FLEISCH: Neuer Zoff um die Grillware

Obwohl der Nationalrat grünes Licht für ein neues Importsystem gegeben hat, gibt es Ärger in der Branche. Diese will die rasche Umsetzung, der Bund verzögert.

Bernard Marks
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Der Fleischmarkt ist lukrativ: 51,72 Kilo Fleisch hat jede Schweizerin und jeder Schweizer 2012 verspeist. (Bild: Archiv Neue LZ)

Der Fleischmarkt ist lukrativ: 51,72 Kilo Fleisch hat jede Schweizerin und jeder Schweizer 2012 verspeist. (Bild: Archiv Neue LZ)

Rolf Büttiker ist verärgert. «Das hat doch nichts mit Demokratie zu tun», enerviert sich der alt Ständerat (FDP)und Präsident des Schweizerischen Fleisch-Fachverbandes (SFF). «Nach einem langjährigen Kampf haben sowohl das Parlament als auch der Ständerat endlich einer Optimierung des Importsystems für Fleisch zugestimmt», sagte Büttiker gestern in Zürich. Doch nun wolle der Bundesrat die Einführung des neuen Importsystems auf den 1. Januar 2016 verzögern.

Das gehe nicht: «Wir wollen eine schnelle Umsetzung, ohne Wenn und Aber», sagt Büttiker. Er forderte deshalb eine Einführung des neuen Importsystems für Fleisch auf den 1. Januar 2014. Die Verzögerungstaktik des Bundesrates sei aus Sicht des SFF unverständlich und absolut inakzeptabel, sagt Büttiker. Seiner Meinung nach will der Bundesrat damit nur die eigene Kasse schonen, sagte Büttiker im Gespräch mit unserer Zeitung.

Neues System gut für KMU

Das neue Importsystem für Fleisch sieht vor, 40 Prozent der Zollkontingents­anteile für rotes Fleisch (Rind, Schaf, Ziegen und Pferd) auf der Basis einer Inlandleistung sowie neue Entsorgungsbeiträge für Geflügel und Pferde zuzuteilen. «Es soll nur derjenige importieren dürfen, der auch selber in der Schweiz Fleisch produziert.»

Das neue System ist nach Ansicht Büttikers ohne weiteres aus den bisherigen Versteigerungserlösen von 205 bis 210 Millionen Franken pro Jahr mit rund 55 Millionen Franken vollumfänglich finanzierbar. Büttiker kritisiert die Haltung des Bundesrates Johann Schneider-Ammann, der sich in einigen Debatten dafür ausgesprochen hatte, im Gegenzug und im Sinne eines Nullsummenspiels einfach die Entsorgungsbeiträge beziehungsweise andere Beiträge zu Gunsten der Viehwirtschaft entsprechend zu kürzen. «Das ist für die gesamte Fleischwirtschaft inakzeptabel und wäre einer Demokratie unwürdig», sagt Büttiker.

Fleischmarkt bleibt geschützt

Entgegen den Behauptungen des Bundesrates führe das neue System nicht zu einer Konzentration von Importrenten, sondern ermögliche es sogar vom jetzigen System ausgeschlossenen KMU, nach langen Jahren ohne Zollkontingentsanteile künftig «endlich wieder solche zugeteilt zu erhalten», sagt Büttiker. Als Basis dafür dient die Anzahl der Schlachtungen für die betriebseigene Verwendung beziehungsweise diejenige der in Auftrag gegebenen Schlachtungen.

Der Schweizer Fleischmarkt bleibt aber trotz des neuen Importsystems vor zu viel Fleisch aus dem Ausland geschützt. Auf importiertes Fleisch wird Zoll erhoben. Trotzdem ist dies günstiger im Einkauf. Doch der Preis scheint beim Fleisch weiterhin ein nebensächlicher Aspekt zu sein. Herr und Frau Schweizer ziehen Schweizer Fleisch vor. In einer 2012 vom unabhängigen Marktforschungsinstitut Dichter Research AG durchgeführten repräsentativen Imagestudie zum Thema Fleisch haben die Schweizerinnen und Schweizer ihr Vertrauen in Schweizer Fleisch und Fleischprodukte bestätigt. So wird die Qualität bei allen Fleischarten heute deutlich besser beurteilt als noch bei der letzten Befragung 2006.

Das zeigt sich auch im Verbraucherverhalten. Der Inlandanteil am gesamthaft konsumierten Fleisch konnte um 1,2 Prozent auf 81,3 Prozent gesteigert werden, obschon die Inlandproduktion an verkaufsfertigem Fleisch um 0,8 Prozent abgenommen hat. Erneut stammten also über vier Fünftel des in der Schweiz konsumierten Fleisches aus einheimischer Produktion.

Fokus auf mehr Qualität

Trotzdem: Angesichts des zunehmenden Einkaufstourismus und des inländischen Preisdrucks will der SFF noch stärker auf Qualität setzen. Gestern hat der Verband die rund 70 Seiten umfassenden Qualitätsleitsätze für Fleisch und Fleischprodukte veröffentlicht. Mittelfristig könne sich die Schweizer Fleischwirtschaft nur über eine hohe Qualität der Produkte positionieren, sagte Ruedi Hadorn, Direktor des SFF. Eine Strategie, basierend auf dem Preis beziehungsweise der Menge, sei chancenlos. Die neuen Qualitätsleitsätze seien jedoch nicht verbindlich, sondern nur als Empfehlung auf freiwilliger Basis gedacht. Auf keinen Fall wolle der SFF seinen Mitgliedern weitere zusätzliche administrative Auflagen aufbürden.

Denn bereits heute beklagt der SFF die Vielzahl an Vorschriften. «Die Totalrevision des Lebensmittelgesetzes, die der Nationalrat im März beraten hat, lässt einen Deklarationswahnsinn befürchten», sagt Hadorn. Es dürfe nicht sein, dass wegen der Betrugsfälle die Mehrheit der korrekt arbeitenden Produktionsbetriebe belastet werde.