Kommentar

Fleisch aus tiergerechter Haltung: Der Kunde befindet über Tierwohl

Zwischen angegebener und effektiver Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Nahrungsmittel besteht ein Unterschied. Am Ende wird immer im Supermarkt entschieden.

Raphael Bühlmann
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Raphael Bühlmann

Das Wohlergehen von Nutztieren liegt den Schweizern am Herzen. Dies zumindest zeigen Umfragen. Der Absatz zeigt indes ein diametral entgegengesetztes Bild. Gerade beim Fleisch. Der Preis für Bioschweine sank im November auf ein Zehnjahrestief, Migros will ab 2019 keine Auslauf-Prämie mehr bezahlen und Coop fährt sein Naturafarm-Angebot stark zurück. Wie aber kann es sein, dass Einkaufsverhalten und Umfrageergebnisse nicht zusammenpassen? Handelt es sich etwa nur um «Lippenbekenntnisse der Konsumenten», fragt der Bauernverband verdutzt.

Die Antwort darauf ist eigentlich offensichtlich und auch nicht überraschend. Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass zwischen angegebener und effektiver Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Nahrungsmittel ein Unterschied besteht. So kam auch der Schweizer Tierschutz in einer Studie zum Schluss, dass Kunden für einen Liter Milch bis zu zwei Franken zu bezahlen bereit wären, wenn damit ein angemessener Tierschutz gewährleistet würde. Die Realität sieht aber anders aus.

Umfrageresultate sind für die Bauern eine schlechte Grundlage für betriebswirtschaftliche Entscheide. Sie zeigen vor allem, wie der Konsument sein Einkaufsverhalten überschätzt. Sie führen aber auch dazu, dass Landwirte ihre Investitionsentscheide auf diesen Umfragen abstützen. Bauern, die noch vor einem Jahr in den Umbau für die Produktion von Naturafarm-Schweine- oder Kalbfleisch investiert haben, sehen sich mit dem Entscheid von Coop das Programm zusammenzustreichen, auf bittere Art und Weise mit der ökomischen Realität konfrontiert. Denn entschieden über das gewollte Mass an Tierwohl wird in den Supermärkten – nicht mit Umfragen.