Swiss
Flüge gestrichen: Bereits bleibt zweite Swiss-Maschine am Boden

Die Swiss reagiert auf die ausbleibenden Buchungen: Auf mehr als einem Dutzend Strecken werden die Flugkapazitäten in den kommenden Monaten gesenkt.

Drucken
Teilen
swiss

swiss

Schweiz am Sonntag

Von Benjamin Weinmann

Im März gab die Swiss im «Sonntag» bekannt, auf zehn Strecken Flüge zu streichen. Doch mittlerweile hat sich die Baisse im Flugbusiness weiter verschärft. Darum sind es jetzt bereits ein Dutzend Strecken, wie Sprecher Jean- Claude Donzel bestätigt: «Aufgrund der sinkenden Nachfrage streicht Swiss weitere Frequenzen.»

BEI DEN LANGSTRECKEN wie zum Beispiel nach L. A. und Mumbai galten die Kürzungen vorerst nur bis Anfang Juli. Diese Frist wurde nun erweitert. Und auch im Nahverkehr heben die Swiss-Maschinen weniger ab: Von Juli bis Oktober gibt es pro Tag nur noch sechs statt neun Flüge von Zürich nach London City. Hier spürt die Swiss wohl vor allem die ausbleibenden Geschäftsreisen. Insgesamt wird der Flugverkehr der Swiss somit um sechs Prozent gesenkt. Hinzu kommt, dass der Nachtflug nach Tel Aviv zeitweise mit der A320 statt mit der grösseren A330 bedient wird. Dadurch wird eine zweite Maschine überflüssig: «Die A330 wird ab Juli bis Ende Sommerflugplan im Oktober in Kloten parkiert», bestätigt Donzel.

Bereits im April wurde eine A340 stillgelegt. Zudem wird im Winter die Tochtergesellschaft Edelweiss Air zur Auftraggeberin der Swiss. Laut Edelweiss-Geschäftsführer Karl Kistler wird eine A330 der Swiss unter Edelweiss-Namen und mit Edelweiss-Crew einmal wöchentlich als Charter auf die Malediven und nach Mombasa fliegen. Edelweiss macht sich somit den Ausstieg von Air Berlin aus dem Schweizer Langstreckenbusiness zunutze.

NOCH STEHT DIE SWISS im Vergleich mit anderen Fluggesellschaften relativ gut da. Im ersten Quartal erzielte sie einen operativen Gewinn von rund 63 Millionen Franken. «Wir profitieren noch von den guten Vorausbuchungen des letzten Jahres», sagte Noch-Swiss-CEO Christoph Franz kürzlich in der «Neuen Zürcher Zeitung». Doch der Einbruch bei den Passagierzahlen im April werde sich auch bei der Swiss deutlich negativ bemerkbar machen. Die Erlösrückgänge würden Monat für Monat grösser, so Franz. Der internationale Branchenverband Iata prognostiziert der Flugindustrie für das laufende Jahr Verluste von rund 3,5 Milliarden Euro. Iata-Chef Giovanni Bisignani bezeichnet den Zustand der Industrie als «trostlos».

Entlassungen oder Kurzarbeit sind trotz den zahlreichen Kapazitätsreduktionen noch kein Thema - vor allem dank den aufgestauten Feriensaldos, wie die Gewerkschaften des Kabinenpersonals (Kapers) und der Piloten (Aeropers) bestätigen. Um gegen eine Verschlechterung der Lage gewappnet zu sein, diskutiere man aber mit der Swiss schon heute über mögliche Sparmassnahmen, so der frischgewählte Aeropers-Präsident Rolf Odermatt. Zudem werden laut Swiss in Zukunft die Ausbildungskurse gebremst und weniger Kabinenpersonal wird eingestellt.