FINANZPLATZ: Traditionsverband blutet aus

Die Vereinigung der Privatbankiers schlägt Alarm. Ihr gehen die Mitglieder aus. Bei der Luzerner Bank Reichmuth sieht man das Thema gelassen.

Hans-Peter Hoeren
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Das Segesser Haus in Luzern, wo sich der Hauptsitz der Bank Reichmuth befindet. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Das Segesser Haus in Luzern, wo sich der Hauptsitz der Bank Reichmuth befindet. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Dass Bankiers mit ihrem Privatvermögen für Verluste haften, wird immer mehr zur Seltenheit. Deshalb gehen der Vereinigung der Schweizerischen Privatbankiers (VSPB) allmählich die Mitglieder aus. Am Dienstag hatten die grossen Genfer Privatbanken Lombard Odier und Pictet & Cie angekündigt, ihre Unternehmen in eine Kommanditaktiengesellschaft umzuwandeln. Die beiden Genfer Institute sind die mit Abstand gewichtigsten Mitglieder der Vereinigung. Durch den Austritt der beiden Privatbanken würde die Vereinigung ab 2014 nur noch neun Mitglieder umfassen, darunter die Luzerner Bank Reichmuth.

Pictet galt als Vorbild

«Wir bedauern den Entscheid von Pictet und Lombard Odier, können ihn aber verstehen», kommentiert Christof Reichmuth, CEO der gleichnamigen Luzerner Privatbank. Gerade das Modell von Pictet mit acht unbeschränkt haftenden Gesellschaftern habe er immer als vorbildlich erachtet. «Die beiden Banken sind in den vergangenen Jahren sehr stark gewachsen. Ich denke, ihr Entscheid hängt vor allem mit der Grösse und dem Wachstum zusammen», sagt Reichmuth.

Bei der Vereinigung der Schweizerischen Privatbankiers macht man sich seit der Ankündigung der beiden Genfer Privatbanken ernsthafte Gedanken um die Zukunft des Verbands. «Wir werden unsere Verbandsstrukturen überdenken», sagte gestern VSPB-Generaldirektor Michel Dérobert. Die weiteren Mitglieder hätten derzeit nicht die Absicht, dem Beispiel von Pictet und Lombard Odier zu folgen, sagte Dérobert. «Sie haben nicht die gleiche Grösse, die gleiche Komplexität in ihren Geschäften, nicht die gleiche Ausbreitung.»

Pictet und Lombard Odier hätten zudem «klar gesagt, dass sie weiter mit uns arbeiten wollen». «Wir müssen schauen, wie wir das machen», sagte Dérobert. Die Mitgliedschaft in dem 1934 gegründeten Verband sei statutengemäss klar auf Privatbanken gemäss Definition im Bankengesetz beschränkt. Dieser juristische Begriff dürfe nicht angepasst werden.

Reichmuth hält an Status fest

Um sich Privatbankier nennen zu dürfen, muss mindestens einer der Teilhaber einer Bank unbeschränkt mit seinem Privatvermögen haften und zusätzlich über die Schweizer Staatsbürgerschaft verfügen. «Ein Privatbankier haftet für die Kundengelder in seiner Bilanz», erklärt Christof Reichmuth. Für die Bank Reichmuth sei der Privatbankierstatus mit unbeschränkt haftenden Gesellschaftern nach wie vor die richtige Rechtsform. Der wachsende Druck aus dem Ausland auf Schweizer Banken bereitet Reichmuth keine Sorgen. «Als jüngste Privatbankiers der Schweiz sind wir kaum mit diesem Thema konfrontiert», versichert er. Das Institut hat seit 1998 eine Privatbankierlizenz. Neben dem Stammhaus in Luzern hat die Bank eine Niederlassung in Zürich und betreibt eine Vermögensverwaltungsgesellschaft in München.

Gerade Unternehmer schätzten die Verantwortung der Privatbankiers, im Verlustfall unbeschränkt zu haften, sagt Christof Reichmuth: «Dies signalisiert eine konservative Geschäftspolitik.» Die Bank Reichmuth ist eine Vermögensverwaltungsbank. Neben CEO Christof Reichmuth zählen sein Vater Karl als Verwaltungsratspräsident und Privatkundenchef Jürg Staub zu den unbeschränkt haftenden Gesellschaftern. Die Bank Reichmuth beschäftigt rund 85 Mitarbeiter und verwaltet Vermögen in Höhe von über 8 Milliarden Franken.

Pictet ist im Visier der US-Behörden

Die Banken Lombard Odier und Pictet hatten ihren Entscheid mit dem sich rasch ändernden regulatorischen Umfeld und dem starken Wachstum und der Internationalisierung des Geschäfts in den letzten Jahrzehnten begründet. Eine wichtige Antriebsfeder dürften auch die Untersuchungen und der Druck, beispielsweise von US-Behörden, auf Schweizer Banken sein. Auch die Bank Pictet ist Gegenstand von Untersuchungen der US-Behörden.

Die Bank Pictet verwaltet mit ihren 3300 Mitarbeitern rund 374 Milliarden Franken an Vermögen. Die Bank Lombard Odier hat rund 188 Milliarden Franken an verwalteten Vermögen in ihren Büchern und beschäftigt weltweit 2000 Angestellte. Beide Banken sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen, besonders im Ausland.