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FLEISCHMARKT: «Eine Einladung zum Betrug»

Der jüngste Lebensmittelskandal in der EU ist kein Zufall, sagt ein deutscher Konsumentenschützer. Er fordert härtere Strafen und umfangreichere Kontrollen.
Hans-Peter Hoeren und Stefan Brändle
Diese Fabrik ist im Visier der Justiz. (Bild: EPA/Guillaume Horcajuelo)

Diese Fabrik ist im Visier der Justiz. (Bild: EPA/Guillaume Horcajuelo)

Die EU-Minister machen Ernst. Gestern wurden obligatorische DNA-Tests bei Fleischprodukten in allen Mitgliedsstaaten beschlossen. Damit soll das Ausmass der Täuschungen durch nicht deklariertes Pferdefleisch ausgelotet werden. Zudem soll beim Pferdefleisch geprüft werden, ob es Rückstände von Medikamenten enthält. Tag für Tag tauchen neue Fertigprodukte in der EU auf, die undeklariertes Pferdefleisch enthalten. Gestern weitete sich der Skandal auf Österreich aus. Dort wurde in Rindfleisch-Tortelloni im Sortiment des Discounters Lidl Pferdefleisch nachgewiesen. Produziert wurden sie von der liechtensteinischen Hilcona AG.

«Die Strafen müssen weh tun»

Andreas Winkler lässt der Aktionismus der EU-Behörden kalt. «DNA-Tests können derartige Skandale auch künftig nicht verhindern. Der europäische Fleischmarkt hat ein strukturelles Problem. Er lädt geradezu zum Betrügen ein», sagt der Mitarbeiter der gemeinnützigen deutschen Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Betrug erwischt zu werden, sei sehr gering, ausserdem kämen Unternehmen im Betrugsfall mit relativ geringen Strafen davon. Die französische Handelsfirma Spanghero beispielsweise soll durch den Pferdefleischskandal mehr als eine halbe Million Euro zusätzlich verdient haben, dafür drohten ihm aber nur weit geringere Geldstrafen, kritisiert Andreas Winkler. Zusätzlich ist eine Gefängnisstrafe von im Höchstfall zwei Jahren möglich. «Wir fordern, dass sich die Strafen derartiger Unternehmen am Umsatz orientieren, sie müssen den Firmen richtig weh tun», stellt Andreas Winkler klar.

«Wir dachten, es sei Rind»

In Grossbritannien sind gestern drei Verantwortliche von Schlachthöfen festgenommen worden, die in den Pferdefleischskandal verwickelt sein sollen. Am gleichen Tag hatte die französische Regierung der Firma Spanghero die Geschäftszulassung wegen «Wirtschaftsbetrugs» entzogen. Vorerst für zehn Tage. Das Unternehmen aus der Nähe des südfranzösischen Carcassonne soll 750 Tonnen Pferdefleisch aus rumänischen Schlachthöfen als Rindfleisch etikettiert und weiter verkauft haben. Gestern ging die Direktion der 300-köpfigen Firma in die Offensive. Barthélémy Aguerre, der sich als Vorsteher ausgibt, wies die Betrugsvorwürfe zurück. «Wir dachten, es sei Rind», sagte er zum Verdacht, dass Spanghero rumänisches Pferdefleisch als Rind an die französische Verarbeitungsfirma Comigel weiterverkauft habe.

Rugby-Legende gründete Firma

Aguerre glaubt nicht, dass Berufsprofis die Faserung und den Geruch des Pferdefleisches auf Anhieb erkennen können. Gleiches gelte für die erhaltenen Rechnungen mit dem Zollcode 0205 0080 für Pferdefleisch: «Wir dachten, das sei eine blosse Artikelnummer.» Nun seien 300 Arbeitsplätze bedroht. Die Regierung habe vorschnell gehandelt, kritisierte Aguerre.

Die Firma Spanghero wurde in den Achtzigerjahren von der Rugby-Legende Walter Spanghero und seinen fünf Brüdern gegründet. Über die Jahre wurde daraus ein Handelsunternehmen. 2009 verkaufte es die Familie Spanghero weiter an eine landwirtschaftliche Genossenschaft aus dem Baskenland namens Lur Berri. Im Geschäftsjahr 2011/12 erzielte Spanghero einen Umsatz von 52 Millionen Euro.

Handelskonzerne sind in der Pflicht

Um derartige Skandale künftig zu vermeiden, müssten aber auch die Kontrollpflichten verschärft werden, ist Konsumentenschützer Andreas Winkler überzeugt. Die entscheidende Lehre aus dem Skandal laute: «Die Handelskonzerne als die letzten Glieder der Kette müssen stärker in die Verantwortung genommen werden für die Produkte, die sie in Umlauf bringen», fordert Winkler. Bei vielen der aus dem Verkehr gezogenen Produkte in der EU handelt es sich um Eigenmarken der Detailhändler. «Deshalb müssen sie verpflichtet werden, sicherzustellen, dass ihre Produkte korrekt sind», sagt Winkler.

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