Börse im Minus
«Flash Crash» an Japans Börse

An der Börse in Tokio ereignete sich ein dramatischer Einbruch: Der Nikkei-Index der 225 führenden Aktien stürzte um mehr als 1000 Punkte in den Keller.

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Mann vor einer Börsenanzeige in Tokio

Mann vor einer Börsenanzeige in Tokio

Keystone

An der Börse in Tokio ereignete sich ein dramatischer Einbruch: Der Nikkei-Index der 225 führenden Aktien stürzte um mehr als 1000 Punkte in den Keller. Zum Handelsende notierte das Börsenbarometer mit einem massiven Abschlag von 1143 Punkten oder 7,3 Prozent auf einem Stand von 14 484 Punkten (siehe Grafik).

Zuvor war der chinesische Einkaufsmanager-Index der britischen Bank HSBC unerwartet stark abgesackt. Der Index ist ein viel beachteter Vorlaufindikator, der die Börsenentwicklung um drei bis sechs Monate vorwegnimmt.

Besonders bitter: Im Mai signalisiert das Wirtschaftsbarometer erstmals seit vergangenem Oktober wieder eine schrumpfende Wirtschaft im Reich der Mitte.

«Die Details des Einkaufsmanagerindex zeigen einen erschreckend schwachen Zustand der chinesischen Wirtschaft», sagt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank.

Die dadurch ausgelösten Kursverluste an asiatischen Märkten rissen auch die Leitbörse in Tokio in den Keller. Zudem hatte gestern der US-Notenbankchef Ben Bernanke signalisiert, dass er mit dem Gedanken eines Ausstiegs aus der expansiven Geldpolitik spielt.

«Sollten wir eine anhaltende Erholung beobachten und zuversichtlich sein, dass sich diese als nachhaltig erweist, dann könnten wir in den nächsten Sitzungen das Tempo der Anleihekäufe zurückfahren», so Bernanke.

Erinnerungen an den Crash im Mai 2010

In Japan führte dies zu einer eigenen Dynamik: «Der japanische Anleihenmarkt ist ins Schlingern gekommen, sodass die japanische Notenbank massiv intervenieren musste», sagt Christian Gattiker, Anlagestratege der Bank Julius Bär.

Die Aktienmärkte seien unter Druck gekommen, weil viele spekulative Positionen Hals über Kopf geschlossen werden mussten. «Das erinnert an den Flash Crash im Mai 2010 in den USA, da waren auch in etwa diese Verluste zu verzeichnen innerhalb weniger Minuten», so Gattiker.

Da der Nikkei seit Anfang Jahr um 40 Prozent gestiegen ist, dürfte es sich wohl nur um eine Zwischenkorrektur handeln. «Insgesamt dürfte es noch nicht das Ende der Hausse sein», sagt Marco Wagner, Japanexperte bei der Commerzbank. (fhm)