Firmen zieht es in den Kanton Zug, doch der Gründungsboom flacht langsam ab

Letztes Jahr wurden schweizweit leicht weniger Firmen gegründet als im Vorjahr. Der Gipfel scheint einstweilen erreicht. In Zug hält das überdurchschnittliche Wachstum bei den Neugründungen noch an.

Maurizio Minetti
Drucken
Teilen
Zug in der Nacht. (Bild: Stefan Kaiser)

Zug in der Nacht. (Bild: Stefan Kaiser)

Im Kanton Zug sind letztes Jahr im schweizweiten Vergleich überdurchschnittlich viele Unternehmen gegründet worden. Das zeigen Zahlen des Schweizer Handelsregisters, die vom Institut für Jungunternehmen (IFJ) ausgewertet worden sind. Das IFJ kommt demnach auf 2578 Neueintragungen von Unternehmungen im Kanton Zug – das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Wachstum um 16 Prozent. Die Online-Firmengründungsplattform Startups.ch und der Kanton Zug selbst kommen in separaten Berechnungen auf leicht divergierende absolute Zahlen, die Wachstumszahl von 16 Prozent ist aber identisch.

Laut IFJ sind nur in den Kantonen Glarus und Appenzell Ausserrhoden die Wachstumsraten höher als in Zug, allerdings bei einer nur dreistelligen Zahl von Neugründungen. Den Vergleich mit Zürich muss Zug nicht scheuen: Im wirtschaftsstärksten Kanton werden zwar anteilmässig die meisten Unternehmen gegründet, doch war die Zahl der Neueinträge in Zürich im vergangenen Jahr mit einem Minus von 1 Prozent rückläufig. Analysiert man die Zahlen nach Regionen, schwingt die Zentralschweiz obenauf mit einem Wachstum von 5 Prozent (siehe Tabelle).

Kryptoboom sorgt für Wachstum in Zug

Die starke Zunahme der Neueintragungen in Zug in den letzten beiden Jahren führen Experten auf den Boom von Blockchainfirmen zurück, die sich im Raum Zug angesiedelt haben. «Wie bereits im Vorjahr lockte der international hervorragende Ruf von Zug als Crypto Valley auch 2018 zahlreiche Jungunternehmer aus der ganzen Welt hierher», schreibt Startups.ch in einer Mitteilung. Und das IFJ titelt: «Gute Stimmung im Crypto Valley Zug hält an.»

Das Schweizer Start-up-Ökosystem habe sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt und die Stimmung in der Schweizer Gründerszene sei hervorragend, schreibt das IFJ. Das zu Ende gehende Jahr habe sich für die Start-up-Branche erneut erfreulich entwickelt, doppelt Startups.ch nach.

Allerdings zeichnet sich nun ein vorläufiges Ende des Booms ab. Schweizweit wurden letztes Jahr laut IFJ 43 174 Firmen gegründet, was einem knappen Minus von 0,64 Prozent beziehungsweise 279 weniger Neueintragungen als im allzeitrekordhohen Jahr 2017 entspricht. «Es kann grundsätzlich nicht davon ausgegangen werden, dass jedes Jahr noch mehr neue Firmen gegründet werden als im jeweiligen Vorjahr», sagt IFJ- Geschäftsführer Simon May. In Zug selbst betrug das Wachstum im Jahr 2017 noch 20 Prozent, letztes Jahr waren es wie erwähnt 16 Prozent. Kommt es in Zug dieses Jahr zu einer weiteren Verlangsamung des Wachstums? Die Entwicklung des Crypto Valley in Zug hänge zu einem grossen Teil von den Schweizer Regulatoren ab, sagt Michele Blasucci, Gründer und CEO von Startups.ch. «Wenn es dem Schweizer Gesetzgeber gelingt, möglichst rasch die rechtlichen Fragen rund um die Themen Initial Coin Offering und die Behandlung von Kryptowährungen zu regulieren, dann könnte der Boom weitergehen; wenn es aber Jahre braucht, dann wird die Kryptogemeinde über kurz oder lang weiterziehen in ein Land mit einem für sie besseren Ökosystem», warnt Blasucci.

Erst im Dezember hat der Bund ein umfangreiches Paket vorgestellt, um die stark wachsende Blockchainbranche zu regulieren. Die Schweiz geht aber einen anderen Weg als beispielsweise Liechtenstein, Luxemburg oder Malta, welche eigene, spezielle Blockchaingesetze erliessen. Hierzulande sollen bestehende Gesetze angepasst werden. Damit, so hofft der Bund, soll schneller Rechtssicherheit herrschen für die aufstrebende Blockchainszene.

Allerdings buhlen auch innerhalb der Schweiz diverse Standorte um Kryptounternehmen. So wurde in Zürich kürzlich der 3000 Quadratmeter grosse Blockchainhub «Trust Square» eröffnet. Es soll mit 300 Arbeitsplätzen das weltweit grösste Blockchainzentrum werden. Auch das Tessin will Blockchain­unternehmen anlocken.

Grossunternehmen locken innovative Köpfe an

Wie den Zahlen des Handelsregisters weiter zu entnehmen ist, zeigen sich auch in der Westschweiz die Vorboten einer Abflachung. Im Unterschied zu den Vorjahren strömten 2018 kaum mehr französische Unternehmer in die Romandie. Generell sei festzustellen, dass es immer weniger ausländische Unternehmer in die Schweiz zieht, so Blasucci.

Ein weiterer Grund für die abflachende Zahl von Start-ups sei, dass grosse Unternehmen in den letzten Jahren viel investiert hätten, um innovative Köpfe für sich zu gewinnen oder zusammenzubringen. «Auf der anderen Seite wollen die jungen Leute kreativ gefordert sein, scheuen aber mehr und mehr das finanzielle Risiko der Selbstständigkeit – und sie wollen auch nicht bis zum Umfallen arbeiten. Für sie sind innovative Grossfirmen somit zu einer attraktiven Alternative geworden», resümiert Blasucci.

Für IFJ-Chef Simon May ist eine rege Firmengründungskultur dennoch «existenziell für eine starke Volkswirtschaft». Damit die Schweiz weiterhin innovativ und produktiv bleibe, zähle jede neue Firma.