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FINANZPROBLEME: Chinesischer Grossinvestor unter Druck

Der chinesische Mischkonzern HNA, Grossinvestor auch in der Schweiz, hat offenbar Geldprobleme. Eine US-Ratingagentur schlägt bereits Alarm. Der CEO wiegelt jedoch ab.
Der HNA-CEO Adam Tan bestreitet die Finanzprobleme. (Bild: Niu Bo/Keystone (Peking, 28. November 2017))

Der HNA-CEO Adam Tan bestreitet die Finanzprobleme. (Bild: Niu Bo/Keystone (Peking, 28. November 2017))

Eigentlich wollten die Manager des chinesischen Mischkonzerns HNA Zuversicht verbreiten. Am Donnerstag verkündete die Konzernspitze in einer kurzen Pressemitteilung, für Befürchtungen, die HNA-Gruppe habe einen Liquiditätsengpass, gebe es keinen Anlass. Acht chinesische Banken, darunter die Bank of China und die China Development Bank, hätten versichert, dass sie dem Mischkonzern auch weiter Kre­dite gewähren würden. Gestern dann die Ankündigung, dass die HNA-Gruppe einen Teil ihrer eigenen Anleihen zurückgekauft hat. Auch damit will das Unternehmen beweisen, dass es ausreichend Geld auf der Hand hat. Doch das Misstrauen unter den Anlegern wird immer grösser.

Seit Wochen macht der chinesische Konzern in der internationalen Finanzwelt Schlagzeilen mit angeblich massiven Finanzproblemen. Die «Börsen-Zeitung» berichtet, grosse angelsächsische Banken hätten sich aus der Finanzierung zurückgezogen. Die «Financial Times» berichtet von «extrem hohen Zinsen», die die HNA-Gruppe für zwei Anleihen den Investoren versprechen musste, um an frisches Geld heranzukommen. Mit einer Laufzeit von knapp einem Jahr lagen die Zinsen von beiden zwischen 8 und 9 Prozent – ein Wert, den Anleger als «furchterregend hoch» bezeichnen. Die US-Ratingagentur Standard & Poor’s hat bereits die Bonität gesenkt.

Durch Übernahmen bekannt geworden

Der chinesische Mischkonzern, der vor wenigen Jahren ausserhalb Chinas nur wenigen ein Begriff war, hat sich mit zum Teil spektakulären Übernahmen in den vergangenen Jahren in aller Welt einen Namen gemacht. Die HNA-Gruppe ist bei der Hotelkette Hilton eingestiegen, hat den maroden Flughafen Hahn im Hunsrück gekauft und ist mit einem fast zehnprozentigen Anteil als Hauptaktionär bei der angeschlagenen Deutschen Bank eingestiegen. Auch bei der angeschlagenen HSH Nordbank hat sie mitgeboten. In der Schweiz gehören der HNA-Gruppe der weltgrösste Dienstleister für Flughäfen, Swissport, sowie der Schweizer Flug-Caterer Gategroup. Auch beim Basler Reisedetailhändler Dufry ist das chinesische Unternehmen mit einem Aktienanteil von 20,9 Prozent beteiligt.

Insgesamt hat das chinesische Unternehmen seit 2014 weltweit Anteile und ganze Unternehmen im Wert von insgesamt rund 45 Milliarden US-Dollar akquiriert – und sich offenbar übernommen.

Doch das gibt das chinesische Unternehmen nicht einmal zu. Firmenchef Adam Tan hat gegenüber chinesischen Medien mehrfach Finanzierungsprobleme bestritten. Von den rund 120 Milliarden US-Dollar, die seinem Konglomerat als Kredit bewilligt wurden, seien noch immer 45 Milliarden übrig. «Wir sind natürlich zahlungsfähig», beteuerte der Chef. Zugleich hat die Konzernleitung mehrfach unvollständige, zum Teil auch komplett falsche Aussagen zur Finanzierung und zur Eigentümerstruktur gemacht. Die Schweizer Übernahmekommission hat als Erste ihre Zweifel geäussert und den chinesischen Konzern für seine Intransparenz gerügt.

Inzwischen ermittelt auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin gegen die HNA-Gruppe. Und in den USA hat die CFIUS, die Behörde, die die Auswirkungen ausländischer Investitionen auf die amerikanische Sicherheit überprüft, ebenfalls Ermittlungen aufgenommen. «Das Vertrauen in die HNA ist dahin», sagt ein Hongkonger Investor, der nicht mit Namen genannt werden möchte.

Weitere chinesische Konzerne in der Kritik

Obwohl offiziell als Privatunternehmen gelistet, hat die HNA-Konzernspitze inzwischen offiziell eingeräumt, dass Chinas ­regierende Kommunisten die globale Einkaufstour mit einer beträchtlichen Summe mitfinanziert haben. Dieses Konstrukt ging auch eine Weile gut – zumal die chinesische Führung explizit chinesische Unternehmen dazu aufgefordert hatte, im Ausland zu investieren.

Doch inzwischen sind Peking die vielen Rekordübernahmen auch nicht mehr geheuer. Nicht nur die HNA-Gruppe, sondern auch andere chinesische Konzerne wie etwa Fosun International oder Wanda stehen im eigenen Land wegen ihrer Rekordinvestitionen im Ausland in der Kritik.

Felix Lee, Peking

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