Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Für sauberen Sport: Berlinger findet Lösung für Dopingflaschen

Eigentlich wollte sich die Ganterschwiler Berlinger-Gruppe aus der Produktion von Flaschen für Dopingproben zurückziehen. Jetzt gibt es ein Joint Venture mit der schwedischen Stiftung von Arne Ljungqvist.
Stefan Borkert
Anti-Doping-Flasche der Toggenburger Firma Berlinger. Das Unternehmen führt die Herstellung der Anti-Doping-Produkte nun doch in Ganterschwil weiter. (Bild: Fabienne Engbers/FM 1 Today (7. Februar 2018))

Anti-Doping-Flasche der Toggenburger Firma Berlinger. Das Unternehmen führt die Herstellung der Anti-Doping-Produkte nun doch in Ganterschwil weiter. (Bild: Fabienne Engbers/FM 1 Today (7. Februar 2018))

«Nein, nein», wiegelt Hans Klaus ab, Mediensprecher der Berlinger-Gruppe in Ganterschwil. «Das ist kein Rückzug vom Rückzug.» Anfang des Jahres hatte Berlinger bekannt gegeben, mittelfristig aus der Produktion von Flaschen für Dopingproben auszusteigen. Man habe damals schon gesagt, dass für die Flaschenproduktion eine Lösung gesucht werde, sagt Klaus weiter. Nach Recherchen von Reportern des deutschen Senders ARD war die neuste Flaschengeneration als manipulierbar entlarvt worden. Berlinger griff damals rasch auf die sichereren Flaschen der vorigen Generation zurück.

«Noch immer sind die Flaschen namens ‹Bereg Kit› für den Kampf gegen Doping von Berlinger die besten auf dem Markt», sagt Klaus. Der Markt wachse sehr, sehr langsam. Das Know-how von Berlinger werde geschätzt. Die Anti-Doping-Gemeinschaft sei ausserdem recht überschaubar, und seitens der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada und nationaler Agenturen setze man auch nach den ARD-Recherchen weiter auf die Produkte aus Ganterschwil. «Derzeit gibt es nichts wirklich Vergleichbares», sagt Klaus. Gleichzeitig betont er, dass die Gefahr, wegen einer juristischen Auseinandersetzung in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten, für ein kleines Familienunternehmen gross sei. Er verweist dabei unter anderem auch auf Korruption und die organisierte Manipulation von Dopingkontrollen.

Suche nach nichtkommerzieller Lösung

Dennoch habe Berlinger intensiv nach einer vor allem nicht­kommerziellen Lösung gesucht. Die Anti-Doping-Kontrollbehälter von Berlinger kommen seit Jahrzehnten an Sportveranstaltungen, Olympischen Spielen, Leichtathletik-Weltmeisterschaften oder aktuell an der Fussball-Weltmeisterschaft in Russland zum Einsatz. Neu werde nun Vertrieb, Forschung und Weiterentwicklung von Berlingers Anti-Doping-Produkten künftig von einer Stiftung übernommen und verwaltet. Konkret ist das die schwedische Arne-Ljungqvist-Stiftung. Die Produktion der Anti-Doping-Produkte bleibe in Ganterschwil und werde von einer eignen Firma übernommen. «Somit bleiben auch alle Arbeitsplätze in Ganterschwil erhalten», sagt der Unternehmenssprecher.

Der Dopingbekämpfer Professor Arne Ljungqvist. (Bild: PD)

Der Dopingbekämpfer Professor Arne Ljungqvist. (Bild: PD)

Die Neuorganisation der Produktion der Anti-Doping-Flaschen steht im Zusammenhang mit einer strategischen Neuausrichtung der Firma, die gestern bekannt gegeben wurde. Der Verwaltungsrat erklärte, die Produktion der Anti-Doping-Produkte auch in den kommenden Jahren weiterzuführen und deren nachhaltige Entwicklung der renommierten Anti-Doping-Stiftung «Professor-Arne-Ljungqvist-Stiftung» (www.arneljungqvist.com) in Schweden zu übergeben. Berlinger-Verwaltungsratspräsidentin Andrea Berlinger und Professor Arne Ljungqvist, Gründer und Stiftungsratspräsident, haben bereits am vergangenen Freitag in Stockholm eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet.

Vorreiter für dopingfreien Sport

Mit der Arne-Ljungqvist-Stiftung sei eine Partnerorganisation gefunden worden, die sich seit Jahrzehnten ganz dem sauberen Sport verschrieben habe. Die von Ljungqvist gegründete und präsidierte Stiftung gilt als Vorreiter und Kompetenzzentrum für einen dopingfreien internationalen Sport. Die Stiftung und deren Tätigkeiten geniessen weltweit ein hohes Ansehen. Als Schirmherr der Stiftung amtet Fürst Albert II. von Monaco, heisst es in einem Communiqué.

Andrea Berlinger bezeichnet die Lösung als wegweisend: «Wir haben mit Professor Arne Ljungqvist und seiner Stiftung einen Partner gefunden, der für höchste ethisch-moralische Grundsätze im Sport einsteht. Berlinger ist stolz darauf, weiterhin Teil der Anti-Doping-Bewegung weltweit sein zu dürfen.»

Die Rückmeldungen des Marktes in den vergangenen Jahren hätten gezeigt, dass Berlingers Anti-Doping-Produkte als Industriestandard für Dopingkontrollen gelten. Die Anti-Doping-Kontrollorganisationen und die Weltsportverbände wollten auch künftig nicht auf die Bereg-Produkte aus Ganterschwil verzichten, wird Andrea Berlinger in der Mitteilung zitiert.

Thomas Bechter, designierter Chef der Berlinger-Gruppe. (Bild: PD)

Thomas Bechter, designierter Chef der Berlinger-Gruppe. (Bild: PD)

Berlinger setzt einen neuen Chef ein

Im Zuge der strategischen Neuausrichtung der Berlinger-Gruppe mit den beiden Gesellschaften Berlinger & Co. AG (Temperatur-Überwachungstechnologien) und Berlinger Special AG für den Anti-Doping-Bereich hat der Verwaltungsrat beschlossen, die operative Leitung der Gruppe einem neuen CEO zu übergeben. CEO wird der 47-jährige Thomas Bechter. Der international erfahrene Manager ist seit März 2018 als Berater bei der Berlinger Group unter Vertrag und hat den Prozess der strategischen Neuausrichtung der Gruppe begleitet. Bechter war zuvor bei verschiedenen internationalen Konzernen wie Nissan Renault (Schweiz), Nikon Corporation Europe (Niederlande) und der Berner Group (Deutschland) tätig. Er übernimmt seine Funktion zum 1. August.

Mit dem Wechsel an der operativen Spitze des Unternehmens konzentriert sich die bisherige Unternehmensleitung mit Andrea Berlinger und Daniel Schwyter ganz auf die strategische Weiterentwicklung der Gruppe, sagt Unternehmenssprecher Hans Klaus. Andrea Berlinger bleibt Verwaltungsratspräsidentin und wird sich speziell der Ausgestaltung der Stiftungslösung im Anti-Doping-Bereich annehmen. Ausserdem soll sie nach Abschluss dieses Projekts Stiftungsrätin der Arne-Ljungqvist-Stiftung werden. (bor)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.