Firmenschliessung statt Jubiläumsfeier: Luzerner Autovermieter Miecar zieht die Bremse

Nach 40 Jahren ist Schluss: Der Luzerner Autovermieter Miecar löst per Ende 2020 den Betrieb auf – eine Firmenschliessung mit Signalwirkung.

Gregory Remez
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Betrieb in Familienhand: Inhaber Camilla und Werner Appetito mit ihrer Tochter Viola im Miecar-Büro in Luzern.

Betrieb in Familienhand: Inhaber Camilla und Werner Appetito mit ihrer Tochter Viola im Miecar-Büro in Luzern.

Bild: Nadia Schärli (30. Januar 2020)

Dieses Jubiläum hätten sich Camilla und Werner Appetito sicher anders vorgestellt. Seit vierzig Jahren bietet das Ehepaar in der Luzerner Neustadt Minibusse und Kleintransporter zur Miete an. In dieser Zeit ist die von ihnen geführte Miecar AG zu einer kleinen lokalen Institution geworden.

Bekannt ist der Familienbetrieb unter anderem für sein jährliches Engagement bei der Rotsee-Regatta, die Zusammenarbeit mit Jugendorganisationen bei der Kartonsammlung oder das Sponsoring der Nachwuchsmannschaft des FC Luzern. Nun ist aber Schluss. Statt einer Jubiläumsfeier geben die Appetitos heuer ihren Abschied aus dem zunehmend härter umkämpften Klub der Autovermieter. Ende des laufenden Jahres wird ihre Familien-AG aufgelöst.

Werner Appetito, der den Betrieb 1980 von der Firma Metzger Mietwagen übernommen hat, blickt im Gespräch wehmütig auf die vergangenen Jahre zurück, macht aber auch deutlich, dass im Fall der Miecar eine Schliessung unumgänglich gewesen sei.

«Wir haben lange mit der Entscheidung gehadert. Schliesslich ist es nicht ganz einfach, etwas aufzugeben, das man über mehrere Jahrzehnte aufgebaut hat», sagt er. Eines sei ihm aber klar geworden: «Ein kleiner, eigenständiger Autovermieter wie der unsere hat in der Stadt Luzern keine Überlebenschance mehr.»

Komplizierte Firmenauflösung

Lange Zeit war die Miecar unter den lokalen Autovermietern so etwas wie der Platzhirsch. Bis heute verfügt kein vergleichbares Unternehmen – sieht man mal von neuartigen Dienstleistern wie dem Carsharing-Anbieter Mobility ab – über mehr Fahrzeuge in der Stadt. Zwar haben sich im Laufe der Jahre einige ausländische Konkurrenten dazugesellt.

So sind mit dem deutschen Unternehmen Sixt und dem französischen Pendant Europcar heute zwei bekannte, international tätige Autovermieter in Luzern präsent. Diese verfügen allerdings über nur kleine Fahrzeugkontingente an Ort und Stelle. Andere Autovermieter wie Hertz oder Avis sind dagegen nur in der Agglomeration vertreten.

Mehr als 40 Mietfahrzeuge führte die Miecar zu ihren besten Zeiten. Das Geschäft lief Ende der 80er-Jahre gar so gut, dass die Appetitos zur Expansion ansetzten und Filialen in Olten ­sowie den Aargauer Gemeinden Reinach und Lenzburg übernahmen; diese mussten sie im Laufe der Jahre allerdings wieder aufgeben. Geblieben ist das Büro in Luzern und 20 Fahrzeuge, wobei die Miecar-Flotte aktuell zu je einem Drittel aus Personenwagen, Nutzfahrzeugen und Kleintransportern besteht.

Für diese gilt es nun, Käufer zu finden. Was nicht ganz einfach sei, gibt Werner Appetito zu bedenken: 

«Eine Nachfolgelösung war nicht zu realisieren. Niemand war bereit, die Firma ganz zu übernehmen. Deshalb müssen wir diese nun in Teilen verkaufen. In unserem Fall gestaltet sich die Schliessung jedoch komplizierter als anderswo. Wir sind schliesslich keine Käserei oder Metzgerei, die einfach ihren Laden zumachen kann. Wir müssen den Betrieb langsam runterfahren und in dieser Zeit Käufer für unsere Fahrzeuge finden.»

Die Gründe für die Schliessung zum 40-Jahr-Jubiläum seien vielfältig, fügt Appetito an. Auf der einen Seite mache der Miecar vor allem die starke Konkurrenz von Händlern, Importeuren und Garagisten zu schaffen, die ebenfalls ins Automietgeschäft drängen und Kunden teilweise mit Dumpingpreisen locken. Hinzu kämen Private, die ihre Wagen auf Internetportalen oder direkt auf der Strasse zur Miete anbieten.

Auf der anderen Seite erfordere der Elektromobilitätsboom von den Unternehmern eine grössere Risikobereitschaft und kräftige Investitionen in Elektro- und Hybridfahrzeuge: «Für einen Familienbetrieb ist das schlicht nicht zu bewältigen.»

Das Aus der Miecar ist insofern auch ein Wink an vergleichbare Betriebe, wie sie auch in anderen Schweizer Städten noch zu finden sind. Die Branche erfahre gerade einen fundamentalen Wandel, was vor allem die Kleinen zu spüren bekämen, sagt Appetito. «Die Innenstädte wandeln sich aufgrund der veränderten Bedürfnisse, Parkplätze werden rarer. Das spielt wiederum neuen Akteuren wie Mobility in die Hände, die mit ihren Angeboten nicht nur den Zeitgeist treffen, sondern dank ihrer Grösse auch tiefere Tarife anbieten können.»

Berühmte Kundschaft

Angesichts solcher Konkurrenz habe es keinen Sinn mehr gemacht, die Miecar weiterzuführen, resümiert Werner Appetito. Offiziell kommuniziert habe man zwar noch nichts, man sei aber gerade daran, die rund 12000 Kunden, die sich über die Jahre angesammelt hätten – darunter auch einige Berühmtheiten wie die Luzerner Bands Dada ante portas oder 7 Dollar Taxi – zu informieren. Auch für die drei Angestellten, darunter die beiden Töchter Viola und Angela, habe man bereits vorgesorgt.

Bis Ende des Jahres soll der Betrieb noch am Leben gehalten werden. In dieser Zeit würden die vorhandenen Fahrzeuge weiterhin online vermietet, danach sei aber definitiv Schluss, sagt Appetito. Er hoffe, so eine annehmbare Lösung für Kunden und Mitarbeitende gefunden zu haben.

Schade finde er allerdings, dass man die Zusammenarbeit mit bestimmten Partnern frühzeitig beenden musste, beispielsweise die Unterstützung der Jugendvereine bei der Kartonsammlung. Dazu müsse man laut einer Vorgabe der Stadt ­mindestens sechs Transporter gleichzeitig zur Verfügung stellen. Das sei heuer leider nicht mehr möglich gewesen.

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