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FINANZSEKTOR: «Wir erleben eine positive Überraschung»

Bankier­präsident Patrick Odier erklärt, weshalb die Schweizer Banken noch nicht aus dem Schneider sind und welche Gefahren dem Finanzplatz drohen.
Patrick Odier, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, an einer Medienkonferenz in Zürich vom letzten Donnerstag. (Bild: Keystone / Walter Bieri)

Patrick Odier, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, an einer Medienkonferenz in Zürich vom letzten Donnerstag. (Bild: Keystone / Walter Bieri)

Interview Daniel Zulauf

Herr Odier, die Bankiervereinigung hat kürzlich ein ziemlich positives Bild über den Zustand der Schweizer Banken gezeichnet. Praktisch gleichzeitig stellte UBS-Chef Sergio Ermotti eine diametral entgegengesetzte Diagnose. Er sagte zum Beispiel, dass zwei Drittel der Banken ihre Kapitalkosten nicht mehr verdienen. Wer hat denn nun Recht?

Patrick Odier: Wenn wir den Ist-Zustand unserer Branche betrachten, erleben wir tatsächlich eine positive Überraschung. Die Banken haben den grossen Wellen der Veränderung ziemlich gut widerstanden. Trotzdem schwebt weiter die Gefahr über dem Finanzplatz, dass die Banken ihre Effizienz und ihre Geschäftsmodelle nicht schnell genug den veränderten Gegebenheiten anpassen können. Die Konsolidierungswelle wird sich fortsetzen, das ist sicher. Wichtig ist, dass die Konsolidierung in einem geordneten Rahmen ablaufen kann. Also ja, es gibt dieses Risiko, dass die Schweiz mit ihrem Anspruch einer überdurchschnittlich strengen Regulierung den Bankensektor zu stark belastet, und es gibt das Risiko, dass die Schweizer Politik die Interessen des Finanzplatzes vernachlässigt.

Die Inlandbanken klagen, dass die aktuellen Kapitalvorschriften eine extreme Wettbewerbsverzerrung im heimischen Geschäft zu Gunsten der Grossbanken darstellen. Die Frage um die richtige Höhe der Maximalverschuldungsquote spaltet die beiden Gruppen tief. Wie geht die Bankiervereinigung mit diesem Konflikt um?

Odier: Es ist interessant, wie Sie die Frage stellen. Sie sagen, die Inlandbanken haben einen Wettbewerbsnachteil, und deshalb müsse man den Vorteil der Grossbanken vermindern. Ich sehe das anders. Ich finde, unsere Grossbanken müssen im internationalen Vergleich zu den Banken mit den strengsten Kapitalvorschriften gehören, das heisst, unsere Messlatte ist nicht national, sondern international. So sieht das ja auch die Expertengruppe Brunetti in ihrem Bericht an den Bundesrat, und ich bin auch überzeugt, dass wir dahin kommen werden. Aber eine Lösung für die Grossbanken muss nicht auf alle anderen Banken passen.

Mit diesem Konflikt muss der Verband also einfach leben. Sollten Sie sich deshalb nicht bei Thomas Matter bedanken, dass er Ihnen mit seiner Ini­tiative zur Wahrung des Bankgeheimnisses in der Schweiz ein Thema gibt, gegen das die Banken für einmal in absoluter Einigkeit Sturm laufen können?

Odier: Wir sind uns nicht nur «für einmal» einig, wie Sie sagen. Wir sind uns in vielen wichtigen Fragen einig. Zum Beispiel über den automatischen Informationsaustausch. Es gab harte Diskussionen, doch am Ende überwog die Einigkeit. Aber um nochmals auf die Matter-Initiative zurückzukommen: Wir Bankiers sind uns einig, dass wir keine Änderung des Schweizer Steuersystems nach der Salamitaktik haben wollen. Und was die Initiative als solche anbelangt, enthält sie Haftungsverpflichtungen gegenüber den Banken, die wir klar ablehnen. Für die Steuerehrlichkeit soll allein der Bürger und nicht die Bank verantwortlich sein. Und noch etwas: Der Kunde, den wir Banken in unseren Büchern haben wollen, zieht aus der Matter-Initiative keinen Nutzen, eher das Gegenteil ist der Fall.

Die beiden Grossbanken sind seit einem Jahr mit ihren Präsidenten Axel Weber und Urs Rohner im Verwaltungsrat der Bankiervereinigung präsent. Wie beeinflusst das die Arbeit des Verbandes?

Odier: Ein ständiges Ziel unseres Verwaltungsrates muss es sein, die politische und strategische Hoheit in unserer Branche über die wichtigsten Themen des Banken- und Finanzplatzes zu haben. Mit diesem Anspruch vor Augen untersuchen wir zurzeit unsere verbandsinternen Gouvernanz-Strukturen und Arbeitsprozesse. In diesem Zusammenhang spielen die Herren Rohner und Weber eine wichtige Rolle. Mit deren Präsenz ist quasi auch unsere Reflexionskraft und Entscheidungsstärke im Verband gewachsen. Das zwingt uns, gewisse operationelle oder taktische Bereiche unserer Arbeit konsequenter an nachgelagerte Gremien zu delegieren.

Für Sie, Herr Odier, beginnt nun das letzte Jahr der laufenden Präsidentschaftsperiode. Sie haben das Amt 2009 übernommen. Wissen Sie schon, ob es in einem Jahr nochmals für drei Jahre weitergeht?

Odier: Dazu gibt es noch keinen Entscheid, und wir haben viel Arbeit zurzeit. Aber wenn mich meine Kollegen bitten sollten weiterzumachen, stehe ich zur Verfügung.

Es gibt so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz, dass der Präsident der Bankiervereinigung immer ein Privatbankier ist. Könnte sich das bei einer Neubesetzung ändern?

Odier: Wir brauchen ein klares Wahlprozedere, und darin haben ungeschriebene Gesetze und Dogmen keinen Platz. Aber es gibt gute historische Gründe, weshalb sich die Privatbankiers diesen Posten teilten. Der Präsident muss einen möglichst breiten Bereich unseres Geschäfts repräsentieren. Er sollte den privatwirtschaftlichen Sektor vertreten können, und es ist gut, wenn der Präsident möglichst unabhängig ist, also eine möglichst klare Eigentümerschaft repräsentiert, und schliesslich sollte der Präsident auch nicht aus einem Institut kommen, das im Branchenvergleich eine disproportionierte Grösse hat. Wenn der Präsident zudem noch ein Haus mit einer gewissen Internationalität vertreten sollte, dann kommen Sie automatisch immer etwa zu den gleichen Banken und Personen, die diese Bedingungen erfüllen. Es ist zu früh zu sagen, ob alles so bleibt wie in der Vergangenheit, aber die genannten Kriterien werden auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

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