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FINANZKRISE: Faule Äpfel in Europas Bankbilanzen

Die EU-Kommission will Zombie-Banken per Gesetz aus dem Feld jagen. Doch manchen Regierungen hoch verschuldeter Länder kommen lasche Regeln für den Finanzsektor nicht ungelegen.
Daniel Zulauf
Viele griechische Banken sitzen auf faulen Krediten. (Bild: Yorgos Karahalis/Keystone (Athen, 31. Oktober 2015))

Viele griechische Banken sitzen auf faulen Krediten. (Bild: Yorgos Karahalis/Keystone (Athen, 31. Oktober 2015))

Daniel Zulauf

«Das Endergebnis wäre ein starker und stabiler Bankensektor, der künftigen Schocks widerstehen kann, woher auch immer sie kommen mögen.» Von dieser Wunschvorstellung, wie sie EU-Finanzkommissar Valdis Dombrovskis dieser Tage auf einer Pressekonferenz in Brüssel formulierte, ist die europäische Kreditwirtschaft noch meilenweit entfernt. Das weiss selbstredend auch der aus Lettland stammende Kommissionsvize, der einen Gesetzesentwurf präsentierte, der den Zombie-Banken in den europäischen Krisenländern endlich den Garaus machen soll.

Zu viele Kredithäuser in den 19 Euroländern schieben allen Anstrengungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Trotz immer noch haufenweise faule Kredite vor sich her. Im Mittel belief sich der Anteil notleidender Ausleihungen gemessen am Total ­aller Kredite per Ende September auf 5,15 Prozent, wie der Quartalsstatistik der EZB zu entnehmen ist. In den Euroländern, die von der Finanz- und Schuldenkrise am härtesten getroffen wurden, liegt die Quote der faulen Kredite weit über der Schmerzgrenze: In Italien sind es fast 12 und in Irland mehr als 12 Prozent, in Slowenien 13 Prozent, in Portugal 18 Prozent und in Griechenland sogar knapp 47 Prozent.

Als Folge davon sind viele Banken de facto gar nicht mehr handlungsfähig. Die Zombie-Banken verdienen mit ihrem ­Kapital nicht genügend Geld, um neue Risiken mit Kreditgeschäften eingehen zu können. Diese Untoten bremsen nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung in ihren Ländern, sie verhindern auch, dass der letzte Schritt in der von den Euroländern angestrebten Bankenunion vollzogen werden kann. Es geht um das gemeinsame europäische Einlagensicherungssystem. Ein solches Sicherheitsnetz ist eine zentrale Bedingung dafür, dass im Euroraum ein vertrauenswürdiges und stabiles Bankensystem entstehen kann. Doch die Einlagensicherung erfordert eine Haftungsgemeinschaft unter den Banken, für die sich die vergleichsweise soliden Institute zum Beispiel in Deutschland bislang nicht erwärmen konnten. Dombrovskis hofft, mit seinem Gesetzesvorschlag dieses Misstrauen aus der Welt zu schaffen. Statt faule Kredite ewig vor sich her zu schieben, sollen die Banken ihre unerfüllten Forderungen künftig zügiger abschreiben müssen und damit ihre Bilanzen von den bleiernen Altlasten reinigen. Dombrovskis hat es eilig, denn im Juni wollen die EU-Regierungschefs endgültige Entscheidungen über eine Reform der Währungsunion treffen.

Rückstellungen für Staatsanleihen

Doch selbst wenn die Kommission mit ihrem Gesetzesvorschlag durchdringen sollte, würden wichtige Fragen rund um die Qualität der europäischen Bankbilanzen unbeantwortet bleiben. Dafür sorgen nicht zuletzt jene EU-Länder, in denen die staatliche Schuldenwirtschaft und der schwache Bankensektor eine Schicksalsgemeinschaft bilden. Staatsanleihen werden in den Bankbilanzen stehengelassen, als wären sie praktisch risikolos.

Die Geschichte zeigt aber: Wurde ein Land einmal zahlungsunfähig, mussten seine ­privaten Gläubiger Forderungs­verzichte von durchschnittlich 40 Prozent leisten. Für Alexandre Birry, Kreditanalyst bei der Ratingagentur Standard & Poor’s in London, ist deshalb klar, dass die Banken auch für ihre Bestände an Staatsanleihen Rückstellungen bilden müssten. Eine solche Regelung im Sinne eines internationalen Standards hätte im Dezember auch der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht präsentieren wollen. Doch die besagten Länder in Europa wussten dies mit Unterstützung aus Japan und anderen Staaten zu verhindern – mit gutem Grund. Die Banken zählen in diesen Ländern mithin zu den besten «Kunden» der heimischen Schatzämter, wenn es darum geht, frisches Geld aufzunehmen. Das zeigt sich zum Beispiel in Italien. Die dortigen Banken führen einen Bestand von Anleihen der eigenen Regierung in der Bilanz, der das Eigenkapital der Banken im Durchschnitt um das Zweieinhalbfache übersteigt. Müssten die Banken diese Forderungen im Zug einer Schuldenkrise um 40 Prozent abschreiben, wäre das Eigenkapital weg. Das Problem besteht gemäss S&P in der Hälfte aller Euroländer.

Und die Vorstellung braucht wenig Fantasie, dass es sich rasch verschärfen wird, wenn ein allgemeiner Anstieg der Zinsen die Finanzlage der hoch verschuldeten Euroländer wieder stärker zu strapazieren beginnt. Dombrovskis’ faule Kredite könnten sich da noch als das kleinere von zwei grossen Übeln erweisen.

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