FITNESS: Waage wieder mal was

Sportlicher und gesünder: Fitness-Armbänder und -Uhren eröffnen neue Möglichkeiten. Dies hat Folgen bis hin zur Waage.

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Anstehen für die kluge Waage von Polar. (Bild: PD)

Anstehen für die kluge Waage von Polar. (Bild: PD)

Dominik Buholzer

Die Rechnung ist schnell gemacht. Wer sich viel bewegt, verbraucht mehr Kalorien, ist fitter, stärkt sein Immunsystem und ist damit weniger anfällig auf Erkrankungen. Es ist also alles einfach, wäre da nicht unsere Bequemlichkeit. Sitzen ist einfacher als stehen, Fernsehen gucken unbeschwerter als 10 Kilometer im Gelände abzuspulen.

Technik gegen den Schweinehund

Im Kampf gegen den inneren Schweinehund setzen deshalb immer mehr auf so genannte Fitness-Tracker. Es sind kleine Dinger wie die Armbänder Garmin Vivosmart, Fitbit Flex oder Polar Flow, die uns Beine machen. Oder dann smarte Uhren von Samsung Gear S über Apple Watch bis hin zu Running-Uhren wie der Forunner 235 von Garmin (siehe auch Box). Die Fitness-Tracker sind im Grunde genommen nichts anderes als Mini-Computer, die als Armband getragen werden. Die Bänder sind mit einem Bewegungssensor ausgerüstet, der die Anzahl Schritte sowie die weitere körperlicher Aktivität registriert, um daraus die verbrauchte Energie zu berechnen.

Die Innovationskraft, die von Firmen wie Polar, Garmin oder Fitbit ausgeht, ist enorm. Jedes Jahr drängen mehr Produkte auf den Markt. Entsprechend steigen die Absatzzahlen. Wurden 2012 noch 8,3 Millionen Smartwatches und Fitness-Tracker verkauft, waren es im vergangenen Jahr bereits 57,42 Millionen und 2017 sollen es 64 Millionen sein. Von einem Massenmarkt kann man laut Nikola Bachfischer von der Münchner Managementberatung iq! allerdings nicht sprechen – noch nicht. Dazu seien die Geräte zum Teil noch viel zu wenig ausgereift und die Sorge um die Datensicherheit noch zu gross.

Welches Potenzial der Markt aufweist, zeigt Runtastic. Das österreichische Unternehmen wurde 2009 gegründet und hat sich kontinuierlich zu einem internationalen Health- und Fitness-Unternehmen entwickelt. Heute zählt Runtastic 70 Millionen registrierte Nutzer. Die Apps für Lauf-, Velo- und Fitnesstraining wurden über 140 Millionen Mal heruntergeladen. Zudem hat das Unternehmen auch einen Fuss im Geschäft mit Aktivitäts-Trackern und Fitnessuhren drin.

Alles vernetzt

Dies ist erst der Anfang. Die Zukunft der Wearables liegt längst nicht nur im Sportbereich. Das grosse Geschäft dürfte wohl im Bereich Gesundheit und Prävention liegen. Und das Tempo, das angeschlagen wird, ist relativ hoch. «Wer als Hersteller in den nächsten zwei Jahren nicht die Weichen stellt und auf ein digitales Angebot verzichtet, läuft Gefahr, den Anschluss an eine Produktewelt zu verlieren, die sich immer mehr vernetzt und interagiert», sagt Nikola Bachfischer.

Garmin und Polar, die sich einen Namen als Sportuhrenproduzenten machten, haben den ersten Schritt in diese Richtung bereits getan. Es wird vernetzt, was miteinander vernetzt werden kann. Beispielsweise die Waage.

Polar präsentierte dieser Tage an der Sportartikelmesse Ispo in München sein Gewichtsmanagement-System Polar Balance. Die Waage misst das Gewicht, ermittelt dann das personalisierte Tagesziel zum Erreichen des Wunschgewichts und leitet schliesslich alle Daten auf den Fit-Tracker. Das System hält den Nutzer nicht nur auf Trab, sondern gibt ihm Informationen, welche Wirkung welches Training auf sein Gewicht hat, wann er eine Pause einzulegen hat und versorgt ihn auch noch mit Ernährungstipps.

Die Waage von Garmin Index Smart Scale funktioniert ähnlich. Neben dem Gewicht ermittelt sie zusätzlich den Body Mass Index, den Körperfettanteil, den prozentualen Wasseranteil sowie die Muskel- und Knochenmasse. Die Daten werden auf eine App übertragen, wo sie entweder am Smartphone oder am PC analysiert werden können. Wie bei Polar besteht die Möglichkeit, die Daten auf andere Garmin-Produkte zu übermitteln und so seine individuellen Ziele anzupassen beziehungsweise besser im Auge zu behalten.

Für Heinrich von Grünigen, Präsident der Schweizerischen Adipositas-Stiftung, sind solche Systeme zwar hilfreich, die Daten sollten aber vorsichtig interpretiert werden. «Eine solche Waage gibt mir einen Richtwert. Aber präzise sind die Angaben nicht. Dafür müsste man einen viel grösseren Aufwand betreiben», sagt er. Sprich: Eine solche Waage gibt mir einen Hinweis, ob ich mich auf dem richtigen Weg befinde – aber nicht mehr.

10 000 Schritte täglich

Höchst umstritten ist zudem, wie oft man auf die Waage stehen soll. Selbst Fachleute sind sich diesbezüglich nicht einig. Heinrich von Grünigen: «Die einen vertreten die Ansicht, dass es nicht klug ist, wenn man sich jeden Tag wägt, da dies psychisch auch belastend sein kann, wenn man keine Fortschritte erzielt.» Sie vertreten die Ansicht, dass es genügt, wenn man einmal wöchentlich das Gewicht ermittelt. Die anderen hingegen werfen ein, dass man nicht mehr rechtzeitig auf Gewichtszunahmen reagieren kann, wenn man sich nur sporadisch auf die Waage stellt. «Klar ist, dass stark übergewichtige Personen eine medizinische Behandlung benötigen», betont Heinrich von Grünigen. Von starkem Übergewicht beziehungswiese Adipositas spricht man bei Personen, die einen Body Mass Index (BMI) von über 30 aufweisen. Zum Vergleich: Bei einem BMI zwischen 15 und 18 gilt man als magersüchtig, bei einem zwischen 18 und 25 als normalgewichtig, bei einem BMI von 25 bis 30 als leicht übergewichtig ohne gesundheitliche Risiken und über 30 als übergewichtig mit erhöhtem Gesundheitsrisiko.

Die meisten Fit-Tracker empfehlen einem, täglich 10 000 Schritte zu machen. Dies ist laut Heinrich von Grünigen richtig, um sein derzeitiges Gewicht zu halten. «Wenn man jedoch abnehmen will, dann muss man deutlich mehr leisten. Aber mit nur mehr Bewegung ist es auch nicht getan», wendet er ein. Wie jede Person, so sind auch die Gründe für jede Fettleibigkeit individuell verschieden. «Deshalb», so Heinrich von Grünigen, «genügt es auch nicht, wenn man einfach weniger isst.»

Hinweis

Polar Balance kann von bis zu 10 Familienmitgliedern genutzt werden. Es gibt sie in den Farben schwarz und weiss und sie kostet 119.90 Franken. Weitere Informationen unter www.polar.ch

Die Garmin Index Smart Scale gibt es ebenso in schwarz und weiss. Kostenpunkt: 189.00 Franken. Zusätzliche Informationen unter www.garmin.ch