungsunternehmen EY mit einer Prognose für Aufsehen: Fast jede zweite Versicherung könnte bis 2030 aus dem Markt gedrängt werden, schrieben die Autoren. Die ehrgeizigen Wachstumsziele der einzelnen Unternehmen und der stagnierende Gesamtmarkt müssten zwangsläufig zu einem «intensiven Verdrängungswettbewerb» führen. Und mehr noch: «Sollten sich die disruptiven Trends (gemeint ist die Digitalisierung, Anm. d. Red.) fortsetzen und beschleunigen, werden bis zu 70 Prozent der heutigen Versicherer vom Markt verdrängt.»

Versicherungsverbandspräsident Urs Berger, der gleichzeitig als Präsident der Mobiliar amtet, hält nichts von solchen «Extremprognosen». Dafür sei er schon viel zu lange im Geschäft. Dass die Branche unter zunehmendem Druck steht, ist allerdings ein offenes Geheimnis. Das Negativzinsregime lastet wie Blei auf dem Lebengeschäft. Die Kunden hätten zwar gerne Policen mit langfristigen Zinsgarantien, aber die Assekuranz kann sich das Risiko solcher Angebote kaum mehr leisten. Als Folge sind die Prämien im Lebengeschäft 2016 deutlich zurückgegangen.

Dafür steigen die Einnahmen aus Schadenversicherungen kontinuierlich weiter. Zwar gibt es Sparten wie das Motorfahrzeuggeschäft, in denen ein heftiger Wettbewerb die Preise nach unten zieht. Doch alles in allem scheint sich der von EY prophezeite Verdrängungskampf weiterhin in relativ engen Grenzen zu halten. 20 Jahre nach der Abschaffung des Versicherungskartells gibt es in der Branche offensichtlich immer noch einen stillschweigenden Konsens darüber, dass ein scharfer Preiskampf niemandem nützt, am wenigsten den Allbranchenversicherern, die vielleicht noch einen Anreiz hätten, sich für die Einbussen im Lebengeschäft in anderen Sparten schadlos zu halten.

Zum Bankensektor aufgerückt

Bestärkt in dieser Erkenntnis werden in erster Linie jene Schweizer Versicherer, die sich auf hart umkämpften ausländischen Märkten abmühen. Das Schweizer Schadengeschäft ist in den letzten Jahren für alle international tätigen Assekuranzunternehmen zu einer veritablen Fluchtburg geworden. Grosskonzerne wie AXA und Zurich erwirtschaften bis zu einem Fünftel ihres Gewinns in der Schweiz – mit einem unterproportionalen Prämienanteil notabene.

Dabei ist das Maximum noch nicht erreicht. Still und kontinuierlich schleifen die Versicherer ihre Effizienz. Im Zehnjahresvergleich sind die Mitarbeiterzahlen nicht mehr gestiegen, und seit 2010 sind sie sogar kräftig rückläufig, während das Prämien­volumen langsam, aber kontinuierlich wächst (siehe Grafik). Mit 47 Prozent Wertschöpfungsanteil am Finanzsektor ist die Assekuranz in Griffnähe zum Bankensektor aufgerückt. Dort läuft die Produktivitätsentwicklung seit geraumer Zeit exakt in die umgekehrte Richtung, was für die Mitarbeiter wenig Gutes verheisst. Die beiden Branchen kommen sich auch wirtschaftlich zunehmend in die Quere, indem die Versicherungen vermehrt im Garten der Banken grasen. Die Chance auf eine gemeinsame Flucht aus dem goldenen Käfig ins benachbarte Ausland wird zunehmend unwahrscheinlich.

Ein Finanzdienstleistungsabkommen, wie es sich die Banken wünschen, kommt für die Assekuranz nicht in Frage, solange die Solvenzanforderungen im Inland strenger sind als in der EU.

Bild: Grafik mop

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