Kommentar

Firmen stehen bei Entlassungen in der Verantwortung

Im Zuge der Coronakrise müssen sich Arbeitgeber ihrer sozialen Verantwortung bewusst sein und keine Salamitaktik anwenden.

Maurizio Minetti
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Maurizio Minetti.

Maurizio Minetti.

Wegen der Coronakrise droht bald eine grosse Entlassungswelle. In der Zentralschweiz sind insbesondere die Kantone Luzern und Zug gefährdet, wo viele Konzerne angesiedelt sind. Streicht eine Grossfirma mit 300 Angestellten mindestens 30 Jobs, spricht man in der Regel von einer Massenentlassung. Diese bedeutet aber auch, dass die Arbeitnehmer im Vergleich zur einzeln ausgesprochenen Kündigung auf bessere Entschädigungen hoffen können. Bei einer Massenentlassung kommt nämlich ein Sozialplan zur Anwendung und die Betroffenen können Vorschläge unterbreiten, wie der Stellenabbau vermieden oder zumindest die Zahl beschränkt werden kann. Es kommt durchaus vor, dass ein solches Konsultationsverfahren positive Effekte auf den ursprünglich vorgesehenen Abbauplan hat.

Jeder einzelne Jobverlust ist ein Schicksalsschlag. Viel schlimmer als eine Massenentlassung ist aber die Praxis, die von manchen Arbeitgebern angewendet wird: Sie sprechen über einen längeren Zeitraum bewusst nur scheibchenweise Kündigungen aus, damit die Gesamtzahl stets unter der Schwelle einer Massenentlassung bleibt. So sparen sich die Firmen die mit einer Massenentlassung verbundenen Sozialleistungen – und verspielen sich das Vertrauen der Arbeitnehmer.

Im Zuge der Coronakrise ist zu hoffen, dass Firmen alles unternehmen, um Entlassungen zu vermeiden. Führt trotzdem kein Weg daran vorbei, müssen sich Arbeitgeber ihrer sozialen Verantwortung bewusst sein und keine Salamitaktik anwenden.

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